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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
April 2008
Inhalt der Ausgabe
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Lediglich vier Unternehmen teilten sich lange Zeit den weltweiten Markt für Reisebuchungssysteme. Mit dem Internet wächst ihrer Software aber zunehmend Konkurrenz.
Autor: Bert Estl
Laut einer Auswertung des Centre for Regional and Tourism Research1 wurden rund 20 % der Umsätze mit Reisebuchungen 2007 in Europa online generiert. Gegenüber dem Vorjahr stellt dies ein Wachstum um 24 % dar. Die online erlöste Summe betrug 49,4 Mrd. EUR. Für diese Zahlen sind hauptsächlich Flugbuchungen verantwortlich, nachgereiht kommen Pauschalreisen, Hotels, Bahn- oder Schiffsreisen.
Dieselbe Auswertung zeigt, dass diese Zahlen seit 2000 kontinuierlich gewachsen sind. Verglichen mit anderen Branchen, etwa dem Online-Einzelhandel mit 1,4 % Gesamtumsatzanteil (Zuletzt in SILVER Nr. 14 ausführlich beleuchtet), ein wahres Erfolgs- modell. Ein großer Markt ist entstanden, mit unzähligen Anbietern, die um Kunden, Leistungsträger und Kooperationspartner buhlen. Das begünstigt die Tatsache, dass sich Reisedienstleistungen grundsätzlich hervorragend für eine Online-Vermarktung eignen, da das Vermittlungssystem im Prä-Internet-Zeitalter bereits vergleichbar funktionierte.
Auf der einen Seite waren touristische Leistungsträger wie Hotels, Flugunternehmen, Reiseveranstalter – und auf der anderen Seite die Reisbüros, die ihre Kontingente an den Kunden zu bringen versuchten.
Die dahinter stehenden Technologien für Onlinebuchungen haben daher eine lange Tradition, nur wurden sie die längste Zeit von den Mitarbeitern der Fluggesellschaften und Reisebüros bedient. Jetzt legt der Kunde aber selber Zeigefinger und Maus an. Diese Entwicklung begünstigen auch starke Umbauten des touristischen Vertriebswesens, Fachleute sprechen von horizontaler und vertikaler Integration. Zum einen treten immer häufiger Hotelketten als Reiseveranstalter in Erscheinung, zum anderen nutzt die Branche komplett neue Distributionswege. Das zeigen Beispiele wie ITS Billa Reisen oder Reise-Hero.at der Firma Herold Business Data.
GLOBAL DISTRIBUTION
Die Idee zur computerunterstützten Reise- bzw. Flugbuchung geht auf das Jahr 1953 zurück und wurde, einer Anekdote zufolge, an Bord eines American-Airlines-Fluges getroffen. Dort trafen der American-Airlines-Chef Cyrus Rowlett Smith und ein IBM-Verkäufer namens Smith-Blair als Sitznachbarn zufällig aufeinander. Der Airline-Chef hegte bereits Überlegungen, den Reservierungsprozess für sein weltweites Unternehmen radikal zu ändern, und IBM sollte nebst Computer auch erste Netzwerkerfahrungen einbringen, die sie erst kürzlich bei einem Regierungsprojekt gewonnen hatten. So startete American Airlines 1964 eine „Semi-Automatic Business Research Environment“, kurz Sabre genannt, das erste Computerreservierungssystem (CRS), das bis heute als eines von mittlerweile vier „Globalen Distribution Systemen“ (GDS) der Reisebranche weiterhin besteht. Die drei Mitbewerber am CRS/GDS-Markt heißen Amadeus, Galileo und Worldspan. Ursprünglich wurden CRS-Systeme von Fluggesellschaften ausschließlich für den internen Gebrauch verwendet.
Heute sind CRS/GDS-Systeme längst die allgegenwärtigen und nötigen Mittler am Reisemarkt. In ihren Rechenzentren laufen die Informationen von Anbietern (Hotels, Fluglinien, Mietwagenfirmen, Pauschalreisen) und die Anfragen von Reisebüros oder – neuerdings – Online-Reiseshops – zusammen. Diese Vermittlerfunktion bringt neben einer vereinfachten Anbindung eine Standardisierung mit sich. Alle angeschlossenen Partner arbeiten mit einheitlichen, produktspezifischen Masken.
Das CRS-System übernimmt auch gleich die Abrechnung der Buchungskosten und allfälliger Provisionen. Das Service reicht bis zu Zusatzprodukten zur Verkaufsunterstützung und Auswertungen für die Backofficesysteme der Reisebüros. Erstaunlich ist und bleibt, dass lediglich vier Unternehmen mit ihren globalen Distributionssystemen weltweit alle Reisebuchungen abwickeln. Kritiker sprechen gar von einem Oligopol.
Hinzu kommt, dass z. B. das 1987 gestartete GDS Amadeus eine Gründung von Air France, Iberia, SAS und Lufthansa ist, die heute immer noch Anteile daran besitzen. Ähnlich sieht es bei Galileo aus, wo u. a. British Airways und KLM beteiligt waren, bzw. bei Wordspan mit Delta Airlines und Northwest Airlines. Die Vermittelnden verdienten lange also auch an der Vermittlung selbst, was sich heute durch diverse Aufkäufe und Übernahmen allerdings teilweise revidiert hat. Galileo und Wordspan sollen im Übrigen nach einer weiteren Übernahme im GDS-Beteiligungsgeflecht fusioniert werden.
Druck bekommen die GDS-Systeme nun von den Airlines, denen die Margen der Abrechnungssysteme zu hoch geworden sind. Die Lufthansa kritisierte schon vor Jahren, bei Ticketpreisen von 200 EUR würden rund 10 % an die Systeme wandern. Seitens Amadeus und Galileo wurde dazu festgehalten, dass GDSSysteme mit immer komplexeren Anforderungen und höheren Entwicklungskosten konfrontiert wären, GDS seien weiterhin die für Airlines kostengünstigste Technik, weltweit Tickets zu verkaufen.
Hier machen sich zwei Faktoren bemerkbar: erstens der Druck, der der Flugbranche intern durch so genannte Billigflieger erwachsen ist, und zweitens hat auch die stetig zunehmende Bedeutung des Internet die stabilen Vertriebsverhältnisse ins Wanken gebracht. Hierbei ist vor allem der Microsoft-Ableger Expedia zu nennen. Als Online-Reisebüro zwar nicht das erste seiner Art, aber schnell eines der erfolg- und einflussreichsten. Expedia brachte die Airlines darauf, sich von Papierticket und der 100%igen Hinwendung zu GDS zu lösen und über die eigene Website direkt buchbar zu werden – oftmals mit speziellen Angeboten. Das Aufkommen von Online-Vertriebskanälen hat natürlich auch bei den GDS Aktivitäten ausgelöst. Viele dieser Plattformen (IDS – Internet Distribution Systems) wie Travelocity, Opodo, lastminute.com oder ebookers.com sind im Besitz der bekannten vier GDS-Player.
MANNIGFALTIGE RICHTUNGEN
Ebenso umkämpft stellt sich natürlich auch der verwandte Hotelbuchungsmarkt dar. Der Anteil elektronischer Buchungen über GDS und IDS beläuft sich laut Österreichischer Hoteliervereinigung (ÖHV) derzeit auf ca. 15 %. Ehe ein Gast im Front-Office- System eines Hotels landet, kann er vorher Online-Reisebüros, Reservierungssysteme von Hotelketten, Tourismusverbände bzw. CRS (herkömmlich Reisebüros) oder die eigene Hotelwebsite passieren. Die Richtungen, aus denen er kommt, sind mannigfaltiger geworden. Hotelier und Rezeptionist sind enorm gefordert, wenn die Auslastung und die Verteilung von Kontingenten stimmen sollen. Kein Wunder also, dass die ÖHV für ihre Mitglieder längst buchdicke Vergleiche von Front Office-Programmen oder nicht minder dicke Leitfäden zur Auswahl von Reise- und Buchungsplattformen bereithält. 20 solcher Plattformen hat die ÖHV bereits 2005 genauestens evaluiert, darunter auch tiscover.at, nethotels.com und expedia.de. „Die Wertschöpfungskette wird immer kleiner“, stellt Hans Jürgen Pfisterer, Gründer und Vorstand des Wiener Unternehmens NetHotels AG, dazu fest.
Ursprünglich hatte Pfisterer mit dem „NetHotels ReServer“ ein Buchungssystem für den Wien-Tourismus entwickelt, das er noch heute betreibt, laufend weiterentwickelt und das auch bei anderen Tourismusverbänden im Einsatz ist. Längst wendet er sich unter nethotels.com aber auch direkt an Hotelgäste: „Von geschätzten 1,5 Millionen Hotels weltweit, laut Quelle World Tourism Organisation, sind etwa 80.000 über IDS buchbar beziehungsweise rund 200.000 in verschiedenen Systemen im Internet gelistet. Mit NetHotels verfolgen wir den Ansatz, alle Hotels weltweit buchbar zu machen.“ Um dies zu erreichen und neue Hotels in sein System zu inkludieren, bietet Pfisterer Usern, die über Internet ein Hotel buchen möchten, das noch nicht gelistet ist, eine Gegenleistung an. Pfisterer spricht in diesem Zusammenhang von einem „kommerziellen Web-3.0-Ansatz“, wo User nicht nur für die quasi Vermittlung belohnt werden sollen, sondern auch für weitere Inhalte wie Bewertungen, Videos, Foren und dergleichen mehr. Letzteres ist kurz vor der Fertigstellung.
Eine Beta-Version findet sich bereits im Netz. Sollte Pfisterers System der Entlohnung für Vermittlungen und Inhalte aufgehen, ist dies der nächste größere Schritt in einer Entwicklung, die Smith und Smith-Blair auf ihrem Transkontinentalflug 1953 beim Visionieren in die Wege leiteten. Es wird garantiert nicht der letzte sein.
[1] www.crt.dk/UK/staff/chm/trends.htm
Der Autor:
Bert Estl ist Mitarbeiter von Silver Server.