Silver Server

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SILVER 3

April 2005

Inhalt der Ausgabe


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Eigentumsverhältnisse

Die Silver Server GmbH ist vollständig im Besitz ihrer Geschäftsführer: Oskar Obereder hält 80, Jens Grumbach 20 Prozent. Derzeit hat das Unternehmen rund 40 Mitarbeiter, Beteiligungen von Investoren werden nicht angestrebt. Ergebnisse – 2004 erzielte Silver Server einem Umsatz von rund 4,8 Mio. Euro, für 2005 ist eine Steigerung auf 6,7 Mio. Euro geplant. Das Unternehmen bilanziert seit seiner Gründung durchgehend positiv.

Netzwerk-Expansion

SILVER SERVER-EIGENTÜMER UND -GESCHÄFTSFÜHRER OSKAR OBEREDER UND JENS GRUMBACH ÜBER DIE GESCHICHTE UND DAS ÖKONOMISCHE SELBSTVERSTÄNDNIS DES UNTERNEHMENS.
Text: Andrea Matussek

Der Namenspate des Unternehmens, die tragische Comic- Figur Silver Surfer, ist bekanntlich dazu verdammt auf alle Ewigkeit allein durch das Weltall zu irren und für das Gute zu kämpfen.
Für Silver Server war dies aber kein Omen: Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz seit mehr als zehn Jahren im selben Gebäude im sechzehnten Wiener Bezirk, allerdings wurden Schritt für Schritt immer mehr Räume in Beschlag genommen und das Netzwerk aus Kupfer- und Glasfaserleitungen verbindet die Zentrale inzwischen mit zwei Datacenters und zahlreichen Kolokationen. "Dieses stetige organische Wachstum im Netzwerk gilt dabei durchaus auch auf ökonomischer Ebene," erklärt Finanzchef Jens Grumbach: "Und Science Fiction, wie sie in der New Economy beliebt war, im Sinne von utopischen Wachstumszielen, haben wir auch nie betrieben. Auch so ist die Selbstbeschreibung als 'digitales Traditionsunternehmen' zu verstehen." Die Entwicklung geht laut Silver Server-Gründer Oskar Obereder bereits auf den Anfang des Unternehmens zurück, der komplett von einer Nachfrage getrieben wurde: "Eine Firma war ja zunächst gar nicht geplant. Zuerst haben wir für verschiedene Ateliers hier im Gebäudekomplex ein lokales Netz aufgebaut. Und als alle unter den hohen Telefongebühren litten, haben wir eine 64 KBit-Standleitung installiert, dazu mussten dann natürlich noch ein Mail- und ein Web-Server her." So entstand zunächst als Freundschaftsdienst für Künstler und Kreative aus dem eigenen Umfeld der Provider Silver Server und dieser entwickelte sofort eine eigene Dynamik: Zum einen riss die Nachfrage nach Datenanbindungen nicht mehr ab, zum anderen konnte sich die technische Experimentier- und Risikofreudigkeit im neuen Betätigungsfeld voll entfalten: "ISDN war bald ausgereizt, da haben wir nach neuen Technologien gesucht und einen der ersten Hersteller von DSL-Modems in den USA gefunden," berichtet Obereder: "Wir waren sozusagen Beta-Tester und die Technik hat sich als absolut zukunftsweisend herausgestellt: Damals haben wir als einer der ersten ISPs in Österreich die DSL-Technologie praktisch umgesetzt – Die Telekom Austria wurde damals noch Post genannt und war diesbezüglich völlig ahnungslos." So entwickelte sich Silver Server zu einer ernst zu nehmenden Firma, die 1999 dann auch den nötigen Finanzverstand bekam: "Da war ich noch nicht einmal ganz fertig mit dem BWL-Studium und es hieß, dass dieses Unternehmen jemand für die Rechnungslegung und die Buchhaltung braucht. Als einziger BWLer war das zunächst ein Schock, weil ja kein Microsoft verwendet wurde und alles unter Unix-Deviraten wie Linux lief," erklärt Jens Grumbach seinen Einstieg: "Aber das habe ich in den Griff bekommen und danach hat sich einige Jahre lang alles verdoppelt: Der Umsatz, die Kundenbasis, die Mitarbeiteranzahl."

 

VERDOPPELTE SELBSTSTÄNDIGKEIT

Die New Ecomoy war in dieser Zeit natürlich allgegenwärtig, aber "wir haben schon klar gesehen, dass der Hype endlich ist und wir wollten die Firma kontinuierlich aufbauen," erklärt Grumbach. Trotz einer Reihe von "plumpem Annäherungsversuchen" von damaligen Mitbewerbern stand ein Verkauf oder die Beteiligung eines Investors niemals zu Debatte: "Da wurde das x-fache unseres Jahresumsatzes für 51 Prozent der Anteile geboten, um die eigenen Umsätze für einen Börsengang aufzublasen," berichtet Obereder: "Das hätte in kürzester Zeit in den Ruin geführt." Silver Server hat sich statt dessen selbst in den Ruinen gescheiterter Dot.coms umgesehen und so die eigene Infrastruktur weiter ausgebaut: 2001 wurde von einem maroden börsennotierten Unternehmen im großen Stil und kosteneffizient "Dark Fiber" erworben – also Glasfaser- Infrastruktur, die noch nicht in Betrieb genommen worden war: "Hier konnten wir auf das technische Know-How in der Firma vertrauen," erklärt Grumbach: "Die Verhandlungen haben acht Monate gebraucht, die Inbetriebnahme des Assets auf Gigabit- Ethernet-Basis dann nur drei Tage." Mit dem eigenen Glasfaserring in Wien konnte Silver Server seine Strategie der technischen Unabhängigkeit komplementieren: Die entbündelten "TASLn" [Teilnehmeranschluss Leitungen] vom Kunden konnten jetzt auch über den eigenen Backbone mit den internationalen Knotenpunkten des Internets verbunden werden: "Wir mussten und müssen zwar jeweils mehr investieren um Standleitungen komplett aus eigener Kraft zu realisieren, aber dafür bleiben wir sowohl technisch als auch ökonomisch unabhängig," erklärt Grumbach: "Dazu erhöht sich aber auch die Wertschöpfung bei Diensten, die komplett über die eigene Infrastruktur erbracht werden, und erfahrungsgemäß steigt zudem die Zufriedenheit der Kunden, wenn sie ein Produkt aus einer Hand bekommen und nicht nur TA-Leistungen im Wiederverkauf wie beim 'normalen' ADSL." Auf eine möglichst schnelle Steigerung der Kundenzahlen ist die Firma daher nicht angewiesen, was laut Grumbach auch eine Reihe weiterer Vorteile mit sich bringt: "Ein eher langsames, aber dafür kontrolliertes und stetiges Wachstum bedeutet ja auch, dass sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter einen starken Bezug und Vertrauen zum Unternehmen aufbauen können – und das ist uns sehr wichtig." Für Grumbach haben dabei eine Reihe "weicher" Faktoren einen wichtigen Stellenwert und damit auch Auswirkungen auf die harten Zahlen der Unternehmensbilanz: Eine geringe Fluktuation bei Mitarbeitern und Kunden bedeutet demnach nicht nur eine angenehme Arbeitsatmosphäre sondern auch schlicht weniger Betreuungsaufwand und die stetige Akkumulierung von wertvollem Know-How.

 

WACHSTUM DURCH PARTNERSCHAFTEN

Der stetige Ausbau der eigenen Infrastruktur hat es Silver Server inzwischen auch ermöglicht, neben der klassischen Internet-Anbindung von Kunden neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich damit breiter aufzustellen: Zum einen im Bereich der "virtuellen ISPs", in dem Silver Server in Kooperation mit verschiedenen Partnern bereits österreichweit Services anbietet. Und als drittes Geschäftsfeld haben sich Backbone- Services etabliert, die inzwischen für Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen interessant geworden sind, da etwa die Standortvernetzung auf Gigabit-Ethernet-Basis für die Übertragung von Audio- und Video- und Sprachdaten prädestiniert ist: "Backbone-Providing in Wien ist für uns oft ein Heimspiel, darüber hinaus hoffen wir aber darauf, dass unsportliche Gegner wie die Telekom Austria vom Regulator die rote Karte gezeigt bekommen. Nur so können weiter gehende Entbündelungsmodelle, speziell im LWL-Bereich, entstehen," erklärt Jens Grumbach: "Bei den klassischen Internet- Anbindungen wird sich unterdessen insbesondere im Konsumentenbereich die Preisspirale weiter nach unten drehen, was uns aber einerseits durch die erfolgreiche Diversifizierung und andererseits durch unseren Fokus auf Geschäftskunden keine Sorgen bereitet: Business-Kunden wissen nämlich den Wert von stabilen Services und einer individuellen Betreuung zu schätzen und ersparen sich dafür gerne den Ärger mit dem aktuellen, oft undurchsichtigen Sonderangebot." Der Schlüssel für die weitere Entwicklung des Unternehmens werden laut dem Finanzstrategen Grumbach die verschiedenen Partnerund Kooperationsmodelle sein, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben. Ziel ist zunächst der weitere Ausbau und die permanente Modernisierung der eigenen Backbone- Infrastruktur sowie die weitere Entbündlung von TASLn. Der Mitarbeiterzuwachs in der Firma soll dabei laut Grumbach möglichst niedrig gehalten werden, um die positiven Effekte einer übersichtlichen Firmenstruktur zu erhalten: "Statt die Mitarbeiterzahl direkt zu erhöhen, werden wir bestehende Partnerschaften und Kooperationen ausbauen und neue eingehen." Diese Strategie soll außerdem das finanzielle Risiko streuen und lokale Kompetenzen über Vertriebspartnerschaften und virtuelle ISPs in den Bundesländern erschließen. Dazu soll gezieltes Auslagern von Aufgaben kommen, damit sich das bestehende Team voll auf die erworbenen Kompetenzen konzentrieren kann: "So können wir personell weiter relativ überschaubar bleiben, flexibel auf neue Trends und Techniken reagieren und unseren Aktionsradius und unsere Umsätze trotzdem weiterhin kontinuierlich steigern."

 

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