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SILVER 13

Oktober 2007

Inhalt der Ausgabe


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LEO & Co

Sprachbarrieren sind die Spielverderber des Internet. Was nutzt all die mehr oder weniger wertvolle Information, wenn grosse Teiledavon nicht verstanden werden, weil sie eben nur in einer Sprachevorliegen, die dem Besucher gerade nicht geläufig ist.

Autor:

Franz Kratochvil

 

Die Problematik dieser Sprachbarrieren wurde heuer voneinigen großen Namen des „Web 2.0“ erkannt. So etwa bieten YouTube und Flickr ihre Dienste nun auch in anderen Sprachenals dem dominanten Englisch an. Wer global agieren will, kommt eben an der Mehrsprachigkeit nicht vorbei. Das ist jedoch nur ein Anfang. Der Bedarf nach Übersetzung fremdsprachiger Inhalteist da, und die Tatsache, dass der Online-Wörterbuch-Dienst „dict.leo.org“ pro Tag allein 9 Mio. Anfragen für Deutsch-Englisch-Übersetzungen hat, zeigt deutlich die Problematik auf. Es gibt also immer etwas zu übersetzen.

 

DIE UNGEPLANTE ERFOLGSSTORY
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Der erwähnte Service der LEO GmbH (LEO steht für Link Everything Online) hat sich im deutschsprachigen Raum als DAS Online-Wörterbuch im Netz etabliert, und das, obwohl die Münchner das ursprünglich gar nicht im Sinn hatten. LEO entwickelte sich im universitären Umfeld Münchens, als man 1992 beschloss, einige FTP-Server neu zu organisieren. Daraus entwickelte sich – nachdem auch das WWW „geboren“ war – ein reichhaltiges Informationsangebot, das Linksammlungen und Archive umfasste. Das berühmte Wörterbuch kam erst 1995 dazu und entwickelte sich bald als die beherrschende Anwendung von LEO. Die Software dafür war eine Eigenentwicklung des LEO-Teams und wurde später mit dem „dictQuery“ Wörterbuchserver noch verbessert und ausgebaut. Wirklich einzigartig ist die Qualitätskontrolle des Wörterbuchs (inzwischen neben Deutsch/Englisch auch Deutsch/Spanisch und Deutsch/Französisch) durch die Anwender. Im konstanten Dialog finden Ergänzungen, Korrekturen und Diskussion über die Einträge statt. Somit ist dic.leo.org „Social Software“ im besten Sinn. Die Einfachheit der Bedienung (inzwischen gibt es auch dict.leo.org-Toolbars für den Browser) ist zusätzlicher Erfolgsfaktor. War es über viele Jahre noch möglich, das Projekt als „Freizeitbeschäftigung“ der involvierten Studenten zu führen, wurde es im April 2006 doch nötig, eine Firma für die Betreuung der Services zu gründen. Die LEO GmbH entstand. Am offenen Wesen des Dienstes (der nach wie vor kostenlos ist) hat sich jedoch nichts geändert. Wer sich auf LEO einlässt, kann vieles entdecken: eine Shareware, die beim Übersetzen hilft, PDAUnterstützung für das Mobile Web, Vokabel-Trainer für Englisch, Französisch und Spanisch und natürlich viele, viele Links. Der Name ist schließlich Programm.

 

DIE MASCHINE ALS ÜBERSETZER?
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Ein anderer Ansatz, der Sprachenflut im Netz Herr zu werden, ist die Idee der maschinellen Übersetzung. Hier soll Software dafür sorgen, dass ohne Eingriff eines Übersetzers der Text in eine andere Sprache übertragen wird. Ein alter, ambitionierter Traum der Menschheit. Vorangetrieben wurde dieses Ansinnen vor allen von Militärs, so wollte man zu Zeiten des Kalten Krieges russische Texte auf einfache Weise ins  Englische übersetzen. 1968 entwickelte die Firma SYSTRAN das Fundament für maschinelle Übersetzung, deren Technologie auch heute noch in den bekanntesten Übersetzungsdiensten des WWW – Babel Fish und Google Translate verankert ist. „Babel Fish“ (als Service der Suchmaschine AltaVista ins Leben gerufen) hat sich für die oft eher skurrilen Übersetzungen einen eher zweifelhaften Ruf erworben. So manche Übersetzung liest sich wie die berühmten übersetzten japanischen Bedienungsanleitungen. Und genau hier liegt das Problem der maschinellen Übersetzungen: obwohl sich die SYSTRAN-Technologie weiterentwickelt hat, ist Sprache immer komplexer als das eine Software „verstehen“ kann. Fehler in Wort- oder Phraseninterpretation (auch deshalb, weil der Kontext nicht berücksichtigt wird) sind fast nicht auszuschließen. Allerdings: die Ergebnisse variieren hier stark nach den Sprach-Paaren. So etwa gibt es Sprache, die sich maschinell besser untereinander übersetzen lassen als andere. Was auf jeden Fall möglich ist: zumindest einen groben Eindruck eines fremdsprachigen Textes zu bekommen. Man könnte das einen Teilerfolg nennen. Google (translate.google.com) hat neben der Übersetzung ganzer Websites nun auch ein Wörterbuch im Angebot. Wirklich herausragend ist bei Google aber die Möglichkeit, in fremdsprachigen Inhalten zu suchen. Das erlaubt etwa eine  englischsprachige Suche in Web-Inhalten, die nur in Japanisch vorliegen. Die Suchergebnisse werden in diesem Fall nach der Anfrage ins Englische übersetzt. Dies ist definitiv ein Brückenschlag zu fremden Web-Welten.

HILFE FÜR DEN ÜBERSETZER
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Als weitere Säule moderner Übersetzungstechniken gilt CAT – „Computer aided Translation“. Dies ist nicht mit der maschinellen Übersetzung zu verwechseln, da CAT-Systeme lediglich Hilfestellung und Unterstützung für den Übersetzer darstellen. Auf der Basis leistungsfähiger Datenbanken werden Referenztexte zur Übersetzungsunterstützung hinzugezogen. Diese Systeme werden hauptsächlich in Desktop-Anwendungen (Textverarbeitung, DTP) verwendet, können im Web-Kontext jedoch hilfreiche Tools für die „Lokalisierung“ von Websites darstellen (etwa: Einbindung in Content-Management-Systeme). Das Web bietet viele Möglichkeiten, Sprachbarrieren
zumindest zu umgehen. Verständigung kann erleichtert werden, auch wenn es weiterhin nötig ist, ohne Maschinenunterstützung manuell den „Sinn“ zum Text beizusteuern.

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Der Autor:

Franz Kratochvil (39) lebt in Wels und arbeitet als selbstständiger
Internet-Berater in Oberösterreich und Wien.
Schreibt unregelmäßig in SILVER über Internet-Themen.
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Links:

dict.leo.org / www.leo.org – LEO

translate.google.com – Google Translate


world.altavista.com/tr – Babel Fish

 

 

 

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