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SILVER 10

Jänner 2007

Inhalt der Ausgabe


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Multi, Mikro, Monopol

 

 

UM SEINE EIGENE FIRMA MONOPOL GMBH ZU NENNEN, BRAUCHT ES EINIGES AN CHUZPE. NORMALERWEISE GEBEN UNTERNEHMEN NÄMLICH GELD DAFÜR AUS, UM DEN VERDACHT „UNVOLLSTÄNDIGER KONKURRENZ“ FERN VON SICH ZU HALTEN. NICHT SO IN WIEN 4, FAVORITENSTRASSE 4, WO DIE MONOPOL GMBH ALS VERLAG FÜR DAS MUSIKMAGAZIN THE GAP UND TEIL EINES ERSTAUNLICHEN NETZWERKES LOGIERT. ALS EIN BEWEIS, DASS MONOPOLE AUCH GUTE SEITEN HABEN KÖNNEN.
Autor: Andreas Kump

 

Mach Dein Hobby zum Beruf. Eine längst abgewirtschaftete Botschaft aus dem Fundus des richtigen Lebens im falschen. Anno Karriere mit Lehre und Vollbeschäftigung. Als alles noch ein wenig geordneter schien: die Arbeitszeit, der Markt, die Lebensmodelle. Mach Dein Hobby zum Beruf – darin steckte zwar das Eingeständnis, bereits an der falschen Firmenadresse gelandet zu sein, seinen aktuellen Broterwerb bis dato nicht mit einer vielleicht möglichen Selbstverwirklichung gekreuzt zu haben; andererseits schwang da auch noch so ein Hauch von Utopie mit, dass das Hamsterrad eventuell doch einen Notausgang hat, sofern man sich traut, ihn auch zu benutzen.

Und heute? Heute ist das mit dem Hobby und dem Beruf einfacher und schwieriger zugleich. Einerseits verdienen Menschen gutes Geld mit Berufen, von denen sie ihre Eltern schon allein deshalb nicht gewarnt haben, weil sie gar nicht wussten, dass es sie gibt. Andererseits unterliegen auch gerade viele dieser Berufe einer Entwicklung, die besonders Einsteiger zu spüren bekommen: Praktikum, Projekte, Prekariat. Hobby oder Beruf? Zu dieser Grundsatzfrage gelangten jedenfalls vor ein paar Jahren auch die Macher des Magazins The Gap. Zu diesem Zeitpunkt hatte das 1997 von ein paar Indie- Pop-Enthusiasten aus der Taufe gehobene Blatt schon eine weite Strecke zurückgelegt. Vom Special-Interest-Fanzine (nona) mit Kleinstauflage zum hochglänzenden, durchgängig vierfärbigen Popkultur-Magazin, das nebst umfangreicher Musikberichterstattung auch vor Themen aus Film, Literatur, Games und Kunst nicht Halt machte.

Während aber das Magazin selbst immer professioneller wurde, blieben die Produktionsbedingungen die längste Zeit unverändert von Selbstausbeutung und Freizeitarbeit geprägt. „Damals mussten wir uns entscheiden, ob wir weiterhin unsere Wochenenden opfern oder so etwas wie Kostenwahrheit wollten“, fasst Niko Alm die damaligen Überlegungen zusammen. Dass die Entscheidung letztendlich Kostenwahrheit lautete, hat der nunmehrige Herausgeber von The Gap seither nie bedauert: „Wir haben uns unser Privatleben zurückgekauft“, resümiert Alm und gesteht damit vice versa freimütig ein, dass sich zum Beruf gewandelte Leidenschaften in weiterer Folge schon auch gegen einen wenden können. Nichts lag also näher, als klare Verhältnisse zu schaffen. Anstatt weiterhin im und als Verein aufzutreten, wurde die Monopol GmbH als Verlag und Medieninhaberin von The Gap gegründet, führten Alm & Co vormals lästige Tätigkeiten in bezahlte Angestelltenverhältnisse über – Stichwort Kostenwahrheit –, und es entstand ein weit gefächertes Distributionsnetz für das gratis vertriebene Magazin. Über die Namensgebung des Verlags darf gerätselt werden. Steckt da etwa der Auskennerstatus des The Gap-Teams dahinter? Der Durchblick im Pluralismus und Miteinander der Jugendkulturen? Das Prädikat des akzeptierten Popfilters? Ganz ironiefrei dürfte es bei der Grundsteinlegung der Monopol GmbH nicht zugegangen sein, den Ernst behielt man sich jedenfalls für andere Bereiche vor.

Betrachtet man die Vita von Niko Alm, dann wird klar, warum The Gap damals den Paradigmenwechsel zur GmbH absolvierte. Ein gewisser Hang zu Professionalität und Firmengründungen spiegelt sich darin zweifellos wider. Der heute 31-jährige Magister der Publizistik und Kommunikationswissenschaften scheute vor gut sechs Jahren den Sprung ins kalte Wasser nicht und tauchte mit der .voortekk multimedia systems GmbH als Jungunternehmer und Teil des Dienstleistungsnetzwerks Cube- 21 Beteiligungs AG wieder auf. Ohne großen Background oder speziellem Know-how, aber mit dem konkreten Ziel, sich als „Partner für Online-Communities, Szenemarketing und Eventbegleitung“ zu verdingen, also irgendwo in der Manege von Werbung, Internet und Jugendszenen. Trotz einiger Erfolge und Aufträge großer Kunden, wie etwa ein Webportal für Snowboarder im Auftrag von T-Mobile, endete die Kooperation mit dem Inkubator Cube-21 jedoch früh.

 

EIN HAUFEN GENERALISTEN

Konsequent ging Alm einen Schritt weiter, gründete mit Iris Kern, Manuel Fronhofer und Christoph Hofer 2002 das nächste Unternehmen, die Werbeagentur Super-Fi, bar jeder Ahnung, dass in den kommenden Jahren ein ganzes Geflecht weiterer Unternehmen und Gesellschaften im Umfeld entstehen würde. Niko Alm zu den Anfängen von Super-Fi: „Außer Iris Kern, die als Artdirektorin bereits bei pjure, Pixelpark und Ogilvy Interactive gearbeitet hatte, konnten wir alle keine Agentur-Erfahrung vorweisen. Wir sahen uns als Haufen Generalisten, pflegten gewissermaßen einen holistischen Zugang. Das Credo war: Wir sind uns für keinen Job zu gut und behandeln auch kleine Kunden mit der notwendigen Hingabe. Andererseits ist es uns ja auch gelungen, gleich vom Start weg die Telekom Austria als Kunden an Land zu ziehen.“ Wobei sich der Verzicht auf klassische Agentur-Strukturen in sehr vielen Fällen als Vorteil erwies. Speziell auch beim jüngsten Coup, als das mittlerweile elfköpfige Team von Super-Fi weit größere und namhafte Mitbewerber der Werbebranche aus dem Feld schlug und schlussendlich den Nationalratswahlkampf der Grünen werblich betreuen durfte. „Das war natürlich die Erfüllung eines lange gehegten Traums – endlich einmal alles machen zu können. Vom Plakat bis zum Kugelschreiber.“ Der nur möglich wurde, weil Super-Fi es vor Jahren schaffte, für die Wiener Grünen-Gemeinderätin Maria Vassilakou über Nacht eine dringend benötigte Website hochzuziehen. Was Eindruck hinterließ und Super-Fi nach und nach weitere Aufträge der Grünen einbrachte, vor allem auch den aufwändigen Netzauftritt der Gesamtpartei, bei dem im derzeit noch laufenden Integrationsprozess dann bis zu 200 Sites in einem System integriert sein werden und das Magazin „Zwanzig“, mit dem die Grünen ihr 20-jähriges Jubiläum als Partei feierten.

 

EIN „SCHÖNES INSERAT“

Aber Super-Fi und die 2004 für die The Gap-Herausgabe geschaffene Monopol GmbH, bei der mittlerweile auch das „Western Union”-Mitarbeiter-Magazin oder das Kundenmagazin der Therme Loipersdorf erscheinen, ergeben immer noch nicht das schon angesprochene Geflecht an Personen und Unternehmungen. Personen auch deshalb, weil nicht nur der Multifunktionär Alm an allen Ecken und Enden des Super-Fi-Netzwerkes auftaucht, sondern einem bei der Beschäftigung mit eben diesem laufend Namen unterkommen, die man bereits als Schreiber aus The Gap kennt. „Am besten ist wohl, ich zeichne es auf“, schlägt Niko Alm im Gespräch vor, was dankbar angenommen wird. Auf einer Papierserviette lässt er dann den Mikromischkonzern entstehen, der erstens tatsächlich so heißt und zweitens wie ein klassisches Firmenorganigramm aussieht. Unter dem Dach des Mikromischkonzerns sind neben dem Hauptmieter Super-Fi mittlerweile vier weitere Kleinunternehmen angesiedelt, sorgfältig mit Linien verbunden. Neben der Monopol GmbH auch noch das zurzeit hauptsächlich für Mobilfunkfirmen aktive Software-Unternehmen m-otion, das auf programmierte Web-Applikationen spezialisiert ist, sowie als Neuzugänge die Musikmarketingfirma blankTON und die auf Webanwendungen für Kleinstunternehmen ausgerichtete codeon GmbH. Laut Alm eine ungeplante Expansionsstrategie. Im Fall von m-otion hat sich eine Bürogemeinschaft einfach weiterentwickelt, in anderen Fällen kamen Beteiligungsangebote und Überlegungen zum sinnvollen Ausbau des Spektrums zufällig zusammen. Wohin das alles noch führt? Ob damit der Ausbau abgeschlossen ist oder der Mikromischkonzern weiter efeuartig wuchert? Zu diesen Fragen zuckt der Super-Fi-Geschäftsführer nur mit den Schultern. Vorläufig scheinen die Arbeitstage in der Favoritenstraße mehr als ausreichend ausgelastet.

Welchen Stellenwert The Gap dabei für Niko Alm trotz aller Hyperaktivitäten noch immer einnimmt, beweist die Geschichte, wie die Querverbindung zwischen dem Mikromischkonzern und Silver Server ursprünglich begann. Der Magazinmacher mit Herzblut wünschte sich schlicht auch ein paar „schöne Inserate“ im Heft, die gut mit dem Layout von The Gap zusammengingen. Was das vermeintlich nüchterne Verhältnis zum Beruf gleich wieder aufweicht. Das Privatleben mögen sich Alm & Co zurückgekauft haben, in ihren beruflichen Tätigkeiten erweisen sich die popkulturellen Leidenschaften aber immer noch als richtungweisend.

Der Autor:
Andreas Kump ist Mitarbeiter von Silver  Server.ak@sil.at

 

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