Silver Server

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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.

SILVER 20

Juli 2009
Inhalt der Ausgabe

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IPv6 – quo vadis?

Die Zukunft des Internet ist eng mit dem Netzwerkprotokoll IPv6 verknüpft. Von der Einführung dieses Standards ist abhängig, ob uneingeschränkter Wachstum und Grundprinzipien des Internet beibehalten werden können.

 

Von Christoph Loibl

 

„Also mal ganz ehrlich: Brauchen wir das denn wirklich? Unsere Business Unit hat errechnet, dass uns das nur viel Geld kostet ...“ – Mit diesen Worten wurde ich erst diese Woche mit meiner Frage nach IPv6-Transit-Service von einem der weltweit führenden Internet-Carriern abgespeist. IPv6 wird heute als das Netzwerkprotokoll gehandelt, das uns in Zukunft den Wachstum des Netzes ermöglichen und IPv4 (aka IP) ersetzen wird. Weltweit bauen Netzbetreiber ihre Netze so um, damit sie gleichzeitig sowohl das alte IPv4 als auch das neue Internet-Protokoll IPv6 unterstützen (im Fachjargon wird das oft als Dual-Stack bezeichnet).

„Das gleicht einer Operation am lebenden Herzen. Das Netzwerkprotokoll ist ja das, was die Kommunikation im Internet ausmacht?“ – Da kann ich ihm nur zustimmen, dem Sales-Mitarbeiter des großen IP-Carriers, der sich wohl noch etwas Zeit lassen wird mit dem Umbau auf IPv6. Trotzdem – und das zweifeln mittlerweile nur mehr die wenigsten an – gibt es kaum einen Weg, der daran vorbeiführt. Der Grund dafür ist mit ein paar Worten erklärt: Wir haben zu wenig IPv4-Adressen, um einen weiteren Wachstum des Netzes zu ermöglichen.

Will man nicht mit einem der Grundprinzipien des Internet – jeder Rechner soll mit jedem direkt kommunizieren können (End-to-End-Principle) – brechen, muss auch jeder weltweit mit einer eindeutigen IP-Adresse adressierbar sein. Innerhalb des IPv4-Adressraums gehen uns jetzt langsam diese eindeutigen Adressen aus. Technologien wie NAT (Network Address Translation gemeinsam mit RFC1918 – Address Allocation for Private Internets) schaffen hier zwar Abhilfe, verstoßen jedoch gegen das oben angesprochene End-to-End-Principle. Spätestens, wenn man keine eindeutigen IP-Adressen für seine Server und Services mehr bekommt, lernt man die Grenzen von NAT hinsichtlich der direkten Adressierung kennen.

 

GRÖSSERER ADRESSRAUM

 Neben einigen kleinen Verbesserungen bietet IPv6 in erster Linie einen viel größeren Adressraum. Statt vorher 32 Bit für eine IPv4-Adresse stehen einem bei IPv6 128 Bit für eine IP-Adresse zur Verfügung. Somit haben wir ein Protokoll, dass ein Wachstum des Internet über die Adressraumgrenzen von IPv4 hinaus ermöglicht.

IPv6 ist also ein Ersatz für das derzeit im Internet eingesetzte Netzwerk-Protokoll (der Profi wird hier wissend ausrufen: „Layer-3“). Die darüber liegenden Protokoll-Schichten sind von diesem Tausch praktisch nicht betroffen. Es gibt also nach wie vor UDP und TCP und auch die Applikationen wie Web, Mail ... mit ihren Protokollen HTTP, SMTP, POP, IMAP ... funktionieren mit IPv6 genauso wie mit IPv4. Für den Endanwender ist oft nicht einmal ersichtlich, welches der beiden Netzwerkprotokolle gerade zum Einsatz kommt.

Wieso also nicht gleich ein Netz nach dem anderen von IPv4 erlösen und auf IPv6 umstellen? Der wichtigste Grund, dies nicht zu tun ist, dass ein Rechner im IPv6-Netz zwar mit anderen Rechnern im IPv6-Netz kommunizieren kann, jedoch nicht mit Rechnern (zum Beispiel auch mit Servern), die noch nicht auf IPv6 umgestellt wurden. Damit offenbart sich auch das Hauptproblem: Während der Umstellung wird es notwendig sein, die Rechner entweder mit IPv4 und mit IPv6 gleichzeitig anzubinden (Dual-Stack) oder Gateways einzusetzen, die eine Art Proxy-Service oder NAT zwischen dem alten Internet IPv4 und IPv6 anbieten (was wiederum dem End-to-End-Principle widerspricht). Vor allem Server werden deswegen wohl kaum auf eine Dual-Stack-Architektur (also beide Protokolle gleichzeitig) verzichten können.

Man ist also an einem Punkt angelangt, an dem man zwei Netze (IPv4 und IPv6) gleichzeitig betreiben muss, alle Services sowohl via IPv4 als auch via IPv6 erreichbar macht und dann wartet, bis alle Anwender über IPv6-Connectivity verfügen und kaum noch Zugriffe auf die Services über IPv4 erfolgen. Erst nach dieser Übergangszeit (die sicherlich mehrere Jahre dauern wird) wird man langsam daran gehen können, das IPv- Netz abzubauen und ausschließlich über IPv6 zu arbeiten.

 

AKTIVITÄTEN BEI INTERNET EXCHANGES

Sowohl die Umrüstung auf IPv6 als auch der Jahre lange Parallelbetrieb mit IPv4 sind mit Kosten verbunden. Darüber hinaus darf das Umstiegsszenario keinerlei Einfluss auf die Verfügbarkeit des bestehenden IPv4-Netzes haben und sollte möglichst transparent für den Enduser ablaufen. Der gewaltige Skalierungsvorteil, den der größere Adressraum mit sich bringt, ist wohl nur den technisch versierteren Endusern zugänglich.

Darüber hinaus entpuppte sich die Umstellung als Henne-Ei-Problem. Solange die Services nicht via IPv6 erreichbar sind, braucht der Enduser kein IPv6 – solange der Enduser kein IPv6 hat, ist niemand gewillt, die Services unter IPv6 erreichbar zu machen. „Wir können Ihnen alternativ über einen Tunnel von Amsterdam IPv6-Connectivity anbieten.“ – Ich lehne das Angebot des Vertreters des ehemals großen IPv4-Carriers dankend ab und hoffe, dass zwischen der ersten Euphorie für IPv6 Anfang dieses Jahrhunderts und heute nicht nur viel Zeit vergangen ist, sondern diese auch genutzt wurde, die IP-Carrier-Netze auch IPv6-ready auszubauen.

Auf den europäischen Internet Exchanges – auch in Wien am Vienna Internet Exchange – geht es nach einem längeren Dornröschenschlaf mit IPv6 jedenfalls wieder richtig zur Sache. Fast täglich kommen neue Provider dazu, die auf ihren Peering-Routern IPv6 „einschalten“ und damit den Austausch von IPv6-Paketen zu anderen Providern vorbereiten. Das ist wohl auch eine gute Entscheidung, denn schaut man auf das derzeitigen Wachstum des Internet in Europa, so wird 2012 der letzte IPv4-Adress-Block von der RIPE NCC an lokale Service-Provider vergeben werden. Diesen Zeitpunkt jedoch wollen wir nicht unbedingt abwarten.

Nicht nur bei den technikaffinen Organisationen wie RIPE (www.ripe.net) und IETF (www.ietf.org), sondern auch beim Weltkonzern Google (ipv6.google.com) werden mittlerweile Services über IPv6 betrieben. Die ersten Services bei Silver Server wie DNS, Mail und auch die Silver Server Webpage www.sil.at sind schon seit geraumer Zeit alternativ auch über IPv6 erreichbar. Obwohl sich die IPv6-Datenmengen noch sehr in Grenzen halten, ist es doch wichtig, Erfahrungen zu sammeln, denn 2012 wird es dann zu spät sein.

 

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