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SILVER 10

Jänner 2007

Inhalt der Ausgabe


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Breitband war gestern – Glasfaser ist heute

EUROPA IST GERADE DABEI, EINE DER WICHTIGSTEN WEITERENTWICKLUNGEN IN DER TELEKOMMUNIKATION ZU VERSCHLAFEN. WÄHREND WELTWEIT DIE ANZAHL AN GLASFASERANSCHLÜSSEN BIS ZUM HAUSHALT STARK STEIGT, WIRD IN EUROPA DISKUTIERT UND VERZÖGERT. DABEI BIETET DIE NEUE TECHNOLOGIE NAHEZU UNLIMITIERTE BANDBREITEN UND SPANNENDE, NEUE SERVICES.
Autor: Hartwig Tauber 

 

 

Das Schlagwort Fiber to the Home (FTTH), also Glasfaser bis ins Haus oder sogar bis in den Haushalt, bedeutet eine neue Welt der Telekommunikation. Symmetrische Anschlussgeschwindigkeiten von 100 MBit und mehr sind in solchen Netzen kein Problem. Der Grund liegt darin, dass die Datenraten, die über Glasfaser erreicht werden können, für heutige Begriffe nahezu unlimitiert sind. Entfernungen spielen dabei ebenso wenig eine Rolle wie mehrere User gleichzeitig in einem Netz. Dadurch unterscheidet sich FTTH deutlich von DSL-Kupfertechnologien oder Funklösungen. Dennoch ist FTTH in Europa bislang kaum verbreitet. Nahezu alle Telekommunikationsunternehmen – auch die Telekom Austria – stimmen zu, dass Glasfaser die einzige Breitbandtechnologie sein wird, die auch langfristig Bestand hat. Dennoch wird der Bau entsprechender Netze immer wieder verschoben. Aktuell gibt es lediglich rund 700.000 Glasfaseranschlüsse in Europa. Dies entspricht gerade knapp 1 % der Breitbandkunden. Vergleicht man dies mit jenen Wirtschaftsräumen, die mit Europa in Konkurrenz stehen, so werden die Unterschiede besonders deutlich. So hat in den USA das Telekommunikationsunternehmen Verizon im letzten Jahr begonnen, ein riesiges FTTH-Netz aufzubauen. Schon jetzt sind mehr als 1.000.000 Kunden versorgt, dieser Wert soll sich schon bald verdreifachen. Nicht umsonst brüsten sich die USA damit, der am schnellsten wachsende FTTH-Markt der Welt zu sein. Diese Fakten machen deutlich, dass das Ziel der EUKommission, Europa im Jahr 2010 zum führenden Wirtschaftsraum auf Basis der Wissensgesellschaft mit hochwertiger Informations- und Telekommunikationstechnologien zu machen, in weiter Ferne ist. Im Gegenteil, derzeit ist das Wachstum an echten Breitbandnetzen auf FTTH-Basis äußerst gering. Dazu trägt sicherlich auch das regulative Umfeld in der EU bei. Die derzeitigen Regeln und Richtlinien machen es einem privaten Investor unmöglich, von vorneherein zu wissen, ob und in welcher Form er sein Netz Mitbewerbern zu öffnen hat.

 

SPEZIFISCH FÜR EUROPA

Diese Situation hat in Europa zu zwei sehr spezifischen Entwicklungen geführt. Die erste ist, dass es vorwiegend Infrastrukturbetriebe wie Stromversorger oder Stadtverwaltungen sind, die FTTH-Netze bauen. Und diese errichten Netzwerke, auf denen sie in der Regel nicht selbst Dienste anbieten. Wodurch auch das zweite Spezifikum des europäischen Marktes angesprochen ist. Viele dieser Netze stehen nämlich beliebigen Anbietern von Services zu gleichen Konditionen zur Verfügung. Das bedeutet, dass beispielsweise ein innovatives Unternehmen, das spezielle Wirtschaftsdienste bietet, das Netzwerk ebenso für den Kundenzugang nutzen kann wie ein klassischer Internet-Provider oder ein Anbieter von IPTVFernsehdiensten. Dabei muss nicht gezwungenermaßen jeder Anbieter eine eigene Glasfaser erhalten. Aufgrund der verfügbaren Bandbreiten ist es problemlos möglich, dass sich mehrere Anbieter einen Anschluss „teilen“. Der Kunde muss sich also nicht, wie derzeit, für einen einzigen Provider entscheiden. Dies ist ein völlig neues Modell, das auf Basis von bisherigen Kupfertechnologien wie DSL nicht möglich war, da hier nur sehr limitierte Geschwindigkeiten zur Verfügung stehen. Mittlerweile hat sich für solche Netzwerke, die beliebigen Service-Anbietern zur Verfügung stehen, auch ein entsprechender Name durchgesetzt. Diese werden üblicherweise als „Open-Access-Networks“ bezeichnet. In Schweden, einem der führenden FTTH-Länder in Europa, existieren bereits Open-Access-Netzwerke, in denen mehr als 20 verschiedene Anbieter knapp 100 Dienste und Services für die Kunden anbieten. Diese reichen vom einfachen Internet- Zugang über Fernsehen, Telefonie und Videokonferenz bis hin zu innovativen Diensten im Bereich der Weiterbildung und der Gesundheitsvorsorge. Auch die derzeit geplanten großen Projekte in Europa bauen auf dieses Modell auf. Dazu zählt das bereits in Umsetzung befindliche FTTH-Netzwerk in Amsterdam ebenso wie jenes der Stadt Wien, von dem Kritiker allerdings meinen, es gäbe bislang bereits mehr Presseaussendungen zu diesem Thema als versorgte Kunden …

 

KURZFRISTIGE ALTERNATIVEN

Auch wenn FTTH als „endgültige“ Breitbandtechnologie widerspruchslos akzeptiert wird, setzen besonders die bestehenden Telekommunikationsunternehmen derzeit noch auf kurzfristige Alternativen. Dazu gehören insbesondere ADSL2+ und VDSL, die zumindest eine teilweise Weiternutzung der bestehenden Kupfernetze ermöglichen. Gerade VDSL macht jedoch bereits den Aufbau von Glasfasernetzen zumindest in die Nähe der Häuser notwendig (FTTN, Fiber-to-the-Node). Auch wenn dies kurzfristig geringere Investitionen bedeutet, sind die langfristigen Kosten höher, da in wenigen Jahren ein zweites Mal in den Glasfaserausbau investiert werden muss. Doch da die meisten Telekommunikationsunternehmen an der Börse gelistet sind, wird häufig nur noch kurzfristig gedacht. Welche Dienste sind es nun, die FTTH im Vergleich zu anderen Technologien möglich machen soll? Hier ist zunächst das klassische „Triple-Play“ zu nennen. Darunter versteht man die Kombination aus Breitband-Internet, VoIP und Fernsehen. Zwar werden entsprechende Pakete derzeit auch über DSL angeboten, doch leiden diese unter teilweise extremen Einschränkungen. So sind viele der Angebote nicht in der Lage, HDTV zu unterstützen. Auch die Möglichkeit, mehrere Fernseher oder einen Fernseher und einen Videorekorder unabhängig voneinander zu betreiben, ist meist nicht vorhanden. Und wenn es darum geht, dies auch noch mit schnellem Internet und interaktiven Services wie Videokonferenzen zu verbinden, bleibt nur noch FTTH als Lösung ohne Einschränkungen übrig. Darüber hinaus eröffnen sich aus der Kombination der hohen Bandbreite und der Tatsache, dass diese symmetrisch (für Upund Download) zur Verfügung steht, neue Möglichkeiten. Dienste wie Telearbeit oder eLearning, von denen bereits seit Jahren gesprochen wird, sind nun erstmals tatsächlich in einer nutzbaren Form verfügbar. Wenn es möglich ist, vom Heimarbeitsplatz mit derselben Geschwindigkeit zu arbeiten wie im Büro und wenn dies darüber hinaus mit Videokommunikation verbunden werden kann, macht Telearbeit wirklich Freude. Dabei spricht kaum noch jemand davon, dass tatsächlich 100 % der Arbeitszeit von zu Hause aus erbracht wird. Bereits zwei bis drei Tage pro Woche bedeuten für viele Pendler eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Entlastung der Umwelt durch geringeres Verkehrsaufkommen.

Im Unternehmensbereich zeigen erfolgreiche Beispiele bereits, wie sehr ein FTTH-Anschluss vor allem kleinere und mittlere Betreibe im EDV-Bereich entlasten kann. Komplette Datensicherungen zu externen Rechenzentren sind zumeist der Einstieg in eine neue Welt der Dienstleistungen. Dazu wird die Verbindungsgeschwindigkeit für Unternehmensanschlüsse in den späten Nachtstunden beispielsweise auf ein Gigabit/s erhöht – und damit wirdeine Komplettsicherung in ein Rechenzentrum, das viele Kilometer entfernt steht, möglich. Doch dies ist erst der erste Schritt. In weiterer Folge ist es angesichts der schnellen Datenanbindung nicht mehr notwendig, den komplex zu wartenden Server im eigenen Unternehmen zu haben. Dieser kann – professionell betreut von einem Dienstleister – in einem klimatisierten, geschützten Rechenzentrum stehen, ohne dass dies den Usern im lokalen Firmennetzwerk auffallen würde. Gespannt kann man auch auf die Internet-User selbst sein. Diese haben schon in der Vergangenheit gezeigt, dass höhere Bandbreiten für sie immer neue Ideen und Dienste bedeuten. Videoportale wie YouTube wurden geboren, als Breitbandanschlüsse weit verbreitet waren. Doch sind die Videos dort meist noch von geringer Qualität – schließlich dauert der Upload der Daten bei asymmetrischen DSL-Anschlüssen eine Ewigkeit. Bei FTTH würde diese Limitierung sofort verschwinden, und schon stehen die ersten Videofans mit selbst erstellten HD-Homevideos bereit, diese der Community verfügbar zu machen. Sowohl für die Wirtschaft als auch für Privatanwender läutet FTTH einen großen – aus heutiger Sicht finalen – Schritt vorwärts in eine neue Telekommunikationszukunft ein. Aus europäischer und österreichischer Sicht bleibt dabei zu hoffen, dass auch „good Old Europe“ möglichst bald diesen Trend erkennt, sodass wir nicht eines Tages nur Zaungäste der zukünftigen Wissensgesellschaft sein werden …

 
Der Autor:
Prof. (FH) Mag. Hartwig Tauber, 35, ist seit 2003 Professor für eBusiness- Management an der IMC-Fachhochschule Krems. Er ist einer der „Breitband- Pioniere“ in Österreich. Seit 1996 arbeitet er an Studien und Beratungsprojekten in diesem Bereich. Als regionaler Projekt-Manager leitete er 1998 den ersten ADSL-Endkunden-Feldversuch in Österreich. Als FH-Professor erstellte er eine Reihe von Studien zum Thema Breitband und ist führend in einigen Breitbandprojekten involviert. Hartwig Tauber wurde 2004 zum Präsidenten der EU-weiten Organisation „Fiber-to-the-Home Council Europe“ gewählt und wurde im April 2006 in dieser Funktion bestätigt.

 

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