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SILVER 23

April 2010
Inhalt der Ausgabe

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MEETING

Natürlich nachwachsende Fahrräder


Der Techniker und Designer Brano Meres aus Bratislava baut experimentelle Fahrradrahmen, unter anderem aus dem natürlich nachwachsenden Rohstoff Bambus.


Sie benützen seit inzwischen sieben Jahren ein Mountainbike mit selbstgebauten Bambusrahmen. Und das sogar für Rennen. Wie beurteilen Sie nun, nach dieser ausgiebigen Testphase, dieses Material?


Ich muss sagen, dass Bambus meine Erwartungen und Anforderungen bei weitem übertroffen hat. Ich rechnete mit einer Lebensdauer von etwa zwei bis drei Jahren, aber der Rahmen ist nach inzwischen sieben Jahren immer noch in einem sehr guten Zustand. Das ursprüngliche Modell habe ich eigentlich nur deswegen in Rente geschickt und an die Wand gehängt, weil ich in der Zwischenzeit einen weiteren Bambusrahmen konstruiert habe, der natürlich ebenfalls ausgiebig getestet werden muss.


Fahrräder mit Bambusrahmen wurden ja schon vor über 100 Jahren gebaut, jedoch gibt es aktuell eine Menge neuer Projekte. Ist das Material für einen Massenmarkt geeignet bzw. wann wird es das BME-Bamboo Bike zu kaufen geben?


Natürlich wird Bambus nie andere Materialien beim Fahrradrahmenbau verdrängen, aber es ist ein alternativer Werkstoff mit besonderen Eigenschaften. Es bietet komfortable Fahreigenschaften, dämpft Vibrationen sehr gut und sieht vor allem attraktiv aus! Daher glaube ich, dass sich Bambusräder sicher am Markt etablieren werden. Den Bedarf danach erlebe ich jedenfalls immer wieder in meiner E-Mail-Inbox. Ich bin nun auch schon länger dabei, einen ersten kleinen Produktionslauf vorzubereiten, und habe vor, im Laufe dieses Jahres die ersten Räder auf dem Markt zu bringen. Da ich das ja nur als mein Hobby betreibe und neben meiner Arbeit sehr wenig Zeit bleibt, komme ich damit leider nur sehr langsam voran.

 

Sie haben auch mit anderen Materialien experimentiert. Neben Karbon auch mit einem Bambus-Verbundstoff. Wie erfolgreich waren Sie damit?


Dabei handelte es sich definitiv um ein Experiment. Ich wollte die Eigenschaften dieses Materials, das ich in China bestellt habe, ausprobieren. Obwohl es einige interessante Eigenschaften bietet, erreichte es nicht die gewünschte Steifheit bzw. wäre der Rahmen zu schwer geworden. Der Rahmen reicht zwar zum normalen Radfahren, jedoch nicht für den Renneinsatz. Ich plane aber noch weitere experimentelle Projekte, bei denen Naturfasern und Harze und deren Einsatzmöglichkeiten für den Rahmenbau getestet werden sollen.


In den letzten Jahren präsentierten Sie Ihre Rahmen auf verschiedenen Bike-Shows und Ausstellungen. Wie war das Feedback auf Ihre Projekte?


Das Feedback war immer sehr positiv. Da jeder meiner Rahmen speziell und unkonventionell ist und sich von den anderen klar unterscheidet, erhielt jedes neue Projekt seine spezielle Aufmerksamkeit. Die Leute interessieren sich für den Produktionsprozess, die eingesetzten Materialien usw. und unterstützen mich. Das motiviert mich natürlich immer wieder neue interessante Projekte zu starten bzw. auch mit der Serienproduktion der Bambusrahmen zu beginnen.


Sie realisieren Ihre Projekte in Ihrer Freizeit. Haben Sie bereits daran gedacht, das Hobby zu Ihrem Beruf zu machen?


Fahrräder sind meine absolute Leidenschaft, und natürlich habe ich daran gedacht, einen Schritt weiterzugehen. Dabei beunruhigt mich jedoch der Gedanke, dass oft, wenn ein Hobby zum Beruf wird, der Spaß und die Freude daran verloren gehen. Andererseits ist es aber auch ein teures Hobby. Das Material, das Werkzeug und die Produktion – ganz zu schweigen von den Patentgebühren. Ich habe ja deswegen schon mit meinen anderen Erfindungen aufgehört und fokussiere mich ganz auf die Fahrradrahmen.


Gab es eigentlich jemals Interesse oder Angebote seitens der Industrie?


Bisher wurde ich nur von möglichen Käufern oder anderen Designern angesprochen und nie seitens der Industrie. Man muss aber auch sagen, dass alle meine Rahmen, bis auf den Bamboo-Frame sehr experimentell sind und somit nicht für eine Massenproduktion geeignet.

Ich hoffe, Sie finden immer noch Zeit zum Biken. Was sind Ihre Lieblingsrouten in der Nähe von Bratislava?

Ein Vorteil von Bratislava ist ja die Tatsache, dass die Kleinen Karpaten nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegen. So kann man immer schnell einen Ride durch den Wald genießen. Dort gibt es auch zahlreiche Trails, aus denen ich immer eine Strecke auswählen kann, die meiner Laune entspricht. Sonst bin ich auch gerne am autofreien Donauradweg Richtung Wien unterwegs.

www.bmeres.com
www.gruene-uni.org/mach_mit/index.php

 

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