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SILVER 3

April 2005

Inhalt der Ausgabe


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Wirtschaftlich autonom

DerStandard.at agiert seit 1999 als eigenständiges Unternehmen und beschäftigt inzwischen rund 80 Mitarbeiter, von denen 50 fest angestellt sind.
http://derstandard.at

Page Impression

DER ONLINE-ABLEGER DER TAGESZEITUNG "DER STANDARD" WAR NICHT NUR WEB-PIONIER, SONDERN HAT AUCH ES GESCHAFFT SICH IM KOMPLIZIERTEN GESCHÄFT MIT ONLINEINHALTEN AUS EIGENER KRAFT DAUERHAFT ZU ETABLIEREN. Text: Bert Estl
 

"Content is king" war zu Zeiten des New Economy-Hypes eine genauso geläufige wie schwammige Weisheit: Einerseits beschreibt sie die bis heute zutreffende Tatsache, dass die Nutzung des Webs vor allem durch Inhalte voran getrieben wird. Andererseits suggerierte der beliebte Sager aber auch, dass man nur für die richtigen Inhalte sorgen muss, weil sich dann die Profite mehr oder weniger von selbst einstellen – ein fataler Trugschluss, wie das andauernde Ringen der Musikindustrie um illegale Downloads und die Akzeptanz der legalen Alternativen zeigt. Aber auch mit der falschen Vorstellung von "richtigen" Inhalten wurde zeitweise viel Geld verbrannt: "Wenn Branchenfremde wie Telekoms anfangen Medium zu spielen, wird es schnell absurd," berichtet derStandard.at-Mitgründerin Gerlinde Hinterleitner die zeitweilige – allerdings nicht besonders ernst zu nehmende – Konkurrenz: "Für uns standen dagegen die Inhalte von Anfang an im Vordergrund." Und die Anfänge fanden zu einer Zeit statt, als das Web erst auf dem Sprung zum Massenmedium war: Im Textarchiv des "Standards" entdeckten Hinterleitner und zwei weitere Mitstreiter bereits 1995 die Möglichkeiten des Internets und erkannten dessen Potentiale: "Wir waren von der Idee fasziniert, dass der 'Standard' weltweit abrufbar sein könnte – vor allem vor dem Hintergrund des besonders mühsamen Vertriebs jenseits der Landesgrenzen." Laut der Eigendarstellung im Jubiläumsbuch des Mediums wurde die Faszination noch durch ein erkleckliches Maß Alkohol befeuert, technisches Spezialwissen war es jedenfalls nicht: "Wir konnten gerade mal ein Word-Dokument öffnen und speichern, wenn wir es dann wieder gefunden haben, waren wir schon froh," beschreibt Hinterleitner das technische Niveau der Web-Pioniere.

 

70 MIO EURO MARKTWERT

Im Februar 1995 und damit als erste Zeitung im deutschsprachigen Raum konnte derStandard.at mit ausgesuchten Inhalten der Print-Ausgabe online gehen – möglich wurde dies durch viel Eigeninitiative, ein Provider-Gegengeschäft und 10.000 ATS vom Verlag, die gerade reichten um den Programmierer zu bezahlen: "Geld war am Anfang nicht so wahnsinnig relevant," erklärt Hinterleitner: "Unser ganzes Denken kreiste um die Inhalte und deren Präsentation." 1997 wurde dann in einem in der Branche heftig umstrittenen Schritt die gesamte Print-Ausgabe ins Netz gebracht und auch damit begonnen, eigene Inhalte für die Seite zu produzieren, wobei die immer noch bescheidenen Kosten "von einem findigen Prokuristen" mehr oder weniger im Marketingbudget "versteckt" werden mussten. Als allerdings der ORF finanziell vergleichsweise sehr gut ausgestattet seinen Online-Auftritt lancierte, "hat das schon wehgetan, vor allem weil die Zeitung damals auch in einer schwierigen Situation war." Und spätestens als derStandard.at kurze Zeit später als eigenständiges Unternehmen von der Zeitung organisatorisch getrennt wurde, "mussten wir uns ernsthaft um die Vermarktung kümmern. Wir hatten zwar bereits seit 1996 Werbe-Banner und -Buttons, aber das lief eher nebenbei." Danach ging alles eine zeitlang sehr schnell: Der Hype ließ nicht nur die Leserzahlen explodieren, sondern auch die der Mitarbeiter und der neuen Aktivitäten: "Da wurde aber auch den Eigentümern und der Zeitung klar, dass hier nicht nur ein neuer Markt sondern auch ein spannendes, wichtiges Medium entsteht," erklärt Hinterleitner: "Da war es für den 'Standard' als Tageszeitung auch wichtig sich zu positionieren und ein zweites Standbein zu schaffen." Zwischendurch ließ man sich aber auch ein kleines bisschen von der allgemeinen Euphorie anstecken: "Wir dachten, die Ent-wicklung, die jetzt fünf Jahre gebraucht hat, würde sich im nächsten halben Jahr abspielen." Von den echten Abgründen der New Economy hielt man sich trotzdem fern: So wurde zwar schon ein Marktwert von 70 Mio. Euro für derStandard.at im Falle eines Börsengangs kolportiert, dieser wurde aber "Gott sei Dank" nie ernsthaft angegangen: "Da können wir inzwischen selbst drüber lachen."

 

OPERATIV POSITIV

Statt den Börsenfantasien nachzugehen schuf derStandard.at zunächst vier Geschäftsfelder, von denen nur eines floppte: "Bücher oder ähnliche E-Commerce-Produkte wollen die Leute auf unserer Seite nicht kaufen." Dafür entwickelte sich die Online-Werbung trotz der zwischenzeitlichen Baisse zu einem profitablen Geschäft, das derzeit 60 Prozent der Umsätze generiert: "Wir sind immer noch davon überzeugt, dass man ein frei zugängliches Medium werbefinanziert tragen kann," gibt sich Hinterleitner überzeugt: "Außerdem wird sich bei den Werbeformen noch wahnsinnig viel entwickeln, das steht immer noch eher am Anfang." Mit den Anzeigen in den Rubrikenmärkten für Autos, Immobilien oder Stellenanzeigen werden unterdessen rund 30 Prozent der Umsätze erwirtschaftet – womit man lieber selbst die Zeitungs- Mutter "kannibalisiert" als dies anderen zu überlassen. 10 Prozent des Umsatzes kommen schließlich aus den "Content Solutions", die neben der redaktionellen Betreuung von Kunden- Sites auch mobile Services umfassen: DerStandard.at produzierte bereits 1998 eine WAP-Ausgabe und auch wenn das Geschäft mit den mobilen Nutzern ein "mühsames Betätigungsfeld" darstellt zahlt sich die langjährige Arbeit an mobilen Text- Versionen der Seite inzwischen aus: "Mit diesen drei erfolgreichen Geschäftsfeldern haben wir 2004 und damit ein Jahr früher als erwartet operativ einen Gewinn erzielen können. Jetzt werden wir es auch noch schaffen unsere Schulden abzutragen: Unsere Position ist sowohl am Leser- als auch am kommerziellen Markt sehr gut. Wenn man sehr viel Arbeit investiert, trägt das eben auch irgendwann Früchte."

http://derstandard.at

 

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