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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
April 2007
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KEINE KOMMENTARE BITTE ANONYME KOMMUNIKATION GEHÖRTE IM WORLD WIDE WEB LANGE ZEIT ZUM GUTEN TON. ABER DER TONFALL HAT SICH GEÄNDERT. HEUTE STEHEN WIR EINEM HEER AN PSEUDONYMEN GEGENÜBER, DAS NICHTS GUTES WILL. ANONYMITÄT STATT IDENTITÄT SCHEINT IM NETZ NICHT LÄNGER ZU FUNKTIONIEREN. DAS FRUSTET. IN JEDER HINSICHT. SILVER-AUTOR FRANZ KRATOCHVIL POSTET SEINEN ÄRGER.
„Rapid ist sowieso eine Frechheit!!!!“ erregt sich ein Poster namens „Die Gute Seite“, woraufhin der Benutzer „das Einkaufszentrum ist meine Religion“ (sic!) kontert: „Die Lizenz für den GAK ist auch eine Frechheit!“ Und der (oder die) Dritte im Bunde fasst dies so zusammen: „laaaaaangweilig!“. Es ist mir schon wieder passiert. Obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste: Ich habe im Online-STANDARD nach dem eigentlichen Artikel noch ein paar der „Kommentare“ überflogen. Und schon war ich wieder mitten drin in den Tiefebenen der oft mit Fettschrift und multiplen Ausrufezeichen versehenen Meinungen, Behauptungen, Schlaumeiereien und Keppeleien. Erwartet hatte ich interessante Zusatzinformationen, amüsante Details, berechtigte Einwände zum Artikel oder spannende Diskussionen, bekommen habe ich aber die frustrierende Ödheit anonymer Postings: Behauptungen statt Recherche und Quellenangaben. Streitlust statt Diskussionskultur. Es mag vielleicht abgedroschen sein, das Wort „anonym“ immer in Zusammenhang mit „… im Schutze der“ zu verwenden, aber es drängt sich natürlich auf, dass hier so mancher, der im Offline-Alltag nicht der größte Held ist, unerkannt sein Mütchen kühlen will. Aber sicher nicht mehr auf Kosten meiner Zeit, in dieser Ausprägung vergeht mir leider die Lust auf das „Mitmach- Web“. Der Drang zum Pseudonym ist mir überhaupt schleierhaft, könnte doch ein wohl formulierter Kommentar oder ein witziger Schreibstil zu positiver Online-Reputation beitragen. Zudem: der schlaueste, geschliffenste Beitrag wirkt zweifelhaft, wenn er von „Bierhansl315“ unterschrieben wird. Wer etwas zu sagen hat, sollte auch mit dem eigenen Namen dahinter stehen können. Oder sehe ich das zu naiv? Der anonyme Poster geht davon aus, dass ihm „nichts passieren“ kann. Er wähnt sich 100 % anonym und muss auch nicht mit seinem Namen für die Äußerungen und Behauptungen geradestehen. Weit gefehlt: die Justiz kann jederzeit eine „Enttarnung“ von anonymen Teilnehmern veranlassen, wenn gewisse Grenzen überschritten werden. Stichwort: Beleidigungsklagen oder gar Verstöße gegen das Verbotsgesetz.
ANONYMITÄT: JA, ABER...
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Um nicht falsch verstanden zu werden: Anonymität bei Internet-Veröffentlichungen ist oft unumgänglich. Gewisse Umstände (politische Verfolgung, Furcht vor Repressalien – etwa durch den Arbeitgeber, Schutz der Privatsphäre usw.) machen eine Identifikation im Internet oft unmöglich. Ich will kein „Vermummungsverbot“ im Netz. Anonymität: ja, aber bitte dort, wo sie hingehört und hilfreich ist. Wenn nun – aus Gründen der Online-Hygiene oder schlichtweg aus rechtlichen Gründen – einmal bedenkliche Kommentar-Beiträge vom Betreiber entfernt werden müssen, ist das Gejammer groß: Die „Zensur“-Keule wird geschwungen, wenn untragbare Postings entsorgt werden. Beim Online- STANDARD sorgt sogar ein Programm namens „Forumat“ dafür, dass die Postings nach Schlüsselwörtern durchforstet und danach entfernt werden. Nun könnte man beschließen, solche Kommentar-Seiten halt einfach nicht mehr zu lesen (was ich übrigens für eine tolle Idee halte), aber wie sieht es in anderen Bereichen des Netzes aus? Kurioserweise sind die Kommentarbereiche bei Weblogs meist noch halbwegs „zivilisiert“, aber als besonders heikel stellt sich die Situation beim Online-Nachschlagewerk „Wikipedia“ dar. Hier passieren – natürlich anonym – laufend Vandalismus-Fälle und grobe Fälschungen. Die Süddeutsche hat in einem Feldversuch Fälschungen angebracht, die von der Community oft schnell korrigiert wurden, aber teilweise noch tagelang zu finden waren. Das kann in der Wikipedia-hörigen „Copy & paste“-Gesellschaft fatal sein. Das ist die andere Seite der „Offenheit“. Man ist auch offen für anonyme Beschädigungen. Und die Glaubwürdigkeit der Wikipedia ist in solchen Fällen der Verlierer. TROLLE UND FLAMEWARS ////// // ////// /// /// ///// ///////////////////// //// // Im den Diskussionsgruppen des Internet (etwa im „Usenet“) gibt es das Phänomen der so genannten anonymen „Trolle“ schon seit Anbeginn. Das Anliegen des Trolls ist es vor allem, Ärger und Störung zu verursachen. Der Troll stiftet Unfrieden und zettelt Streit („Flamewars“) an. Versteckt sich hinter lustigen Pseudonymen und freut sich über den Unmut der anderen. Trolls verstoßen damit gegen die Netz-Etikette, die so genannte „Netiquette“. Dieses Regelwerk, mit dem man noch vor ein paar Jahren als Internet-Benutzer sozialisiert wurde, gilt heute als weitgehend vergessen. Ich finde das schade, denn nur ein gemeinsames Verständnis der grundlegenden „Benimmregeln“ macht konstruktive Kommunikation möglich. Nicht nur im Internet. Ein Verstoß gegen die Netiquette hat in der Regel zur Folge, dass der Übeltäter ignoriert wird. Und das ist eine sehr schlimme Strafe für diese Streithähne. Gerade wegen der Trolle gehört es daher im Usenet zum guten Ton, mit dem „Real Name“ zu posten, da von anonymen Postern eher trolliges Verhalten erwartet wird. Eine zahlenmäßig geringe Anzahl von Netz-Vandalen ruiniert gezielt (oder weil sie nicht anders können) die Chance auf ein Internet, das Menschen und Meinungen zueinander bringt, das Nutzen für den Einzelnen und die Gesellschaft bietet. Oder: das Internet als solches ist „Social Software“ und bietet auch denen noch ein Forum, die eindeutig anti-sozial tätig sind. Neben den eher harmlosen „Kommentaren“ ist natürlich auch die Kriminalität im Netz ohne Anonymität undenkbar (analog zum „echten Leben“ – die wenigsten Kriminellen stehen im Branchenbuch). All die finsteren Ecken des Internet, dort wo Spammer, Cracker, Betrüger und Diebe ihre Wege gehen, wären mit transparenten, offenen Identitäten undenkbar.
LÖSUNG DES DILEMMAS?
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Man wird die Trolle und deren Varianten so zwar nicht verhindern können (in gewisser Hinsicht gehören sie ja auch zur Netzkultur), aber vielleicht wäre ein „Revival“ der Netiquette ein guter Ansatz. Man sollte dieses Regelwerk wieder verstärkt zirkulieren lassen. Weiters: mit dem echten Namen zu posten tut nicht weh. Ich selbst halte es schon länger so, eine verborgene Identität kann ich mir immer noch in „Second Life“ halten, wenn ich will. Und möglicherweise – das ist mein sehr optimistischer Ansatz – führt der personalisierte Ansatz des Web 2.0 (Social Networks, Folksonomomies) zu einer Aufwertung der – verbindlichen – Identität. Vielleicht wird es bald ziemlich „unschick“ sein, als „Die Gute Seite“ durch das Netz zu streifen. – - – - – -
Alles über die Netiquette:
http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette
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Die Süddeutsche platziert zum Test Falschmeldungen in Wikipedia
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http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/634/90544/
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Die „Anti-Troll-FAQ“ (2002) –
http://www.hyphenologist.co.uk/killfile/anti_troll_faq.htm