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April 2007
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DIGITALE SIGNATUR
7 JAHRE FÜR DIE UNTERSCHRIFT DIE DIGITALE SIGNATUR UND DIE RECHTSSICHERE ELEKTRONISCHE ZUSTELLUNG VON SCHRIFTSTÜCKEN STEHEN KURZ VOR DER BREITEN AKZEPTANZ BEI UNTERNEHMEN UND BÜRGERN. BIS DAHIN BASTELT MAN AN GESCHEITEN LÖSUNGEN ZUR IDENTITÄTSFINDUNG IM VIRTUELLEN RAUM.
Autor: Martin Szelgrad
Die digitale Signatur und die rechtssichere elektronische Zustellung von Schriftstücken stehen kurz vor der breiten Akzeptanz bei Unternehmen und Bürgern. Bis dahin bastelt man an gescheiten Lösungen zur Identitätsfindung im virtuellen Raum. Jahrhunderte lang war sie ausreichend, jene Signaturlösung, die Schriftstücke und Verträge abgesichert hatte. Die menschliche Unterschrift ist ein offener Standard: Ihre Nutzung setzt nicht einmal die Kenntnis einer Sprache oder gar die befriedigende Beherrschung einer Schrift voraus. Die Signatur, wie sie jeder volljährige User beherrscht, basiert auf Zweifachidentifizierung. Zum einen beglaubigt ein biometrischer Teil – die körpergebundene Individualität der Schrift – die Identität des Unterzeichners. Darüber hinaus dient die Aussagekraft des Eigennamens als Passwort der Authentizität der Willenserklärungen. Dennoch steht die klassische Unterschrift, die von der Verwaltung bis zu Literatur und Kunst immer noch eine zentrale Rolle spielt, in den neuen Medien auf verlorenem Posten. Im Zeitalter von Internet, E-Mail und elektronischen Dokumenten ist eine eindeutige Identifizierung des Gegenübers nicht ohne Technik möglich. Die digitale Signatur soll nun eine Applikation ablösen, die tausende Jahre alt ist. Schon die alten Römer setzten auf Authentisierung in der Nachrichtenübermittlung. Diese passierte durch menschliche Boten, die die Glaubwürdigkeit der überbrachten Information mittels einer Parole unter Beweis stellen mussten. Nannte der Überbringer ein falsches Codewort, so bedeutete dies meist den Tod. In heutigen Log-in- und Passwort- Prozeduren geht es zum Glück weniger martialisch zu. Wenn auch das Fehlen von übergreifenden Systemstandards bereits einer biblischen Katastrophe gleichgesetzt wird. Die einschlägige Branche, die sich mit der elektronischen Unterschrift, eRechnung und Authentifizierungslösungen beschäftigt, ist fest der Überzeugung, am Ende von sieben mageren Jahren zu stehen. Jede Technologie benötigt nach allgemeiner Auffassung im Durchschnitt diesen Zeitraum, um auf den Massenmarkt losgelassen werden zu können. Den sieben Jahren der Aufbauarbeit, des Marketing und Lobbying folgen in der Regel dann sieben fette Jahre. Die digitale Signatur und Plattformen rund um die elektronische Zustellung von Schriftstücken stehen also kurz vor dem Mega-Roll-out. Plattformen wie www.zustellung.gv.at ermöglichen bereits den behördlichen Zustelldienst, der die sichere Übermittlung authentischer und unveränderter Schriftstücke garantieren soll. Rechtssicherheit in den elektronischen Übertragungswegen ist wichtig – nur so kann die neue Flexibilität der Rohrpost im Internet auch im Geschäftsverkehr genutzt werden. Diese Nutzung bedeutet im Business auch Kosteneinsparungen: Bei jährlich 200 bis 300 Millionen Rechnungen in der Geschäftswelt in Österreich sind unmittelbare Einsparungen von ganzen 600 Millionen Euro möglich, sagen die Rechenstifte der Analysten. Warum? Die klassische gedruckte Rechnung kostet inklusive Handling und Versand drei bis sechs Euro pro Stück. Die durchschnittlichen Kosten einer E-Rechnung betragen 30 bis 50 Cent. Selbst im Privatbereich nagen die neuen elektronischen Möglichkeiten an manch altbekannter Mühsal. Hier ist es vor allem der berühmt-berüchtigte Amtsweg, der dank Onlineformular und digitaler Signatur bald eingemottet werden kann. Gemäß der großen Akten- und Formulartradition im deutschsprachigen Raum entstehen derzeit ebenso wirkungsvolle Nachfolger aus der elektronischen Welt. Amtliche Bescheide können dann am PC daheim signiert und empfangen werden, der Gang zum nächsten Postamt ist dann ebenso Geschichte wie das Wasserholen vom Dorfbrunnen. Unternehmen wie PL.O.T. arbeiten mit der Wirtschaftskammer im Rahmen der AUSTRIAPRO-Aktivitäten derzeit an der Businessversion des Behördenzustellportals, dessen Netzbetrieb übrigens ein Provider namens Silver Server gewährleistet. Die Erwartungen sind groß: Das Portal als Clearingstelle für sichere Zustellung und Empfang soll den Weg in die fetten Jahre ebnen. Bislang haben sich Wirtschaft und Behörden bekanntlich schwer getan, die digitale Signatur dem Bürger näher zu bringen. Der Grund: Es hat ihn schlichtweg nicht interessiert. Zu technisch, zu aufwändig und wenig praktikabel war die Freischaltung einer signaturfähigen Karte. Zu wenige Anwendungen unterstützten die neue Unterschrift. Dabei könnte die digitale Signatur zum Allheilmittel gegen die lästige Spam- Problematik werden: werden nur authentifiziert abgesicherte Nachrichten angenommen, haben die Angehörigen nigerianischer Opfer von Flugzeugabstürzen nicht die leiseste Chance, zu leichtgläubigen E-Mail-Nutzern im Waldviertel vorzudringen. Es ist soweit: Im Zeitalter des baldigen Endes der Hungersnot in der Signaturbranche formieren sich nun Geschäftlösungen, finden sich partnerschaftliche Konstellationen und Finanziers der neuen Rechtssicherheit im Netz. „Das Thema der Signatur ist eine Bewusstseinsfrage“, heißt es in der Wirtschaftskammer. „Das Thema der digitalen Signatur enthält so viele Visionen, dass man sie nur zu pflücken braucht“, sind sich die IT-Profis einig. Bis dahin wird aber noch einiges an Aufbauarbeit, vor allem in der Marktwahrnehmung, zu leisten sein. Oder wie es ein Geschäftsführer eines Signaturdienstleisters formuliert: „Das macht mich ganz narrisch, dass dies noch immer als Technik für Techniker und nicht als Lösung für die User gesehen wird.“
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Der Autor
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Martin Szelgrad ist Chefredakteur des Branchenmagazins Telekommunikations & IT Report.