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SILVER 28

Juli 2011

Inhalt der Ausgabe

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Tiefe Daten // Auswärtsspiel

Das Prädikat „Weltberühmt in Österreich“ trifft bei e-quadrat nicht zu. Die Wiener Agentur rund um Mastermind Leonhard Vogel vermarktet und betreibt Liveticker für Fußballmatches rund um den Globus.

 

Autor: Florian Niederndorfer

 

Ein Rapid-Poster also. Mit der Zeit ist Leonhard Vogel, 36 Jahre alt und von seiner Optik her prototypischer Werber, milde geworden. Was vor ein paar Jahren noch unmöglich schien, Vogel nimmt’s heute mit Humor. „Wir sind ein gemischter Haufen“, sagt er, lacht, nimmt einen Schluck von seinem Espresso und deutet mit dem Finger auf die Rückwand des Gassenlokals in der Wiener Rathausstraße, vor deren rot gestrichenem, kaum an eine Werbeagentur gemahnenden Eingangstor er es sich in der Sonne gemütlich gemacht hat. Ein Fanposter hängt dort, in Grün und Weiß gehalten, mit den Spielern des österreichischen Rekordmeisters Rapid drauf. Nicht etwa eines von der Austria, den Violetten vom Verteilerkreis im Süden Wiens, wo Vogel und sein Kompagnon Michael Adler lange Jahre für Marketing zuständig waren. Beide fehlen bis heute bei keinem Heimspiel. „Wir sind hier zu achtzig Prozent echte Fußballfans“, schätzt er. „Sonst könnten wir den Job gar nicht machen.“ Der ehemalige Interwetten-Marketing-Head Harald Schuster und Martin Schütz, vormals Sekretär des Wiener Fußballverbands, komplettieren die Führungsriege. Einstellungskriterium Fußballfan: Da kann ein gerüttelt Maß Toleranz nicht schaden. Die Sportvermarktungsagentur e-quadrat, die Vogel und Adler 2002 aus der Taufe gehoben haben, ist in den vergangenen drei Jahren zu einem der größten Sportnetzwerke Österreichs avanciert. Aber im Gegensatz zur Konkurrenz keineswegs nur hierzulande weltberühmt. Ursprünglich als Vermarktungs- und Marketingagentur geplant, entwickelten Vogel und Co. nach und nach neue Geschäftsfelder, die in großen, traditionellen Fußballnationen wie Deutschland und England in den Nullerjahren boomten. Großkunden wie Interwetten, Admiral Sportwetten oder Sportingbet sprangen schnell auf. „Heute gibt es kaum einen Bookie, der sich nicht des Netzwerks von e-quadrat bedient“, sagt Leonhard Vogel.

Die von e-quadrat mitbetriebenen oder vermarkteten Internetplattformen liefern heutzutage Informationen zu Fußballspielen aus der ganzen Welt, tickern Tore, Fouls und rote Karten oder lassen User via Internetradio am Ball bleiben. In Österreich beziehen sechzehn Klubs aus den ersten beiden Bundesliga-Divisionen die Liveticker ihrer Websites von Weltfussball.at, darunter auch der aktuelle Meister, Sturm Graz – oder eben Austria Wien. Das Flaggschiff der Portale des Vermarktungsnetzwerks, transfermarkt.at, ist überhaupt die größte Fußballsite des Landes. Geld verdienen hieß für e-quadrat, Sportwebsites zu vermarkten. Je internationaler, desto mehr. Die Welt in Österreich ist für e-quadrat schnell zu klein, zu eng geworden. Denn seit einiger Zeit produziert e-quadrat vieles selbst. Das 170-Quadratmeter-Büro in der Rathausstraße, in dem Vogel und sein Team seit drei Jahren residieren, stößt unter der kreativen Wucht der e-quadrat-Leute jedenfalls langsam an seine Grenzen. „Wir sind heute wahrscheinlich in Deutschland viel bekannter als in Österreich“, sagt Leonhard Vogel. Im Laufe der Jahre wurde das Portfolio von e-quadrat immer internationaler. „Aber man muss heute nicht mehr unbedingt vor Ort sein, um etwa eine Site in Polen zu vermarkten. Wir haben dort Mitarbeiter, der Rest geht von Wien aus.“ Der gebürtige Niederösterreicher, genauer gesagt aus Kirchberg am Wagram, ist heute Chef von 18 Mitarbeitern im Wiener Hauptquartier, die Truppe ist aus „mindestens zehn Nationen“ rekrutiert. Dazu kommen Dutzende freie Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Italien und Polen. Entsprechend groß die sprachliche Kompetenz der e-quadrat-Crew. In sieben Ländern speisen Fußballfans in e-quadrats Auftrag Daten und Fakten der dortigen Ligen in die Ticker, Vor- und Liveberichte. Gemeinsam mit Partner Heim:Spiel werden in Summe bis zu achtzig Matches an einem Spieltag gleichzeitig zum Beispiel auf Weltfussball.at kommentiert, von der Primera Division in Spanien über die Premier League in England bis zum österreichischen Fußballunterhaus.

Raum für Spielereien

Auf Wahretabelle.at können hingegen die User ihre Sicht der Dinge und der Schiedsrichterentscheidungen zum Ausdruck bringen. Der gebürtige Hausruckviertler Clemens Schotola, 32 und seit Kindheitstagen Fan von Wacker Innsbruck, ist redaktioneller Leiter von e-quadrat. Seit zweieinhalb Jahren ist er schon mit von der Partie. Und damit auch Mastermind von wahretabelle.at. Sturm Graz ist auch in der Rangliste, wie die User sie verstehen, Meister. „Rapid ist zum Beispiel Fünfter geworden, unsere User sehen sie aber nur am siebten Platz. Das kommt davon, dass Rapid in Partien, wo sie klar im Vorteil war, eher Glück mit Schiedsrichtern hatte, bei den knappen Spielen aber tendenziell Pech.“ Das ist natürlich nur Spielerei, so genannter User-generated Content, klar. Aber eine für Afficionados höchst unterhaltsame Spielerei. Nicht nur die österreichische Presse hat das Signal verstanden, auch die deutsche Boulevardzeitung Bild widmet dem deutschen Lizenzableger der so genannten wahren Tabelle regelmäßig Zeilen. „Am Anfang haben die meisten Menschen Wahretabelle.at für Kokolores gehalten. Jetzt bekommt die Site doch recht viel Aufmerksamkeit durch Journalisten“, sagt Clemens Schotola. Aufmerksamkeit, die hart erarbeitet sein will. Tausende Stunden Datenpflege und -kontrolle liegen hinter ihm und seinem Team. „Unsere Stärke liegt generell in der Datentiefe, die wir unseren Usern liefern“, meinen Schotola und Chef Leonhard Vogel unisono. Auf Weltfussball.at ist jedes Spiel und jedes Tor der Bundesliga seit deren Start abrufbar.

Leonhard Vogel, der 2001 gemeinsam mit seinem späteren e-quadrat-Partner Adler für ihre Marketingarbeit bei der Wiener Austria mit dem „Golden Ball“ der Bundesliga ausgezeichnet wurde, weiß um die Begrenztheit des lokalen Marktes. „Der österreichische Fußballmarkt ist eigentlich zu klein, um daraus ein großes Geschäft zu machen. Aber es macht uns Spaß.“ 1997 hat Vogel bei dem Wiener Großklub mitzuwirken begonnen, trotz seiner relativen Jugend ist er im Business schon so etwas wie ein alter Hase. Adler und Vogel hatten bei der Austria als zwei der Ersten ein eigenes Internetfernsehen geschaffen. Jetzt versucht man mit einem Sport-Video-Netzwerk, dass e-quadrat mit dem weltweit größten Sport-Streaming-Player Perform aus London aufbaut, einen weiteren Baustein für die Österreich-Ambitionen zu legen. „Wir können uns langfristig orientieren und entspannt neue Geschäftsfelder aufbauen, weil unser Kerngeschäft gut läuft“, sagt er. Zum Beispiel einen Weinhandel für Vogels Heimat, den Wagram. Online, versteht sich. „Das ist aber nur ein Hobby von uns“, sagt Vogel. Das Glitzern, das über seine Augen huscht, während er davon erzählt, verrät, dass die Leute von e-quadrat vor allem bei ihren Hobbies höchst strukturiert vorgehen.

http://www.weltfussball.at

http://www.wahretabelle.at

http://www.weinshop-wagram.at

 

 

 

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