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April 2010
Inhalt der Ausgabe
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Grünes Licht am Ende des Tunnels
Nach Jahren lauer Innovationen, die zum Teil als grüne Revolutionen verkauft wurden, könnte der Trend zur „Green IT“ im aktuellen Versuch erstmals gelingen …
Was wurde am IT-Sektor in den letzten Jahren nicht alles an Umwelt zuträglicher Revolution abgefeiert? Der halbierte Stromverbrauch eines neuen Rechners oder die Beseitigung eines einzigen Schwermetalls aus einem Notebook. Der grüne Anstrich als effektive Marketingstrategie, um den normalen technischen Fortschritt entsprechend aufzuladen. Green IT, ein Terminus, den Simon Mingay, Vizepräsident von Gartner 2003 prägte, brachte jede Menge Hype mit sich, um letztlich immer wieder in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
So schien es. Offenkundig hat „Green IT“ – die Bestrebung, IT über den gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und ressourcenschonend zu gestalten – doch das Zeug zum Dauerbrenner, zum Evergreen gleichermaßen. Ob der langsame, aber stetige Umdenkprozess der Unternehmen in Zeiten von Klimawandel, CO2-Emissionen und horrender Energiekosten auf nachhaltiger Umweltliebe fußt, darf hinterfragt werden. Nichtsdestotrotz wird grüne Technik immer häufiger Teil strategischer Initiativen von Herstellern.
Greenpeace checkt den Grünanteil
Die Umweltorganisation Greenpeace hat diesem positiven Trend mit Sicherheit Vorschub geleistet. Denn deren Untersuchungen konnten belegen, dass die Auswirkungen der rasch wachsenden Elektronikschrott-Berge auf Gesundheit und Umwelt große Probleme nach sich ziehen können. So besteht z.B. jeder PC, jedes Notebook aus zahlreichen komplexen Komponenten, die teilweise Schwermetalle und gefährliche Chemikalien enthalten. Stoffe wie bromierte Flammschutzmittel, PVC, Phthalate, Beryllium, Cadmium, Quecksilber etc., die, kommt man mit ihnen in Berührung, mitunter schwere Krankheiten verursachen können.
Der Export von Elektronikschrott ist in der EU zwar verboten, der Verkauf von funktionierenden Altgeräten jedoch gestattet. Eine Lücke, in die sich gewissenlose Händler und Recycling-Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder hinein geschwindelt haben, um vermeintliche Altgeräte in afrikanische und asiatische Länder zu exportieren. Laut Greenpeace werden die Geräte dort von Kindern zerlegt, die nach wertvollen Metallen suchen und sich so den gefährlichen Substanzen ungeschützt aussetzen müssen.
Im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat die Umweltorganisation kürzlich die vierzehnte Ausgabe ihres Ratgebers „Grüne Elektronik” vorgestellt und die eine oder andere positive Überraschung aufgezeigt. So werden inzwischen nahezu alle Produkte der Global Player Apple, Nokia und Sony Ericsson ohne gefährliche Chemikalien gefertigt. Damit konkretisiert der Ratgeber, welche Hersteller ihre Versprechen tatsächlich umgesetzt haben und welche sich in grüner Schönfärberei üben. Apple und Sony Ericsson hatten den Ausstieg aus PVC und bromierten Flammschutzmitteln bis Ende 2009 versprochen und hielten ihre Ankündigungen auch ein. „Apple hat diese problematischen Substanzen bereits vor rund einem Jahr aus seiner gesamten Produktpalette entfernt“, so Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace. Sie ergänzt: „Damit steigt der Druck auf die Mitbewerber, verstärkt auf umweltfreundliche Elektronikprodukte zu setzen.“ Deutlich schlechter abgeschnitten als in der Ausgabe zuvor haben hingegen Dell, Lenovo, LGE und Samsung, die einen Ausstieg zwar zusicherten, ihre Beteuerungen jedoch nicht hielten. Dennoch sind die Erwartungen für 2010 seitens Greenpeace allgemein positiv, „weil viele neue PC auf den Markt kommen werden, die bereits frei von gefährlichen Chemikalien sind“, so Sprinz.
Virtualisierung und coole Konzepte
Ein großes Einsparungspotenzial, um im Sinne der Nachhaltigkeit zu agieren, steckt auch in den Rechenzentren und Servern – die großen Stromfresser in der IT. Ein gängiger Richtwert bescheinigt der Auslastung der rund um die Uhr laufenden Server in Organisationen und Unternehmen magere 10 bis 20 Prozent. Problem dabei: Die Serverkapazitäten werden für die absoluten Betriebsspitzen ausgelegt, um vielleicht ein bis zwei Mal pro Tag an ihre Leistungsgrenze zu stoßen. Mit der Virtualisierung und deren Techniken greifen immer mehr Unternehmen auf ein Konzept im Sinne von „Green IT“ zurück. Mittels mehrerer virtueller Server auf einem physikalischen Gerät lassen sich Kapazitäten automatisiert zur Verfügung stellen, Puffer für Kapazitätsspitzen schaffen, die Auslastungsraten optimieren und somit die Kosten reduzieren.
Ein weiterer essenzieller Aspekt der Green IT ist die Rechenzentrumskühlung, offeriert sie doch ebenfalls hohes Optimierungspotenzial. Laut Studien des Marktforschungsinstituts Gartner sind zwischen 35 und 50 Prozent der gesamten Energiekosten eines Rechenzentrums der Kühlung geschuldet. In den Serverräumen der Unternehmen geht es also ziemlich heiß her, was Kühlsysteme mitunter an ihre Belastungsgrenzen treibt. Schlüssige coole Konzepte sind somit gefragt. In der Praxis kommt neben der bekannten Luftkühlung vor allem die Wasserkühlung oder eine Kombination der beiden zum Einsatz.
Mit der Fernkälte, einer neuen Lösung von „Wien Energie“, gibt es jetzt eine weitere Möglichkeit der Kühlung, die einer grünen IT zuarbeitet: Dabei wird Fernwärme als Primärenergie einer so genannten Kältezentrale zugeführt, die aus Absorptions- und/oder Kompressionskältemaschinen besteht. In diesen Zentralen wird dann jene Kälte erzeugt, die zur Kühlung der jeweiligen Räume notwendig ist und in gedämmten Rohrleitungen geliefert bzw. in das jeweilige Klimasystem eingespeist wird. „Fernkälte braucht, wenn sie aus der Abfallbehandlung kommt, nur ein Zehntel der Primärenergie herkömmlicher Kälteerzeuger und sichert dadurch ebenso hohe CO2-Einsparungen“, erläutert Gerhard Fida, technischer Geschäftsführer von Wien Energie Fernwärme.
Aspekte, die aufzeigen, dass sich in der „Green IT“ viele Chancen und Möglichkeiten auftun. Die Branche beginnt offensichtlich umzudenken, um einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Besonders in wirtschaftlich diffusen Zeiten spielt eine nachhaltige „Green IT“ ihre Stärken aus. Wer sparsam agiert und mit entsprechend weniger Ressourcen einkaufen muss, wird am Markt leichtfüßiger auftreten können.
Der Autor: Robert Penz ist freier Texter in Wien.