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SILVER 2

Januar 2005

Inhalt der Ausgabe


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Konkurrenz belebt das Geschäft

OPEN SOURCE HAT SICH VON EINER SPIELWIESE UMTRIEBIGER CODER ZU EINEM INDUSTRIEZWEIG MIT MILLIARDENUMSÄTZEN ENTWICKELT. MICROSOFTS EUROPÄISCHER TECHNOLOGIE-CHEF GIBT SICH ALLERDINGS ENTSPANNT UND WEIST SOGAR AUF DIE VORTEILE DER HERRSCHENDEN KONKURRENZ ZWISCHEN DEN GESCHÄFTSMODELLEN HIN.
TEXT: HANNES STIEGER, FOTO: MICROSOFT

 

2004 war das Jahr, in dem Open Source Software [OSS] massiv den Mainstream betrat: Das zunehmende Interesse von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen an Open Source-Produkten, der Rekordhöhenflug des freien Webservers Apache oder der Siegeszug des Browsers Firefox waren dabei nur einige Meilensteine. Leidtragender dieser Entwicklung ist Software-Weltmarktführer Microsoft [MS], der von umstiegswilligen Unternehmen immer öfter hört: "It´s nothing personal, Bill. It´s
strictly business."

Andreas Ebert war bis 2003 Chef von Microsoft Österreich und ist
derzeit RTO [Regional Technical Officer] für die Region CSE
[Central & South Europe].

Unternehmen wie IBM, Novell und Sun Microsystems beweisen ihr Engagement in Sachen Open Source aber nicht nur mit Sagern, sondern auch mit harten Dollars. Grund genug für Microsoft, sich ernsthaft Gedanken zu machen. So versucht das Unternehmen seit einiger Zeit, mit einer Werbekampagne unter dem Motto "Get the facts" die Vorzüge von MS-Software hervorzuheben.
Und zur Jahresmitte forderte Microsoft-Chef Steve Ballmer seine Mitarbeiter auf, mehr Leidenschaft zu zeigen und für neue Produktversionen selbst die Werbetrommel zu rühren. In internen E-Mails, die periodisch an die Öffentlichkeit gelangen, scheint aber auch immer wieder die Angst vor der OSS-Konkurrenz durch.
Andreas Ebert, Technologie-Chef bei Microsoft CSE, gibt sich im Gespräch über Open Source zunächst entspannt – "nicht gelassen, denn das kann als Überheblichkeit gesehen werden" – und sieht das Unternehmen von freier Software nicht sonderlich bedroht. Seiner Meinung nach kann man in der Welt des Wettbewerbs ohnehin nur bestehen, wenn man den Kontakt zu seinen Kunden und Partnern nicht verliert und bereit ist, sich bei Bedarf entsprechend zu ändern.

 


MICROSOFT OHNE BERÜHRUNGSÄNGSTE

"Um gleich mit einem viel gelesenen Vorurteil aufzuräumen: Microsoft hat keine Berührungsängste mit Open Source- Software", meint Ebert. Das Konfliktpotential sieht er auf einer anderen Ebene: Geistiges Eigentum und kommerzielle Verwertbarkeit. Die Einschränkungen der vorherrschenden GPL-Lizenz [GNU General Public License] im Hinblick auf die kommerzielle Nutzung sind für ihn Eigenschaften, die "allen Anbietern von Standardsoftware die Geschäftsgrundlage entziehen". Eine wirtschaftliche Dimension sei erst durch den Einsatz von Unternehmen wie IBM, RedHat, Novell oder Sun entstanden – dort würden aber vor allem UNIX-Plattformen auf Linux migriert. 30 Prozent der UNIXPlattformen würden aber gleichzeitig auf Windows-Systeme gewechselt. Naturgemäß sieht Microsoft in seiner Version der kommerziellen Software-Lizenzierung die bessere Alternative: "Der größte Vorteil für die Microsoft-Plattform ist sicherlich die breite Industrieunterstützung und die große Auswahl an vorhandenen Anwendungen dafür. Dabei spielt Standardisierung eine große Rolle", so Ebert. Damit seien aber keineswegs so genannte offene Standards gemeint – vielmehr müsse die Voraussetzung für Interoperabilität von einzelnen Industriestandards gewährleistet sein. Er verweist darauf, dass beispielsweise TCP/IP erst später zu einem offenen Standard wurde und dass ein bereits zuvor offener Netzwerkstandard – nämlich OSI – mit Pauken und Trompeten unterging. Die Open Source-Gemeinde ist da anderer Ansicht: Schließlich ist es bei der GPL-Lizenz egal, wie die Software verwendet wird, so lange der Code unberührt bleibt. Erst bei einer Code-Modifizierung müssen die Änderungen der Community weitergegeben werden. Und offene Standards funktionieren innerhalb der Open-Source-Welt von einigen Ausnahmen abgesehen äußerst zufrieden stellend.

 

WETTBEWERB FÖRDERT INNOVATION

Der Begeisterung und Einsatzfreude der Open Source- Community ist es zu verdanken, dass wichtige OSS-Produkte wie Apache oder Firefox entstanden, dass Linux-Distributoren kommerziellen Erfolg erzielen konnten und große Unternehmen wie IBM und Sun von der Leistungsfähigkeit der Software überzeugt wurden. Die Zahlen sprechen für sich: Knapp 70 Prozent der Websites weltweit werden vom Webserver Apache ausgeliefert, wie Netcraft in einem Sample von 57 Millionen Websites ermittelte. Der Browser Firefox wurde innerhalb weniger Monate mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen und hat es in dieser Zeit geschafft, den Marktanteil des Internet Explorers auf unter 90 Prozent zu drücken. Städte wie München, Paris oder Wien stellen ihre Infrastruktur auf Linux-Systeme um oder erwägen deren Einsatz.
Unternehmen verlagern zunehmend unternehmenskritische Applikationen auf Linux, und globale Player verkaufen Systeme und Dienstleistungen rund um Open Source-Entwicklungen. Ein Trend, der Microsoft Angst machen sollte? Mitnichten, meint Andreas Ebert, er sieht den Wettstreit sportlich: "Die Innovation von Software ist eine treibende Kraft des Fortschritts einer Volkswirtschaft. Indem unterschiedliche Geschäftsmodelle im Wettbewerb gegeneinander antreten, lässt sich nicht nur die Software-Innovation am besten fördern, sondern auch sicherstellen, dass den Kunden verschiedene Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen". Auch bei der Auftragsvergabe misst er sich gerne mit der freien Konkurrenz: "Verlieren wir Projekte in diesem Umfeld, liegt es schließlich an uns, dies über unser Angebot zu korrigieren".

 

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