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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Oktober 2010
Inhalt der Ausgabe
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Ein Gespräch mit Christian Mandel, Chief Technical Officer von Silver Server, zu Vorkehrungen für die IPv6-Einführung.
IPv6, das Internet Protocol Version 6, ist der Nachfolger der derzeit verwendeten Netzwerkprotokolls IPv4. Aufgabe des Internet-Protokolls ist es, anhand von IP-Adressen die Verbindungen zwischen einzelnen Computern bzw. Netzen aufzubauen. Da die mögliche Anzahl an IP-Adressen begrenzt ist und der IPv4-Adressraum bald über keine freien Adressen mehr verfügt, wurde bereits 1996 mit der Entwicklung von IPv6 begonnen und 1998 mittels RFC 2460 als Nachfolger von IPv4 definiert.
IPv6 ist zwar nichts Neues mehr, es scheint aber noch nicht sehr verbreitet zu sein. Verläuft die Einführung schleppend?
Auch wenn das nicht direkt vergleichbar ist, erinnert die Situation an den Y2K-Bug. Damals wurde auch von vielen IT-Verantwortlichen und Netzbetreibern das Thema erst sehr halbherzig oder gar nicht beachtet, und zum Schluss ist die Panik ausgebrochen. Bei IPv6 schätze ich, dass das Mitte nächsten Jahres passieren wird, wenn die Medien das Thema noch weiter mit Horrorszenarien hinterlegen und immer öfter publiziert wird, dass es Ende 2011 keine freien IPv4-Adressen mehr geben wird. Etwa im Stile: „So, jetzt ist es dann aus, das Internet stürzt ab.“
Diese Horrorszenarien von einem Kollaps tauchen ja immer wieder auf. Wie ist das zu verstehen?
Also ein Kollaps wird nicht passieren. Im Gegensatz zu dem oben erwähnten Y2K-Bug gibt es ja auch keinen definierten Stichtag, an dem IPv4 aufhört zu existieren oder abgedreht wird. Natürlich werden die internationalen Registrare irgendwann keine ungenutzten Blöcke mehr zu vergeben haben, aber die Provider selbst verfügen ja noch über die ihnen zugewiesenen Blöcke und haben dort noch freie Adressen, die sie an Kunden vergeben können. Es wird nur so sein, dass die Provider mehr auf diese Ressource Acht geben und mit IPv4-Adressen zu knausern beginnen – die internationalen Registrare machen das auf ihrer Ebene schon seit längerer Zeit. Wer aber zu dem Zeitpunkt noch nicht IPv6-ready ist, dem kann ohnehin nicht geholfen werden. Wichtig ist aber auch noch zu wissen, dass IPv4 ja nicht abgedreht wird, sondern es wird auch noch längere Zeit in der Zukunft parallel beide Systeme geben müssen. Generell ist aber beim Access, also seitens der Provider im Netzwerkbereich alles gut auf Schiene – eher beunruhigend ist für mich momentan aber die Tatsache, dass sich seitens der Services (DNS, Mail, Web etc.) wenig tut. Eine direkte Kommunikation zwischen IPv6 und IPv4 ist technisch nicht möglich, und vice versa, somit bringt es wenig, wenn ich zuhause mit IPv6 up bin, aber mein gewünschter Webserver keine IPv6-Adresse hat und somit ich die Services dort nicht nutzen kann. Ist ein bisschen wie mit einem europäischen Stromstecker in den USA.
Wie weit sind wir eigentlich in Österreich mit der Einführung im internationalen Vergleich?
Im internationalen Vergleich ist Österreich absoluter Musterschüler, wir befinden uns unter den Top 10. Es gibt dazu sehr interessante und aufschlussreiche Statistiken im Web, die mehr oder minder live darstellen wie viele Adressblöcke beantragt und vergeben wurden und welche davon auch international im Routing angekündigt werden, also online erreichbar sind. Andere Tabellen zeigen dann auch die Erreichbarkeit von Services wie DNS, Mail, Web von verschiedenen Anbieter. In diesen Rankings liegt zwar Österreich sehr gut – wobei wir realistischerweise immer noch von Bruchteilen reden. So liegen im IPv6 Deployment-Status von Web die Niederlande mit 8 % am ersten Platz und Österreich an Platz 6 mit lediglich 2 % erreichbarer Webserver!
Wieviel trägt Silver Server zu dieser Plazierung bei?
Silver Server hat bereits 2002 einen Adress-Block, eine sogenannte "Allocation" beantragt und zugewiesen bekommen. Seitdem wird kontinuierlich daran gearbeitet IPv6 im Netz zu verbreiten und die Services erreichbar zu machen. Da sind wir sehr weit, unsere Core-Services Web, Mail und DNS sind Dual-Stack sowohl unter IPv4 als auch IPv6 erreichbar – das eine oder andere wird aber erst dann funktionieren, wenn die Hardwarehersteller Geräte ausliefern, die IPv6 unterstützen. Klassisches Beispiel wären hier die DSL-Modems, da gibt es im Moment nur sehr wenige Hersteller die auf ihren Geräten IPv6 nativ unterstützt. Wir haben aber schon vor langer Zeit beschlossen nur noch Gerätetypen von Herstellern neu ins Feld zu bringen bei denen die Unterstützung von IPv6 zumindest mit einem Datum auf der Produkt Roadmap steht. Sollte derzeit ein Kunde schon IPv6 geliefert bekommen wollen und noch kein entsprechendes Endgerät für seinen Leitungstyp verfügbar sein, behelfen wir uns noch mit Tunneltechniken (z.B. 6in4 – RFC4213) um dem Kundenwunsch zu entsprechen.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Ipv4 und Ipv6?
Der größere Adressraum (128 bit statt 32 bit) führt natürlich auch zu längeren Adressen selber. Konnte sich die Netzwerkadministratoren die Adressen in IPv4 noch merken, wird das so in IPv6 kaum noch möglich sein. Daher wurde IPv6 mit zahlreichen Helferlein und Automatismen ausgestattet, die wiederum das Handling vereinfachen sollen. Zusätzlich ist es so, dass es für Netzwerkadministratoren derzeit gewohnte Mechanismen wie DHCP, NAT und private IP-Adressen so in der Form in IPv6 nicht mehr gibt. Der Adressraum ist so groß, dass jedes Gerät mit einer offiziellen IP-Adresse ausgestattet wird. Niemand würde aber heute alle seine Geräte mit offiziellen IP öffentlich im Internet direkt erreichbar machen – das wäre so natürlich seitens der Security undenkbar. Die Kunst wird es daher sein, die Netze so zu bauen, dass unter Einsatz von IPv6 alle Anforderungen erfüllt werden können und die Sicherheit gewahrt bleibt.
Wie kann man sich somit als Businesskunde selbst schon auf Ipv6 vorbereiten?
Unternehmen mit eigenen IT-Abteilungen sollten sicherstellen, dass sich ihre Leute mit dem Thema auseinandersetzen, um entscheiden zu können, was zu welcher Zeit zu tun ist. Kleinere Unternehmen beanspruchen in der Regel die Dienste von EDV-Betreuern und sollten mit denen die entsprechenden Maßnahmen klären. Grundsätzlich ist es seitens Silver Server so, dass wir für die netzwerktechnischen Standardszenarien einfache Lösungen für unsere Kunden entwickeln, die dann mehr oder minder plug & play anwendbar sind. Für komplexere Umgebungen bieten wir Consulting-Leistungen an, bei denen unsere Core-Techniker auf Stundenbasis mit dem Kunden das Netz analysieren und ein Umstiegsszenario entwickeln.
http://www.ipv6actnow.org/info/statistics/#routed
http://www.networkworld.com/community/node/65476