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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Juli 2007
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Von Ambros bis Zawinul. Das „SR – Archiv österreichischer Popularmusik“ sammelt und dokumentiert heimische Musik nach 1945. Über den assoziierten Online-store musiktank.at wird diese nun auch zum Kauf angeboten.
Autor: Andreas Kump
Sitzen zwei im Gasthaus, trinken Bier, reden über relationale Datenbankmanagementsysteme. Der eine, angehender Betriebsinformatiker und Musiker, weiß genau, von was er spricht. Der andere, Künstler und Musiker, braucht – rein zeitlich – doch einige Biere, ehe er bei dem Thema ganz durchsteigt. Dann aber ist auch er davon überzeugt: Die vorher gewälzten, ihm lange utopisch erschienenen Pläne lassen sich realisieren, ein Archiv der österreichischen Populärmusik, eine systematische Erfassung aller dementsprechenden Solokünstler und Bands, die seit 1945 in diesem Land zum Instrument gegriffen haben, ist machbar. Schluss mit finster! Schluss mit vergessen! Schluss mit ins Leere gehenden Anfragen zu heimischen Bands, die regelmäßig bei dem Musikmagazin, für das die beiden Gasthausdiskutanten nebenbei noch tätig sind, eintrudeln. Die zwei zahlen, gehen voller Absichten zurück ins Büro.
So geschehen im Ottakringer Lokal Amsüss, Ecke Lorenz- Mandl-Gasse/Rankgasse. Anno 1993, als sowohl Datenbanken als auch das Internet noch Lichtjahre von der heutigen selbstverständlichen Verwendung entfernt lagen. Das erwähnte Musikmagazin ist das immer noch erscheinende Skug,
Bildtext: Tonaufzeichnungsgerät Nagra 4.2, Kudelski SA, 1972
medien.welten, Technisches Museum Wien
die beiden Redakteure hießen Johnny Pichler, mittlerweile als Johnny Dibon verheiratet, und Wolfgang Fadi Dorninger1. Beide in der seit jeher umtriebigen Linzer Musikszene sozialisiert, wo es zumindest zu jener Zeit ein „Geht nicht“ schon aus Prinzip nicht gab, ließen Pichler und Dorninger nicht mehr ab von ihrer Idee und organisierten binnen eines Jahres die technischen und finanziellen Voraussetzungen, um ihr Skug Research getauftes Projekt als Datenbank mit Online-Zugang, reales Archiv, bestehend aus Tonträgern, Videos, Printmedien, Flyer, Plakate, sowie Informationsbüro Wirklichkeit werden zu lassen.
Skug wie auch Skug Research waren damals Teil der Büround Ateliergemeinschaft Lorenz-Mandl-Gasse 33. Verschiedenste Künstler, Projektgruppen oder kreative Kleinunternehmer logierten zu jener Zeit in dem weitläufigen Gebäude einer ehemaligen Maschinenfabrik. Darunter auch eine gerade im Entstehen befindliche Firma: Silver Server. Synergien ergaben sich. Gemeinsam ging man daran, im Haus einen selbstverwalteten Server und Standleitungen zu installieren. Der Rest ist sowohl bei Skug Research als auch bei Silver Server Geschichte.
INFORMATIONSQUELLE UND GEKREUZTE PFADE
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Unermüdlich wurden von Skug Research in den folgenden Jahren Tonträger gesammelt, wurden sämtliche damit verbundenen Informationen in eine von Pichler eigens entwickelte Datenbankapplikation eingespeist, wurde die österreichische Musikszene diesseits von Volksmusik und Klassik bis hin zu kleinsten Besetzungswechseln der einzelnen Formationen genauestens erfasst. Neben den privaten Plattensammlungen der Beteiligten bildete vor allem die Sammlung von Walter Gröbchen, heute Chef der Kommunikationsagentur monkey, der durch seine frühere Tätigkeit für Ö3 bereits an die 2.500 Platten und CDs österreichischer Interpreten ansammeln konnte, den Grundstock des Archivs.
Heute, 14 Jahre später, ist das „SR – Archiv österreichischer Popularmusik“ (SRA), wie es seit seinem Online-Start 1995 offiziell heißt, als zeitgemäße und einzigartige Informationsquelle zur heimischen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Wer wissen muss – viele der Nutzer sind Journalisten oder im Musikbusiness tätig– oder wissen will, in welchen Bands beispielsweise Didi Bruckmayr schon gespielt hat, wessen Pfade er dabei gekreuzt und wie viele Tonträger er dabei veröffentlicht hat, erfährt dies am besten auf der Website des SRA. Was sich gerade jetzt bemerkbar macht, da sich seit einigen Wochen wegen „technischer Umbauarbeiten“ nicht auf die mittlerweile 310.000 Datensätze des Online-Archivs zugreifen lässt.
„Immerhin merken wir dadurch, wie wichtig unsere Funktion mittlerweile ist“, gewinnt Sigrid Dibon, die bei dem 1996 endgültig vom Musikmagazin Skug abgekoppelten, eigenständigen Verein SRA als Geschäftsleiterin tätig ist, dem kurzzeitigen Offline- Dasein positive Seiten ab. Dringend zu beantwortende telefonische oder E-Mail-Anfragen gehören dadurch aber momentan zum Tagesgeschäft. Denn das SRA bietet Informationen, die es ohne aufwändige Telefonrecherche sonst nirgendwo gibt, schon gar nicht derartig geballt. Den baldigen Relaunch sehnen daher die wissbegierigen Nutzer wie auch die SRA-Betreiber selbst heiß herbei.
DEMOKASSETTE UND INDUSTRIEPRODUKTION
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Heiß ist es hingegen auch in den engen Räumlichkeiten des SRA im quartier 21 des Wiener Museumsquartiers. Als „Kulturanbieter“ hat das Archiv österreichischer Popularmusik hier 2002, nach fünf Jahren im Hinterhof des Musikinformationszentrums MICA, (s)eine zentral gelegene, passende Bleibe gefunden. Hier lagert jetzt nahezu der gesamte musikalische Output österreichischer Popularmusiker aus den letzten sechs Jahrzehnten. Über 11.000 Tonträger, angefangen von alten Kassetten auf längst nicht mehr existierenden Kleinstlabels bis zur jüngsten fetten Industrieproduktion. Regal steht neben Regal, darin Container neben Container, darin wiederum die archivierten Tonträger. Hier drängt sich aber auch das Informationsbüro auf einem Zwischendeck zwischen Archiv und Dach. Trotz dieser Enge ist das SRA-Team mit seinen aktuellen Räumlichkeiten zufrieden. „Personell schaut es aber schlecht aus“, stellt Sigrid Dibon klar. Der von mehreren öffentlichen Stellen und Institutionen geförderte Verein kann sich gerade einmal eine fix angestellte Teilzeitkraft leisten, Sigrid Dibon selbst, für die meisten Aufgaben des SRA (Screening von Magazinen, Digitalisierung der Informationen) werken daher Studentinnen und Studenten als geringfügig Beschäftigte.
Obwohl selbst schon Institution, kämpft das SRA also seinen jährlichen Existenzkampf und hofft dabei auf die Loyalität der Fördergeber. Um sich diese zu erhalten und das schiere Dasein immer wieder neu zu rechtfertigen, hat das SRA in den letzten Jahren aber auch neue Aktivitäten gesetzt. Wurden in den ersten Jahren nur Informationen über Tonträger erfasst, ging man 2003 daran, auch die darauf befindlichen Stücke zu digitalisieren. Gemeinsam mit dem im SRA-Beirat vertretenen Walter Gröbchen entstand in der Folge die Idee, sich als lebendiges Archiv zu präsentieren, sprich das Gehortete, darunter viele nicht mehr erhältliche Tracks, für alle via entgeltlichem Download zugänglich zu machen.
Aber vor ein paar Jahren war die Musikindustrie noch nicht so weit. Download, das war der Beelzebub, das Kopierteufelchen, und Bilanzkonferenzen waren für die Verantwortlichen die Hölle. Um jeden Titel musste mit den Plattenfirmen gefeilscht werden, nicht immer war eine Einigung zu erreichen. Der Weg zur kommerziellen Verwertung, zum Downloadstore für heimische Musik, sollte vorerst noch verstellt bleiben. Die rechtlichen Probleme machten die SRA-Aktivisten aber erst recht kreativ. Das Archiv – besser gesagt: Teile des Archivs – wurde dennoch lebendig: Im September 2004 startete das SRA den „Musiktank“, einen On-Demand-Music-Store, im Museumsquartier. An zwei Terminals können sich Musikfreaks durch eine Auswahl heimischer Interpreten hören und sich ihre eigene Compilation zusammenstellen. Anstatt diese kurzerhand auf den iPod zu laden, wird aus rechtlichen Gründen eine CD zwischengeschaltet, eine „Compilation mit Auflage eins“, wie Sigrid Dibon die Lücke im Vertragswerk erklärt. Diese Compilation wird gleich vor Ort gebrannt, von den so genannten „Tankwarten“ des SRA. Binnen Minuten hat der vormals Suchende das Gefundene nun auf Tonträger, für 99 Cent pro Track und zwei Euro für die fein designte CD samt Kartonverpackung. Eine Zweigstelle des auf iTunes basierenden Musiktanks findet sich mittlerweile auch im Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien.
Aber nicht nur dort lässt sich der Musiktank anzapfen. Seit einigen Wochen ist nun auch der Downloadshop musiktank.at online. Über 10.000 österreichische Titel von Fünfziger-Jahre- Rock ’n’ Roll und Jazz bis zu neuester Avantgarde-Electronic sind somit ab sofort auch von zu Hause aus zu beziehen. Realisiert wurde dieser Downloadshop letztendlich in einer Gemeinschaftsproduktion aus SRA, Walter Gröbchens Kommunikationsagentur monkey und der daran angeschlossenen Multimediaagentur Exozet. Der langwierige Prozess der Rechteklärung, mühevollen Digitalisierung alter Schallplatten und Masterbänder, Kontaktierung unzähliger Labels und Künstler ist damit erfolgreich beendet. Für das SRA findet einer der Gründer, Johnny Dibon, das passende Schlusswort: „Für uns ist musiktank.at die einmalige Möglichkeit, vom reinen Sammler- und Expertenarchiv mit Tausenden historischen Tonträgern zum lebendigen, aktiven, jederzeit erreich- und nutzbaren Umschlagplatz für österreichische Musik zu werden.“
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Archiviert im SRA: Bänder aus dem Schmetter Sound Studio, dem Studio Band der Schmetterlinge
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SRA – Archiv österreichischer Popularmusik
quartier 21/MQ (Electric Avenue), Museumsplatz 1, 1070 Wien – Öffnungszeiten: Di–So 13.00–19.00 Uhr – Telefon: +43 (0)1/526 47 15, E-Mail: office@sra.at –
http://www.sra.at
SRA in Zahlen:
Datensätze gesamt: 310.000
Bands, Einzelinterpreten, DJs: 9.341
Tonträger: 11.092
Songs: 71.507
Geschlechterverteilung MusikerInnen: 86,14 % männlich, 11,18 % weiblich, 2,68 % k.A.
Jahr der meisten veröffentlichten Tonträger: 1998 (über 700)
