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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
April 2009
Inhalt der Ausgabe
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Online-Gaming-Anbieter gewinnen als Wirtschaftsfaktor zunehmend an Bedeutung. Glücksspiel ist nach Erotik bereits der zweitgrößte Wirtschaftszweig im Web. Sind Wettportale die Banken von morgen? Die Wettkaiser boomen und trotzen der Krise … und stehen mit einem Fuß im Kriminal.
Von Jimmy Deix
Hannes Androsch ist bestimmt kein Fußballnarr. Doch wenn Idol David Beckham das Trikot des AC Milan überstreift, auf dem die Bildmarke von bwin prangt, dann ist das für den Aufsichtsratvorsitzenden und Hauptaktionär der Firma schon eine gewisse Genugtuung. Als Hauptsponsor unterstützt bwin mit 60 Mio. Euro tatkräftig den Verein von Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Es war eine rein strategische Entscheidung. Ohne Lobbying geht eben gar nichts. Der Deal hat "große Bedeutung für unsere Expansion", erklärte bwin-Vorstand Norbert Teufelberger in einem Interview. "Dazu kommen auch wertvolle politische Kontakte …" Dass der AC Milan in den größten Wettskandal der Fußballgeschichte verwickelt war, scheint für das Werbeimage wenig schadhaft. bwin ist eben eine Erfolgsgeschichte. Und Erfolg gibt fast immer recht.
Vom Erfolg verwöhnt sind auch die Casinos Austria, die seit je her mit Lotto, Toto und dem ORF "Monopoly" spielen. Denn was braucht der Österreicher mehr als Doppel-Jackpots und Rubbellose? Eine Ermittlung des Gallup Instituts sorgt dahingehend für "Schönwetter": "Die monopolistische Regelung des Glücksspielwesens" treffe in Österreich "auf breite Zustimmung", lautet das Ergebnis der Umfrage, die von der Wirtschaftskammer in Auftrag gegeben wurde. Traut man der jüngsten Judikatur des Europäischen Gerichtshofes, ist das österreichische Glücksspielmonopol jedoch als "gemeinschaftsrechtswidrig" zu betrachten – es wiederspricht nämlich der sogenannten "Dienstleistungsfreiheit", worauf sich private Wettanbieter berufen. Gleiches Recht für alle bedeutet aber nicht, dass ein unbedarfter Lottotipp an den Rand der Legalität abgleitet, doch auch die Republik muss lernen, dass Monopole in der EU nicht vorgesehen sind – sie sind genaugenommen nicht einmal in einer Demokratie zulässig. Das Monopol aber will sich durch Maßnahmen gegen die Spielsucht das Existenzrecht selbst eingeräumt wissen. Alles eine Frage der Selbstdarstellung. Was aber der Lottogesellschaft und den Casinos Austria bislang der ORF war, ist dem privaten Glücksspielanbieter nun das Internet: Eine Spielwiese mit entscheidend mehr Möglichkeiten.
Ein völlig neues Modell des Online-Wettvergnügens stellt das britische Unternehmen Betfair dar. Anders als andere Portale fungiert Betfair eher als Wettbörse, auf der die Kunden selbst gegeneinander tippen. Der Buchmacher nimmt sich zurück und stellt lediglich die Infrastruktur zur Verfügung. Auf der Wettbörse herrscht reger Betrieb. Mittlerweile führt Betfair mehr Transaktionen durch als die Londoner Aktienbörse und das Unternehmen wurde mit dem renommierten Queen's Award "International Trade" ausgezeichnet. Man sieht, dass die Britische Politik traditionsgemäß weit weniger Berührungsängste mit dem freien Wettbewerbsangebot von Wetten zeigt. Dies führte schlussendlich dazu, das internationale Anbieter ihre Wettfirmen in Britischen Enklaven wie Gibraltar registrieren lassen, wie auch bwin. Nach den Deals mit dem AC Milan und Real Madrid führt das österreichische Unternehmen bereits Verhandlungen mit der FIFA, über ein Sponsor-Engagement bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Die Glücksspielsteuer wird dann aber voraussichtlich nicht in Österreich abgeführt werden. Fast scheint es, als ob man derartige Unternehmungen nach allen Regeln der Kunst vertrieben hätte. Während das Bankgeheimnis in Österreich, Schweiz und Liechtenstein zunehmend in die Knie gezwungen werden soll, profitiert London City durch Britische Enklaven, wo spitzfindige Beobachter bereits den "Wilden Westen" des Stiftungswesens re-institutionalisiert sehen.
Mit geschätzten Umsätzen von weit über 300 Milliarden Dollar im Jahr, hat Online-Gaming im Internet eine Parallelwirtschaft geschaffen, die bezeichnend für den Wandel scheint, den die elektronische Vernetzung in die Geschäftswelt eingebracht hat. Die Glücksspielbranche ist nach dem Erotikmarkt heute der zweitgrößte Wirtschaftszweig im Web. Der Effekt des Internets als Multiplikator ist oft gar nicht richtig abzuschätzen und ermessbar: Waren in Österreich bislang etwa 6000 Spielautomaten im Umlauf, so steht nun mit dem PC theoretisch in jedem Haushalt ein "Einarmiger Bandit" – und das Wohnzimmer wird zum Casino.
Um die Besucherströme auf die Websites großer Online-Casinos und Wettportale zu lenken, operiert die Branche – alternativ zu Werbung in Massenmedien – mithilfe einer systematischen Vernetzung zu Partnersites (Affiliate-Marketing). Der Content dieser Zulieferer besteht zumeist aus meinungsbildenden Hintergrundinformationen und Wetttipps für den Online-Spieler, der sich hier Wissenskenntnisse aneignen kann, um ein geschickter Gambler zu werden. Die Clicks bzw. Wettabschlüsse, die auf diese Art zustande kommen, werden dem Affiliate-Partner vom Wettanbieter monetär vergütet. So sind rund um die namhaften Portale richtiggehende Satelliten-Sites entstanden, die ihm als Werber einen sehr speziellen Service bieten, den er von gängigen Publikumsmedien eher weniger bis gar nicht erwarten kann.
Während die etablierten Portale zunächst auf einzelne Spiel- und Wettarten spezialisiert waren, bieten die Plattformen heute ein viel breitgefächertes Angebot – von einfachen Fußballwetten bis zu speziellen Varianten des Pokers ist bei einem Anbieter oft alles möglich. Dem Spielen nach Herzenslust werden noch weniger Grenzen gesetzt sein, wenn sich erst der Vertrieb an den mobilen Kunden flächendeckend durchsetzt – durch M-Commerce oder sogenanntes M-Gambling. Zweifelsohne wird die Zukunft der Marktführer in der Live-Übertragung von Sportereignissen via Streaming liegen, schätzen Experten.
Man sieht: Das angestammtes Recht der Monopole steht heute auch einer Technologie gegenüber, die bereit ist, sich den Gegebenheiten stillstandsfrei anzupassen. Doch so lange das Recht aktuellen technischen Entwicklungen hinterherhinkt, wird kein privater Anbieter von tückischen und letztlich teuren juristischen Fallstricken gefeit sein.
Glücksspiele sind verboten, seit es sie gibt. Schon im alten Rom wurde das Würfeln geahndet. "Legal" wurden die Spiele erst, als der Staat, dank der Glücksspielsteuer, Nutznießer des Systems wurde. Nun steht europaweit die Liberalisierung des Marktes zur Diskussion, von der man aber auch in den USA noch weit entfernt ist. Ende 2006 verabschiedete der Kongress in Washington das Port-Security Gesetz, wodurch Online-Glücksspiele über Nacht im Internet verboten wurden. Die Regelung untersagt Kreditkartenfirmen und Banken, Geld an Glücksspiel-Betreiber zu überweisen, die meist außerhalb der USA ansässig sind. Die amerikanischen Spieler können damit keine Einsätze und Wetten mehr online platzieren.
Die Online-Wettfirmen könnten jedoch selbst die Banken von morgen sein. Laut Firmenstatut darf die bwin AG zwar keine Bankgeschäfte durchführen, doch ist sie weltweit das einzige Unternehmen ihrer Art, das seit 2008 über eine eigene Lizenz für E-Money verfügt – einer neuen Währung im Internet. Der Firma ist somit möglich, Zahlungsmethoden wie Prepaidkarten anzubieten und mit anderen Ausstellern wie MasterCard zu kooperieren. Außer den Banken selbst ist dieses Privileg nur wenigen Firmen vorbehalten, was für bwin die Erschließung neuer Geschäftsfelder ermöglichen wird – von den Zinserträgen ganz zu schweigen.
Gutes Geld konnten auch jene verbuchen, die beim vergangenen Breeder's Cup auf Raven's Pass setzten. Der kastanienbraune Hengst – im Besitz von Prinzessin Haya von Jordanien – gewann in einem Herzschlag-Finish den Classic-Bewerb, der so etwas wie die "Champions League" des Pferderennsports repräsentiert. Nur zum Vergleich: Das Preisgeld an diesem einen Rennwochenende liegt höher, als die UEFA dem Fußball-Europameister an Prämie ausbezahlt (!) Der Breeder's Cup zählt damit zu den höchstdotierten Sportereignissen der Welt. Er wird von niemand geringerem als Frank Stronach organisiert. In seinem Besitz befinden sich nicht nur die 800 Pferde (Stronach Stables), sondern auch zwölf der wichtigsten Rennstrecken Nordamerikas – darunter sehr namhafte wie Santa Anita in Kalifornien oder der Gulfstream Park in Florida, wo der Breeder's Cup alternierend stattfindet. Daran angeschlossen sind auch mehrere Online-Wettplattformen wie XpressBet, RacingUS oder MagnaBet, sowie zahlreiche Casinobetriebe und der Fernsehsender HorseRacing TV.
Anders als bei der herkömmlichen Sportwette ist der Markt für Pferdewetten längst liberalisiert. Der Wetteinsatz auf US-Rennbahnen beträgt jährlich 15 Milliarden Dollar, von dem ein Drittel über Stronachs Firma Magna Entertainment Corporation (MEC) abgewickelt wird. Bezogen auf den Umsatz ist Stronachs Unternehmen größter Besitzer und Betreiber von Pferderennbahnen und Marktführer im Bereich Pferdewetten, die den historischen Ursprung der Sportwette bilden. Vergangenen März musste die MEC jedoch Insolvenz anmelden, weshalb Stronach nun um sein Lebenswerk bangt, sofern die Verbindlichkeiten nicht aus der Portokasse bedient werden können. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man eben.
Die Qualität eines Handschlages … in der VIP-Lounge des Mailänder San Siro Stadions.