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SILVER 13

Oktober 2007

Inhalt der Ausgabe


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DO YOU ) ) SPEAK ) ) ) ))) )GEEK?) ) ) :)

Neue Technologien und deren Einzug in den Alltag gehen an unserer Sprache nicht spurlos vorüber. Dennoch ist das Entlehnen fremder Begriffe, die Schaffung von Kunstwörtern und die Übernahme von Fachbegriffen in die Standardsprache kaum ein neues Phänomen.

Autor: Christoph Kummerer
 

Ewig warnen die konservativen Wächter der Sprache bereits– wenn auch meist ungehört – vor dem kulturellen Verfall durchAnglizismen und bieten häufig auch Lösungen in Form vonreindeutschen Alternativen von kabarettistischer Qualität.


Im Falle der digitalen Kommunikation muss dieser Kampf allerdings gleich an zwei Fronten geführt werden. Nicht genug,dass neue Kommunikationstechnologien weithin akzeptierte technische Termini in die Alltagssprache einbringen, auch die Form der Kommunikation verändert sich mit dem Medium. Weder die Schreibmaschine noch der Ziffernblock wurden für Echtzeitbedingungen erfunden, was liegt also näher, als um Zeit zu sparen oder Inhalt zu maximieren div. Abk. z. verwenden.


Eben diese schafften es seit den 1990er Jahren zunehmend via Internet und SMS zumindest in den Slang der Jugend – gelegentlich schnappt man schon ein ausgesprochenes „LOL“[0] im öffentlichen Raum auf. E-Mail und SMS werden zu einem großenTeil sehr informell eingesetzt, in der Umgangssprache der Teilnehmer, und da eher selten besonders komplexe Inhalte zu erwarten sind, darf auch grammatikalisch schon mal geschludert werden – die Verständlichkeit wird schon nicht leiden. Sprache ist nun einmal ein dynamisches Konzept, neue Begriffe werden eingeführt, manche alte werden immer seltener verwendet und geraten in Vergessenheit, besonders alte werden wieder modern, mehr oder weniger gängige erfahren durch eine Bedeutungsverschiebung eine Renaissance.
 

GEEKSPEAK
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Bereits 1975 machte sich Raphael Finkel in Stanford daran die erste Version des so genannten „Jargon-File“[1], eine Art Wörterbuch des Hackerslangs, zu erarbeiten. Es enthält eigentlich keine Fachausdrücke im engeren Sinne, sondern vor allem Begriffe einer Nerdsubkultur, nach „RISC“ wird man vergeblich suchen, dafür liefert es für nicht Eingeweihte längst fällige Erklärungen für „SNAFU“ oder „foobar“. Auch unser Ministerrat spricht nicht von den Bewohnern antiker Städte, wenn gerade durch die deutsche Debatte inspiriert über „Trojaner“ nachgedacht wird, im Jargon-File übrigens definiert als:

Trojan horse: n.[coined by MIT-hacker-turned-NSA-spook Dan Edwards]A malicious security-breaking program that is disguised as something benign, such as a directory lister, archiver, game,or (in one notorious 1990 case on the Mac) a program to findand destroy viruses! See back door, virus, worm, phage,mockingbird.

Heute übernehmen die Medien und PR-Abteilungen die Verbreitungvon Kunstwörtern wie „Megapixel“ und „UMTS“ oderUmdeutungen wie „surfen“ oder „Spam“, damit schlägt man zweiFliegen mit einer Klappe, man ist modern und muss sich nichtmit langen Erklärungen über die technischen Details eines Produktesaufhalten. Im digitalen Raum entstehen aber darüberhinaus ständig neue Subkulturen, Chatrooms und Foren, siehaben ihre eigenen Abkürzungen und Ausdrücke, die Online-Game-Communities machen es den alten Hasen sehr einfach, einen Neuling als solchen zu identifizieren, und ein guter Blogger sollte schon gelegentlich ein Wort erfinden, einfach um zu sehen, wie oft es nach einiger Zeit mittels Google gefunden wird. „Google“ ist ja immerhin als Substantiv im Duden, als Beschreibung einer Tätigkeit dennoch gebräuchlich, und die Sprachwächter dürfen beruhigt aufatmen, das kennen wir doch schon von „Tesa“, „Tixo“, „Tempo“ und Co. Doch die eigentliche Angst scheint weniger vom Englischen an sich auszugehen, sondern ist doch häufig bloße Überreaktion und Unverständnis gegenüber der Jugend, die sich in ihren Medien ihre eigene Sprache schafft, um sich abzugrenzen:

„Die Netzsprache ist längst zu einer dieser Varianten desPidginenglish geworden“, und weiter: „(...) nicht das Englischeines Shakespeare oder Joyce, sondern Pidginenglish, improvisiertund regellos, dem Einfluss Hunderttausender Jugendlicher ausgesetzt, die im Sprachunterricht schlechte Noten erhaltenhaben, überrant von prosodischen, syntaktischen und grammatischen Horden.“ (Cebrian, Juan Luis (1999). Im Netz – die hypnotisierte Gesellschaft. Der neue Bericht an den Club of Rome. Stuttgart.)

Vermutlich liegt eben eher da der Hase im Pfeffer, die Tendenz von Jugendlichen und Subkulturen allgemein, ihre eigenen Sprachvarianten zu schaffen, teilweise durchaus durch quasi Fachausdrücke und Phrasen, direkte Übersetzungen; aber auch„Pidgin“, das einerseits durch Migration, andererseits durch die Internationalität des Netzes entsteht. Den Bewahrern der sprachlichen Tugend sei auf den Weg gegeben, dass keine ihrer Anstrengungen die Veränderung aufhalten wird, Shakespeareselbst eine recht ansehnliche Anzahl von – heute verbreiteten– Wortschöpfungen zu verantworten hat und wir insgeheim doch alle froh sind, dass die meisten Websites nicht in der Sprache eines James Joyce verfasst sind.

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Der Autor
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Christoph Kummerer ist Musiker und Medienkünstler, lebt in Wien
und Zürich.

Links
[0] Laughing Out Loud
[1] http://www.catb.org/~esr/jargon/

 

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