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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Juli 2009
Inhalt der Ausgabe
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Warum Facebook keine 15 Milliarden wert und Twitter ein Hype ist, und warum Zweifel am Wirtschaftlichen dieser Netzwerke angebracht sind. RZB-Analyst Christian Hinterwallner im Interview.
Interview: Michaela Kampl
Microsoft hat vor zwei Jahren 240 Millionen US-Dollar für 1,6 Prozent von Facebook bezahlt. Hochgerechnet ergibt das einen Wert von 15 Milliarden US-Dollar für Facebook. Ist das realistisch?
Das ist schwierig zu sagen. Es war ein strategisches Investment: Das heißt Microsoft hat sich damit auch gewisse Rechte gesichert. Das hat einen gewissen Wert. Man kann aber von dem Preis nicht auf den Wert des Gesamtunternehmens hochrechnen. Ich halte 15 Milliarden für zu hoch gegriffen.
Was wäre eine realistische Einschätzung?
Es gibt verschiedene Indikationen.
Zuletzt sind russische Investoren eingestiegen. Würde man deren Investition hochrechnen, käme man auf einen Wert von zehn Milliarden US-Dollar. Selbst das ist wahrscheinlich noch hoch gegriffen. Die Geschäftsentwicklung bis dato rechtfertigt derartige Summen auf keinen Fall. Laut Artikeln (beispielsweise auf der Website Venturebeat, Anm.) gab es auch schon einige (Stock Options-, Anm.) Verkäufe der Mitarbeiter. Da wird das Unternehmen ungefähr zwischen 3 bis sechs Milliarden Dollar taxiert. Das ist eher eine Größenordnung, die ich mir vorstellen könnte.
Letztendlich sichert man sich über einen kleinen Anteil des Unternehmens eine sichere Position, mit der Option, aufzustocken, wenn es vielleicht wirklich ein großes Ding wird.
Das Unternehmen muss, um eine große Nummer zu werden, irgendwann zeigen, dass sie es schaffen, profitabel zu wachsen. Und das ist – so wie es derzeit ausschaut – noch in weiter Ferne. Es gibt noch kein tragfähiges Geschäftsmodell.
Geht es in erster Linie darum, möglichst viele User auf meine Plattform zu locken, um dann in einem zweiten Schritt Werbung verkaufen zu können?
Das vorrangige Ziel von Facebook ist es, den Status als Nummer eins abzusichern. Um zu sagen, wir sind der Platzhirsch, wir sind die Nummer eins. Es gibt diesbezüglich ja vielerlei Gefahren. Bei MySpace hat man das am besten gesehen. Da ist es zu einer Massenmigration von MySpace zu Facebook gekommen. Das Gleiche ist bei StudiVZ passiert. Facebook ist derzeit die Plattform mit dem besten Stand in der Community. Aber auch hier muss man vorsichtig sein: Das Ganze ist oft sehr trendlastig, und viele Datenschutzfragen sind noch nicht gelöst. Wenn eine gewisse kritische Masse in einem anderen Netzwerk erreicht ist, sind User vielleicht auch wieder bereit, das Netzwerk zu wechseln. Von der Ausgangsposition her ist Facebook sicherlich einmal in der Poleposition. Jetzt muss man schauen, dass man einen gewissen Kundenstamm hat, der gewisse Markentreue zu dem Unternehmen hat. Und dann muss man versuchen, das Ding zu kapitalisieren – versuchen, daraus Profit zu schlagen.
Könnte zielgruppenspezifisches Marketing eine Einkommensquelle sein?
Das ist sicher ein Thema. Und ich glaube auch, dass es funktionieren kann. Die Frage ist allerdings, in welchem Ausmaß: Entweder so gut wie bei Google oder zwar nett und profitabel, aber nicht die große Nummer. Ich glaube eher Zweiteres.
Wären Premium-Accounts – wenn User durch Zahlung eines Betrages Zusatzfunktionen nutzen können – eine Finanzierungsquelle?
Ich denke, die Gratismentalität ist im Internet mittlerweile derartig verankert, dass so ein Konzept schwer durchzusetzen ist. Eine Community, die gewohnt ist, gratis auf etwas zugreifen zu können, ist dann kaum bereit, für Zusatzfunktionen zu zahlen.
Bis zu einem gewissen Prozentsatz wird es das sicherlich geben, allerdings glaube ich nicht, dass das der Hauptbeitrag zur Finanzierung des Unternehmens sein wird. Das ist vielleicht bei Xing möglich, wo ich eine spezialisierte Plattform habe, wo auch der User gewisse Interessen hat und der Nutzen so groß ist, dass jemand auch bereit ist, eine monatliche Gebühr dafür zu zahlen. Xing scheint das zu schaffen. An die acht Prozent der User zahlen einen monatlichen Beitrag.
Es gab auch Fälle, wo ein Unternehmen eine Plattform übernommen hat. Beispielsweise kaufte der Holzbrinck Verlag StudiVZ und Rupert Murdoch MySpace. War es ein Fehler, zu kaufen, anstatt sich wie Microsoft nur einen Bruchteil zu sichern und sich damit strategisch zu positionieren?
Wenn es funktioniert, wäre es eine super Sache gewesen. Wenn es natürlich schief läuft, dann ist es im Nachhinein eine Fehlentscheidung. StudiVZ ist vom Lebenszyklus als Social Network wahrscheinlich über der Spitze. Es wird sich vermutlich irgendwann auf einem gewissen Niveau stabilisieren, und es wird wahrscheinlich auch halbwegs profitabel sein. Ob das das große Geschäft ist? Davon bin ich nicht überzeugt.
Könnte aus Twitter etwas Nachhaltiges entstehen?
Twitter halte ich für einen Riesenhype – à la Second World Life vor einigen Jahren. Twitter schafft es eben gut in die Medien zu kommen. Derzeit ist jeder fasziniert. Ich bin eher skeptisch, dass daraus etwas Nachhaltiges entsteht. Natürlich ist es ein interessantes Tool. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass sehr viele, die sich das anschauen, nach kurzer Zeit nicht mehr hinschauen. Das am besten funktionierende Social Network ist meiner Meinung nach das Online-Spiel World of Warcraft. Da gibt es User, die nahezu süchtig sind. Es ist zwar kein klassisches Social Network, aber man bietet dem User derartigen Nutzen, dass er bereit ist, dafür eine monatliche Gebühr zu zahlen. Das ist wahrscheinlich das Erfolgsmodell schlechthin.
Wie wird das Unternehmensmodell in zehn Jahren aussehen?
Ich glaube, dass es einerseits Nischenanbieter geben wird. Davon wird es einige – à la Xing geben, die das schaffen. Die sind dann wirklich spezialisiert und mit hohem Nutzen für die User. Und die Community ist deswegen auch bereit, für den Dienst zu zahlen. Außerdem wird es vielleicht ein, zwei Große geben.
Das Geschäft mit den Social Networks wird sich demnach nicht zur nächsten Blase auswachsen?
Hinterwallner: Eine Blase sehe ich nicht. Im Unterschied zur Internetblase, wo wirklich sämtliche Unternehmen, die einen Business-Plan hatten, an die Börse gegangen sind, war das hier nicht mehr der Fall.
Aus der damaligen Blase sind neue, große Player herausgekommen – und die schauen natürlich, welche Plattformen sich stark entwickeln, starken Zuspruch von der Community haben, hohe Wachstumsraten vorweisen. Dann stellen sie sich die Frage, ist das für uns interessant, kaufen wir uns dort strategisch ein, passt das zu unserem Geschäftsmodell? Da sind die üblichen Verdächtigen immer dabei: Google, Microsoft, Yahoo. Insbesondere Microsoft kämpft auch mit der Internetsparte, die seit Jahren nicht profitabel ist. Diese Unternehmen investieren aus strategischen Überlegungen heraus, um sich frühzeitig zu positionieren und letztendlich Marktanteile abzustecken. Die sind da dahinter und deswegen oftmals auch bereit, hohe Preise für Dinge zu bezahlen, von denen man nicht sicher weiß, ob es etwas wird.