Silver Server

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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.

SILVER 2

Januar 2005

Inhalt der Ausgabe


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INVESTOREN IN SICHT

Seitdem Last.fm bei Silver Server gehostet wird, kann ein stabiles Service garantiert werden. Und wenn sich die Gerüchte über prominentes Backing aus der internationalen IT-Entrepreneur- Szene bewahrheiten, dürfte die Zukunft des Webradios nachhaltig gesichert sein. www.last.fm

Geteilter Musikgeschmack

MINDERHEITEN-MAINSTREAM MIT LAST.FM

 

DAS WEBRADIO LAST.FM ERMÖGLICHT EINEN NEUEN MUSIKALISCHEN LEBENSSTIL: HIER WERDEN STATT MUSIK-FILES DIE HÖRGEWOHNHEITEN MIT ANDEREN NUTZERN GETEILT. DADURCH ENTSTEHEN EINERSEITS INDIVIDUELLE RADIOPROGRAMME, ANDERERSEITS COMMUNITIES AUF DER BASIS VON MUSIKVORLIEBEN.
TEXT: ARMIN MEDOSCH


Seit Jahren gibt es Internet-Radios. Dabei werden enkodierte Audiodaten in verschiedenen Formaten wie MP3 oder Ogg Vorbis über das Netz gestreamt, das Programm wird allerdings von einer Redaktion zusammengestellt und von den Hörern schlicht empfangen – genau wie beim klassischen Radio, das in Österreich immer aus einem Gebäude namens Funkhaus kam. Last.fm war jedoch der Überzeugung, dass die Hege und Pflege der Musik am besten in den Händen der Nutzer aufgehoben ist, und hatte auch eine Idee, wie damit das Sender-Empfänger-Modell aufgebrochen werden kann: Anstatt ein herkömmliches Radio-Programm anzubieten, wird auf der Basis des Hörergeschmacks von einer Software für jeden Hörer ein spezielles Programm erstellt und gestreamt. Das Geheimnis dahinter nennt sich "Profile- Sharing" und hat seine Urspünge in einem "gemeinsamen Plattenschrank", den sich mehrere Audiophile teilten: Ende der 90er Jahre fand eine Gruppe junger Musiker und Programmierer aus Deutschland und Österreich im Dunstkreis des Ravensbourne College in London zusammen und gründete eine Plattform namens Insine.net, wo Musiker ihre eigenen Produktionen in einem Insider-Umfeld veröffentlichten. Dabei entstanden die Grundideen für Last.fm: Zunächst fiel auf, dass es zwischen den Sammlungen der einzelnen Mitglieder Überschneidungen gibt, und dass ein gemeinsamer Bekanntenkreis und eine ähnliche Sozialisation dafür sorgen, dass man sich auch musikalisch etwas zu sagen hat. Zweitens wurde klar, welche Dimension dieser Gedanke bekommt, wenn man das ganze Internet als gemeinsamen Plattenschrank betrachtet.

 

VOM ZUFALL ZUM PROFIL

2002 begannen Felix Miller, Martin Stiksel, Michael Breidenbrücker und Thomas Willomitzer dann auf der Basis von Insine.net einen oberflächlich simplen Online-Musik- Player zu entwickeln, der jedem eingeloggten Nutzer zunächst einen Stream zufällig zusammengestellter Stücke vorspielt. Der Nutzer konnte dabei mit einem Klick auf den "Skip"-Button zu einem neuen Musikstück wechseln und das System merkt sich welche Stücke ein User zu Ende spielen lassen hat und welche nicht. Daraus erstellt die Software mit der Zeit ein Nutzerprofil und vergleicht dieses mit anderen. Finden sich Ähnlichkeiten zwischen den Profilen, wird davon ausgegangen, dass einem auch die Stücke eines anderen Nutzers, die in der eigenen Playlist noch nicht vorkommen, gefallen könnten. Die auf der Basis des Vergleichs der Profile vorgeschlagenen Stücke werden in die eigene virtuelle Sammlung aufgenommen, die so schnell wächst und immer komplexer wird. Das funktionierte schon 2002 so gut, dass Last.fm dafür den Europrix bekamen, 2003 folgte noch eine 'honorary mention' des Prix Ars Electronica. Im Sommer 2003 fusionierte Last.fm schließlich mit Audioscrobbler, das eine recht ähnliche Idee über Profiling mitbrachte, die "Intelligenz" des Systems jedoch in den Client verlagert. Rund um Profiling als Herzstück haben die nunmehr fusionierten Audio-Hacker inzwischen ein komplexes System aufgebaut, das sowohl für die Nutzer als auch für die Platten-Labels alle Stücke spielt. In ihrem Hauptquartier in der Greenfield Road im Herzen des East End, wo einst Jack the Ripper seine Untaten begangen hat und heute überwiegend britische Muslime wohnen, sitzen sie der Legende nach Tag und Nacht programmierend und ständig an den Features feilend, wobei sie nur von Cola und Kartoffelchips [mit Salz und Essig] leben: Das Schreiben von Musiksoftware für das Internet "ist der neue Rock n' Roll" erklärt Mitbegründer Miller. Die Gruppe möchte den "Power Chord" spielen, also in Software das umsetzen, was für Millionen die Faszination an Musik ausmacht.

 

MUSIK IN SOZIALEN NETZWERKEN

Last.fm-Nutzer können inzwischen weit mehr tun als bloß den Skip-Button zu drücken. So kann man beispielsweise nach den Profilen anderer surfen und das eigene Profil aktiv verwalten. Mit verschiedenen Zusatzfunktionen wie Chat und einem eigenen Portfolio mit Foto und persönlichen Angaben wird außerdem die Bildung einer Last.fm- Community unterstützt. Die smarten Funktionen des Systems sollen aber auch den Labels zu Gute kommen: Last.fm benutzt zwar ein Prinzip, das dem von File-Sharing mit Peerto- Peer-Software ähnlich ist, allerdings ohne dabei Musikstücke zwischen den Nutzern zu übertragen. Die Labels haben die Möglichkeit, ihr eigenes Angebot bei Last.fm einzuspielen und im Gegenzug dafür Profiling-Information zu bekommen: Ein Visualisierungstool zeigt, wie sich Musik in sozialen Netzwerken fortpflanzt, eine Funktion die übrigens auch den normalen Nutzern offen steht. Inzwischen nutzen immer mehr Labels das Last.fm-Service, und durch die organische Entwicklung aus einem Musikerumfeld wird ein stetig wachsendes Repertoire spannender Musik von interessanten Labels geboten.

 

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