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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Januar 2005
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WELTWEITE GÜLTIGKEIT
Mit Creative Commons können Fotos, Filme, Musik und Texte einfach und kostenlos zur beschränkten Verwertung freigegeben werden. Die national angepassten Lizenzen sind dabei kompatibel und werden in naher Zukunft weltweit gültig sein.
http://creativecommons.at
EINIGE RECHTE VORBEHALTEN
UM DIE RECHTE FÜR MUSIK, FILME, FOTOS UND TEXTE TOBT SEIT EINIGEN JAHREN EIN KRIEG, DER VOR ALLEM DURCH DIE NEUEN GRAUZONEN IM INTERNET AUSGELÖST WURDE. DEN REIN KOMMERZIELLEN BEGEHRLICHKEITEN VON DISNEY & CO STELLT SICH JETZT EINE BEWEGUNG ENTGEGEN, DIE DEN UMGANG MIT DEM COPYRIGHT IM SINNE VON KREATIVEN UND KONSUMENTEN NACHHALTIG KORRIGIEREN WIRD.
TEXT: ANTON WALDT
Urheberrecht ist ein langweiliges Wort und außer Rechtsanwälten und Medienkonzernen interessiert das Thema bis heute kaum jemand wirklich – und dies obwohl einerseits der Medienkonsum stetig zunimmt und andererseits immer mehr Konsumenten etwa durch digitale Kameras, günstige Bildbearbeitungs- und Musik-Software oder Weblogs auch zu Produzenten von Inhalten werden. Während sich allerdings die meisten Konsumenten und Kleinstproduzenten noch daran erfreuen, dass ihre Möglichkeiten durch die Digitalisierung und das Internet explosionsartig erweitert wurden, haben vor allem die großen Medienkonzerne durch intensive Lobbyarbeit dafür gesorgt, dass die Gesetzgebung in ihrem Sinne angepasst wird. Die Auswirkungen der letzten Urheberrechtsreformen in der EU und den USA werden unterdessen erst langsam greifbar und verheißen dabei für die Konsumenten aber auch viele Kreative nichts Gutes: Einerseits wird die Mediennutzung juristisch immer weiter eingeschränkt, andererseits werden aber auch viele Produzenten mit neuen Rechten geradezu zwangsbeglückt. Neue Werke sind jetzt im Moment ihrer Entstehung automatisch durch die neuen Urheberrechte geschützt und diese sagen zunächst: Alle Rechte reserviert. Was allerdings bei Profi-Musikern oder -Fotografen im Zweifelsfall Sinn macht, wird für den Großteil der Laien und der Semi-Professionellen schnell zu einer juristischen Plage. Denn anders als ein Popstar und dessen Plattenfirma dürften heute die meisten Produzenten von Inhalten sehr wohl Interesse an einer breiten Nutzung und Vervielfältigung ihrer Fotos, Musikstücke oder Texte haben – dies gilt gleichermaßen für den ambitionierten Nachwuchsmusiker, den Hobbyfotografen als auch für Wissenschaftler, Studenten oder Lehrende. Bislang gab es für diese Gruppen allerdings keine brauchbare Alternative zum Copyright oder Urheberrecht, denn die völlige Freigabe von Werken für beliebige Nutzungen ist in der Regel auch nicht erwünscht: Schließlich will kaum jemand, dass der Urlaubsschnappschuss für eine Werbekampagne genutzt oder die eigene wissenschaftliche Arbeit unentgeltlich kommerziell verwertet wird.
EIN NEUES RECHT
In dieser Situation ist ein neuer Copyright-Ansatz gefragt, der einerseits die Werknutzung differenzierter als das traditionelle Copyright erlaubt und andererseits extrem einfach anzuwenden ist, denn das Heer der neuen Medienschaffenden besteht aus Laien oder Teilzeitproduzenten. Genau dieses Ziel soll jetzt das Lizenz-System Creative Commons [CC] umsetzen: Durch ein paar einfache Entscheidungen und Klicks auf der Website des Projekts kann man für ein Foto oder Weblog- Texte die Verwendung regeln – natürlich kostenlos. Prinzipiell muss nur entschieden werden, ob man auf einer Autorennennung besteht oder nicht, ob das eigene Werk kommerziell genutzt werden darf oder nicht, und ob es verändert werden darf oder eben nicht. Nach dieser einfachen Prozedur erhält man eine maßgeschneiderte Lizenz, die eben nicht alle, aber einige Rechte an der eigenen Arbeit schützt. Die CC-Lizenzen liegen dabei jeweils in drei Versionen vor: Die extrem einfache allgemeinverständliche besteht aus wenigen Zeilen Text, die durch Symbole ergänzt werden. Dazu kommt noch die formal-juristisch korrekte Fassung, die naturgemäß etwas umfangreicher und auch weniger verständlich formuliert ist. Richtiges Neuland betritt Creative Commons allerdings mit der dritten, der "computerlesbaren" Lizenz-Version: Hier werden Metadaten im RDF-Format [Resource Description Framework] mit dem Lizenzinhalt erzeugt, die bei Datenbankund Suchanwendungen zum Einsatz kommen. Ziel ist es dabei, beispielsweise bei der Suche im Internet nach einem Bild oder Text, nicht nur deren Inhalt sondern auch den Lizenzstatus, also die Verwertbarkeit als Kriterium zu nutzen. In naher Zukunft sollte man also via Google das Foto von einer bestimmten Person finden können, das unter einer bestimmten CC-Lizenz steht und beispielsweise nichtkommerziell genutzt werden kann. Und das sollten im Zweifelsfall nicht wenige sein, denn derzeit sind die meisten Bilder zwar de Facto urheberrechtlich sehr restriktiv geschützt, aber dies liegt in vielen Fällen gar nicht in der Absicht des Rechteinhabers: Laut Creative Commons werden sogar 95 Prozent aller derzeit geschützten Inhalte gar nicht oder nicht mehr kommerziell verwertet. Das bedeutet aber, dass ein großer Teil aller verfügbaren Inhalte nur durch ein unzeitgemäßes Urheberrecht für weitere Nutzungen praktisch unzugänglich ist. Diese absurde Situation aufzulösen ist ein erklärtes Ziel von Creative Commons und daher verhandelt die Organisation momentan auch mit Soft- und Hardware- Herstellern, damit diese die CC-Lizenzen in ihre Produkte integrieren: Konkret könnten so Digitalkameras, Kamerahandys oder das PDF-Format schon bald die CC-Lizenzen "mitbringen" und so für eine effektive Verbreitung des alternativen Copyright-Models sorgen.
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EINE RECHTSFORM ALS BEWEGUNG
Um seine ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen, muss Creative Commons allerdings noch eine Menge Arbeit leisten, und dies erfordert eine weltweit vernetzte Organisationsstruktur: Initiiert vom renomierten US-Rechts-Professor Lawrence Lessig, ist Creative Commons derzeit am treffendsten als Copyright-Bewegung zu beschreiben, die entsprechend ihres einzigartigen Anliegens auch neuer Formen bedarf, welche es teilweise erst zu finden gilt. In den USA ist CC eine gemeinnützige Firma, die sich aus Stiftungsgeldern und Spenden finanziert – eine Rechtsform, die es so beispielsweise in Europa gar nicht gibt. Koordiniert von einem Büro in Berlin ist Creative Commons aber auch schon in 70 Länder "expandiert", wobei zunächst bestehende Organisationen mit verwandten Interessen als Sprungbrett dienen. Entsprechend bunt und vielschichtig sieht die Unterstützung für Creative Commons in dieser Phase auch aus: Während in Brasilien der Musiker und Kulturminister Gilberto Gil Creative Commons zur Chefsache gemacht hat, wird das Projekt in Deutschland und Österreich noch von der Open Source-Szene getragen, die Anknüpfungspunkte zu ihren Software-Lizenzen sieht. In Österreich gibt es dafür eine Arbeitsgruppe der Österreichischen Computer Gesellschaft [OCG], die gemeinsam mit dem Tiroler Bildungsservice, der Fachhochschule Vorarlberg und Public Voice Lab auch für die bisher eher bescheidene Finanzierung sorgt. Trotzdem ist die Entwicklung in Österreich vergleichsweise sogar schon sehr weit fortgeschritten, denn hier zu Lande sind die Lizenzen bereits dem österreichischen Recht angepasst, womit sie auch schon nutzbar sind. Der nächste Schritt für CC-Österreich muss laut Projektleiter Georg Pleger darin bestehen, eine "Minimalstruktur" zu schaffen und zu finanzieren, wobei sowohl Spenden als auch öffentliche Fördergelder angestrebt werden – schließlich ergänzt CC das heimische Recht um eine durchaus gemeinnützige Facette. Außerdem muss das Lizenzmodel in die verschiedenen Communities von Musikern, Künstlern und Lehrenden getragen werden, die die Basis für eine breite Anwendung der CC-Lizenzen bilden. Die organisatorischen Hürden sollte das Projekt allerdings locker nehmen, da die CC-Lizenzen inhaltlich so überzeugend und auch notwendig sind, dass sie eine unwiderstehliche Dynamik erzeugen sollten.