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Juli 2009
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Bücher können durch nichts ersetzt werden. Das war einmal. Elektronische Lesegeräte und E-Books entwickeln sich gerade zum Zusatzkapitel der Buchbranche. Das Wiener Start-up HixBooks sieht darin seine Zukunft.
Von Andreas Kump
Mehr als skeptisch sei er zunächst gewesen, sagt Daniel Schreiner.
Freunde hatten auf einer Elektronikmesse einen E-Book-Reader der Marke iLiad entdeckt und wollten von dem gelernten Buchhändler nun seine Meinung dazu hören. Gut anderthalb Jahre ist das her, und Schreiner ging es damals wohl noch so, wie es der überwiegenden Mehrheit des Lesepublikums heute noch geht: Er fühlte sich dem Erlebnis des Lesens auch haptisch verbunden. Ein spannendes, schön gestaltetes, handfestes Buch war für ihn das höchste der Gefühle. Während E-Books bestenfalls in Science-Fiction-Romanen eine Rolle spielten. Allen Meldungen über Lesegeräte wie Amazons Kindle oder dem Sony Reader zum Trotz.
Mittlerweile sieht Schreiner das längst anders. „Das E-Book ist ein neuer Gutenberg “, getraut er sich zu sagen – mit dem Zusatz, dass dieser Gutenberg aber angesichts von Schwarz-weiß-Displays und konkurrierenden Formaten noch ganz am Anfang stünde.
Damit ist der neue Gutenberg nicht alleine. Am Anfang steht auch die Unternehmung, die Schreiner zwischenzeitlich mit den einst Meinung suchenden Freunden in Wien gegründet hat: Der 27-Jährige betreibt nun gemeinsam mit Florian Tremel und Lothar Mausz, beide 31 und studierte Computerwissenschafter, die Firma HixBooks.
HÄNDLER SOLL PROFITIEREN
Mit HixBooks haben sich die drei Jungunternehmer an der Schnittstelle zwischen Verlagen, Handel und Lesepublikum positioniert. Mit einem Konzept, das Buchhandlungen als Partner und Vertriebskanäle betrachtet und nutzt. Waren es beim Firmenstart im Dezember 2008 gerade einmal zwölf Buchgeschäfte, kooperieren nun bereits 60 heimische Händler mit HixBooks. Das heißt: Sie vertreiben deren zertifizierte elektronische Lesegeräte und bieten sich darüber hinaus in puncto digitaler Lesestoff weiterhin als Bezugsquelle an. Zugegriffen wird dabei via USB-Übertragung auf die stetig anwachsende Bibliothek von HixBooks. Für dieses Repertoire versucht das Unternehmen vorrangig auch österreichische Verlage zu gewinnen – um in einem Arbeitsschritt deren analoge Bücher auch als E-Book aufzubereiten. „Konvertierung wird ein immer wichtigeres Geschäftsfeld von uns“, glaubt Daniel Schreiner. „Manchen Verlagen kostet Formatierungen zum E-Book angesichts der Absatzzahlen zurzeit noch zu viel. Aber das wird sich ändern.“
Gut 90.000 Titel, zwei Drittel davon englischsprachig, befinden sich schon jetzt im Angebot. Darunter passenderweise auch Peter Glasers „24 Stunden im 21. Jahrhundert“ oder Sven Stadens Ratgeber „30 Minuten für den souveränen Umgang mit Veränderungen“. Zum Vergleich: Libreka, die E-Book-Plattform des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bietet aktuell knapp 12.000 elektronische Bücher. Von österreichischen Verlagshäusern sind über HixBooks unter anderem Bücher von Residenz, Amalthea und Federfrei vertreten. Der Direktverkauf wird nicht angestrebt. Die einzelnen Buchhändler sollen weiterhin Anlaufstelle für ihre Kunden bleiben. Sei es real oder via eigenem Webshop – wobei das System von HixBooks so ausgelegt ist, dass der Partnerhändler an verkauften E-Books unabhängig von der Bezugsquelle mitverdient. Der Kunde wählt einfach seinen Buchhändler als Verkäufer aus. Dasselbe System pflegt auch Libreka in Deutschland.
VERKAUFSHIT HAKAN NESSER
„Da ich vom Fach bin, kenne ich die Situation und Befürchtungen der Buchhändler ganz genau,“ sagt Schreiner. Die Haltung der Branche zum E-Book beschreibt er so: „Die denken ganz richtig: Aufhalten können wir die Entwicklung sowieso nicht, also ist es besser, wir versuchen unsere Kunden auf diesem Weg zu halten und zu unterstützen.“ Das künftige Potenzial von E-Books am österreichischen Gesamtmarkt (2007 betrug er 460 Mio. EUR [1]) schätzen die drei Kompagnons selbst auf zwischen zehn und allerhöchstens 20 Prozent ein. Als Relation: Der Hörbuchsektor hatte im März 2009 einen Anteil von 2,5 Prozent[2] am Buchmarkt – jedoch mit starken Zuwächsen in diesem Bereich.
500 Kunden konnte HixBooks in den ersten sechs Geschäftsmonaten schon gewinnen. Eine einzige Buchhandlung mit perfekt darauf geschulten Mitarbeitern setzte alleine 60 Lesegeräte um. Bisheriger Verkaufsschlager unter den E-Books: Hakan Nessers „Die Schatten und der Regen“. Als quasi Hardcover im Mobipocket-Format.
Dass das E-Book speziell im Belletristik-Bereich gut funktioniert, erklärt man sich bei HixBooks mit den Annehmlichkeiten der problemlosen Mitnahme mehrerer Bücher auf nur einem Reader – etwa in den Sommerurlaub. Ein weiteres wichtiges Pro-Argument liege im Preis. „Es muss ganz einfach 30 bis 50 Prozent billiger sein als das herkömmliche Buch. Dann wird es auch für den Fachbuchmarkt interessanter“, so Schreiner.
Gegenwärtig sind es in Österreich aber noch eher Early Adopters, die mit E-Books samt Readern erste Erfahrungen sammeln. Anders als in den USA, wo der Online-Händler Amazon schon 500.000 seines Kindle-Readers verkauft haben will. Diesen Sommer soll mit dem Kindle DX (für deluxe) ein optimiertes, UMTS-unterstütztes Produkt folgen. Wann Amazon seine Kindles auch in Europa anzubieten gedenkt, ist jedoch noch offen. Branchenexperten wie Markus Toyfl, der beim Hauptverband des österreichischen Buchhandels das New-Media-Management über hat, sehen darin aber die Kernfrage der weiteren Entwicklung des E-Book-Marktes. Seit wenigen Wochen ist in Österreich zumindest der Sony Reader PRS-505 via Thalia, Morawa und Buchmedia Österreich erhältlich.
CYBOOK UND ILIAD
Beim Mitbewerber HixBooks schwört man hingegen auf zwei Lesegeräte der Hersteller Bookeen und IRex Technologies. Auf das taschenbuchgroße, 174 Gramm leichte Cybook und das etwas größere, allerdings mit mehr Features ausgestattete iLiad Book – um gleich beide im hellen Sonnenlicht auf der Terrasse des Firmensitzes in Wien-Hietzing zu demonstrieren. Die elektronischen Tinten-Displays und die augenfreundliche, in vier bzw. 16 Graustufen variierbare Textdarstellung, verstellbare Schriftarten und -größen lassen einem dabei Schreiners verschwundene Skepsis sofort verstehen: „Das Cybook ist so leicht wie ein Mobiltelefon, hat Speicherkapazität für bis zu 500 Bücher, und weil es nur beim Umblättern Strom benötigt, beträgt die Laufzeit um die 42 Stunden.“ Für einen Belletristikleser sei das ideal. Zumal das in einer Lederhülle steckende Lesegerät als äußerst robust gilt.
Der iLiad hingegen eignet sich ob seiner Zusatzfeatures auch für Arbeitswelt oder Studium. Mittels Touchscreen und Schreibstift lassen sich etwa handschriftliche Notizen durchführen. Auch der Umgang mit PDF-Formaten ist hier überaus einfach. Generell gilt am E-Book-Markt: die einheitliche Formatfrage ist nicht zur Gänze geklärt. Neben Mobipocket (der Entwicklung eines Amazon-Tochterunternehmens) und PDF ist mit EPUB (von Sony gerne verwendet) ein drittes Format im Rennen. „Wir haben den Vorteil, dass unser Schicksal weder an bestimmte Formate, Reader oder andere Geräte gebunden ist, seien es auch iBook, PC oder iPhone“, erläutert Schreiner. Vielmehr genieße der Kunde bei HixBooks den Vorteil, dass er gesichert bekommt, welches gekaufte Buch für seinen jeweiligen Reader geeignet ist.
Nur ein Thema schafft es kurz, den Sonnenschein auf der HixBooks-Terrasse zu trüben: Verschlüsselung bzw. Digital-Rights-Management (DRM). Schreiner: „Der Buchhandel darf nicht die Fehler des Musikmarkts wiederholen. Die Privatkopie muss erlaubt sein. Da hat die Musikbranche viel zu lange gebraucht, ehe die ineffektive Verschlüsselung infrage gestellt wurde.“ Schreiner, Tremel und Mausz schlagen lieber eine andere Seite auf: Aus urheberrechtlichen Gründen sind alle E-Books aus dem HixBooks-Buchkatalog mit einem digitalen Wasserzeichen versehen.
Link:
[1] Quelle: BranchenReport Buchhandel in Österreich – 2006 und 2007
[2] Quelle: media control GfK INTERNATIONAL