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SILVER 21

Oktober 2009
Inhalt der Ausgabe

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FABRIKEN DER WELT

Oskar Obereder unterwegs in China. Auf Grand Tour zu den bedeutendsten Fertigungsstätten der Welt.

 

In Österreich kommt der freie Zugang zu Leerrohren (engl. Ducts) für den Glasfaserausbau trotz der jüngsten Novelle des Telekomgesetzes nicht in Schwung. Darum gönnen wir uns für diese Ausgabe eine Pause vom hartnäckigen Thema Regulierungsfrust. Multiplizieren wir lieber das Nützliche und schlagen wir den Bogen von einem aktuellen Besuch chinesischer Wirtschaftszentren zur Thematik Industrie.

Vorab: Wenn man sich im nach wie vor kommunistischen China zu Reformen durchringt, dann aber so richtig. Mit atemberaubenden, signifikant höherem Tempo als wir das von heimischen Novellen gewohnt sind. Das ist mitunter ein Grund, warum so gut wie jede chinesische Metropole über ein leistungsstarkes Glasfasernetz verfügt.

Andererseits: Sich unsere erste Station, das mit Wolkenkratzern gesäumte Pudong, ohne das schnellste und zeitgemäße Kommunikationsnetz vorzustellen, ist angesichts der enormen Geschäftsdichte per se ein Ding der Unmöglichkeit!

Unterwegs bin ich in China mit einem amerikanischen Geschäftsfreund. Unsere Mission besteht im Knüpfen von Geschäfts- bzw. Produktionskontakten für eine Entwicklung aus dem Bereich Audiotechnik.

 

Erste Station Pudong/Shanghai

 

Pudong weiß zu beeindrucken, ist Boomtown pur. Als einer von 18 administrativen Distrikten Shanghais wuchs das ehemalige Fischerdorf in den letzten 20 Jahren zu einem Wirtschafts- und Hightechstadtteil par Excellence. Erst am Reißbrett, dann in Wirklichkeit. Ein Musterbeispiel für das Ausmaß chinesischer Investitionsorgien jüngeren Datums. Nicht weniger als 40 Milliarden Dollar investierten internationale Unternehmen bisher in das in spezielle Zonen aufgeschlüsselte Pudong. So schlägt etwa in der Jinqiao Export-Processing Zone (JEPZ) das industrielle Herz des Distrikts. Unternehmen wie Sony, Hitachi, Toshiba, Shanghai Sharp, Alcatel Shanghai Bell, Siemens Mobile, Kodak China und viele mehr lassen hier ihre IT-, Kommunikations- und sonstige Hardware, Autoteile oder Plastikkomponenten fertigen. Wenn in Europa von Outsourcing die Rede ist, dann sind Orte wie die JEPZ damit gemeint. Im angrenzenden Zhangjiang High-Tech Park dreht sich hingegen alles um die Pharmaindustrie, biochemische Entwicklungen und Hard- sowie Software aus dem Gesundheitsbereich. Aus all dem sticht mit dem 492 Meter hohen Shanghai World Financial Center das dritthöchste Gebäude der Welt hervor, während das 87. Stockwerk des nahen Jin Mao Towers einen schönen Rundblick auf die Stadt erlaubt. An- und Abreise zum Flughafen Shanghai Pudong International bewerkstelligen wir elegant mit dem Transrapid Shanghai, einer Magnetschwebebahn; deren maximale Betriebsgeschwindigkeit: 430 km/h.

 

Ningbo, Shenzhen alias Pod-City

 

Weiter nach Ningbo. Vorher aber noch ein erholsamer Abstecher nach Hángzhou. Wir machen eine Radtour durch die Hügel rund um den West Lake und trinken den hier angebauten Drachenbrunnentee, den berühmtesten Grüntee Chinas.

In Ningbo, an der Küste des Ostchinesischen Meeres, sind wir wieder am Industrie-Trail, besichtigen die Zentrale von Volant Eagle Electronics, treffen mit Ying Wie Guo deren CEO und besprechen beim Business-Lunch ein mögliches Joint-Venture. Die Produktionsstätte von Volant Eagle Electronics liegt in Shenzhen, einer weiteren Fabrik der Welt. Auch Shenzhen ist ein Ort der Superlative. Von 30.000 wuchs man binnen 20 Jahren auf 12 Millionen Einwohner. Hier ist das Pro-Kopf-Einkommen des Landes am höchsten. So weit, so Wikipedia. Shenzhen profitiert von der Nähe zu Hongkong. Die Schlüsselindustrien sind Telekommunikation und Elektronik. Das sicherlich berühmteste hier gefertigte Produkt: der iPod von Apple. So wie Apple lassen auch andere Unternehmen wie Sony und Hewlett-Packard ihre Hightecherzeugnisse bei Foxconn herstellen. Einzigartig ist sicherlich, dass Chinas auf Großkonzerne fokussierte Industrie von der globalen Finanzkrise gegenüber dem Westen profitieren konnte, wie der Wirtschaftsverband China Enterprise Confederation just während unseres Aufenthaltes vermeldet. Einzigartig ist aber auch weiters, dass Shenzhen aufgrund der iPod-Fertigung zur Tourismusdestination für Hardcore-Apple-Fans geworden ist!

 

Apropos Apple

 

Nach einem Inlandsflug mit Air China lasse ich im Airport Taxi in Beijing mein iPhone liegen. Dankenswerterweise bringt es mir der Fahrer zum Dinner im XIU nach, einem hippen Gastronomiepalast. Zwischenzeitlich habe ich aber bereits ein Back-up-Device Marke „Anycall“ mit China-Mobile Prepaid Sim Card erstanden. Redundant mit Mobile Devices ausgestattet, suchen wir noch den von Philippe Starck designten Lan’s Club auf. Zurück im Hotel: erst durchschnaufen, dann Abgleich des chinesischen Messeangebots mit dem eigenen Termin- und Reiseplaner. Von früheren Besuchen bekannt: die Canton Fair/China Import & Export Fair in einer weiteren, wenn nicht DER „Fabrik der Welt“: Guangzhou. Nicht minder interessant: Hongkongs electronicAsia. Fix für 2010 im Kalender: die EXPO in Shanghai, zumal mit Matias del Campo und Sandra Manninger (Span Architekten) zwei Freunde aus Wien den Österreich-Pavillon gestalten werden. Insofern steht die nächste Reise zu den Fabriken der Welt bereits wieder fest und im Kalender. Wie viel Einwohner wird Shenzhen dann schon wieder dazu gewonnen haben?

 

 

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