Zum Inhalt. Zum Hauptmenü. Zum Untermenü.

Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Oktober 2005
SILVER erscheint vierteljährlich auch in gedruckter Form. Bestellen Sie ein kostenloses Abo per E-Mail an:
silver@sil.at
Flickr
Auf der Website von Flickr können kostenlos Fotoalben angelegt werden. Dabei kann man jedes Bild mit Stichworten versehen, wodurch die digitalen Bilderhalden durchsuchbar werden.
http://flickr.com
del.icio.us
Mit del.icio.us können Bookmark-Sammlungen online gespeichert werden. Interessant ist dabei vor allem die Möglichkeit, Nutzer mit ähnlichen Bookmarks [= Interessen] zu finden.
http://del.icio.us
Blogs
Web-Logs sind Seiten, die einer chronologischen Ordnung folgen und besonders einfach zu editieren sind. Die "Online-Tagebücher" haben sich zu einem veritablen Web-Medium entwickelt.
http://technorati.com
RSS-Feed
Das Dateiformat RSS [Rich Site Summary] reduziert Websites vereinfacht gesagt auf ihren Textinhalt. So genannte "RSS-Feeds" werden oft eingesetzt, um etwa Schlagzeilen einer Nachrichten-Site dynamisch in andere Seiten einzubinden.
Podcasting
Die Wortmischung aus "Broadcasting" und "iPod" bezeichnet meist privat produzierte Audio-Programme, die mit einem speziellen RSS-Feed verbreitet werden.
www.podcast.de
Wikis
Wikis sind Websites, die von allen Nutzern editiert werden können. Die populärste Anwendung ist Wikipedia: Das Online-Lexikon entwickelt sich zur zentralen Wissens-Datenbank.
http://de.wikipedia.org
DIE POPULÄREN WEBSERVICES DIESER TAGE BASIEREN OFT AUF VERBLÜFFEND EINFACHEN IDEEN – TROTZDEM ODER GERADE DESHALB MACHEN SIE DIE LANGE ANGEKÜNDIGTE MEDIENREVOLUTION WAHR.
Text: Mercedes Bunz
2005 scheint für das Internet das Jahr zu werden, in dem sich der Beginn einer zweiten Erfolgswelle abzeichnet. Nur dieses Mal – Gott sei dank – mit weniger Hysterie. Denn das Netz ist erwachsen geworden, es ist sozusagen aus seinen technischen Kinderschuhen herausgewachsen. Das merkt man auch an den Diensten, die zurzeit in aller Munde sind: Die Webservices, die gerade Furore machen, sind überraschend banal. Und sie sind gerade deshalb auch schlagend erfolgreich, weil sie für die Nutzer eingängig und technisch simpel daher kommen. Gleich ob man sich Weblogs, das Foto-Upload-Angebot von Flickr oder die selbst gemachten Radiosendungen per Podcasting vornimmt: Einfach muss es sein. Jeder muss es machen können. Gesetzt wird heutzutage also weniger auf technische Raffinesse oder neue komplizierte Entwicklungen, bedient wird hier vielmehr ein menschliches Grundbedürfnis: Subjektiv relevante Kommunikation. Kommunikation mit Freunden, Kollegen, Partnern oder mit solchen, die eines davon werden könnten.
VON NUTZERN FÜR NUTZER
Das Entertainment-Business unterliegt also einer folgenreichen Umstrukturierung: Es sind nicht mehr die Firmen, die ein Content-Angebot für Otto-Normal-Nutzer entwickeln, das wir dann – am besten noch kostenpflichtig – abrufen können. Heutzutage kommunizieren wir lieber untereinander. Vom User für User. Man fragt sich fast, warum da vorher so lange keiner drauf gekommen ist. Doch natürlich hatten die Firmen eher ein Interesse daran, ihre eigenen Inhalte an den Mann zu bringen, anstelle die Nutzer untereinander zu einer großen Unterhaltungsmaschine zu vernetzen. Die sympathischen Programmier-Nerds rund um Open Source und freie Software, die das Netz als möglichen Aufbruch in eine gerechtere Welt betrachten, machten hier zwar erste Versuche, boten aber zu Beginn meist zu detailreiche Lösungen an, in die man sich erst mühevoll hineinfrickeln musste. Und wer hat dafür dieser Tage noch Zeit. Bis man schließlich realisiert hatte, dass ein Webservice ein einfaches Interface braucht, wenn es erfolgreich sein soll, hat es eben etwas gedauert. Doch die Voraussetzung für den neuen Siegeszug im Netz ist nun Mal eine gewisse Simplizität in der Bedienung. Eine Hompage war zwar nicht schwierig zu erstellen – HTML ist eigentlich eine Sprache, die einfacher zu erlernen ist als Englisch – Aber Englischlernen ist immer noch kompliziert genug. Mit Weblogs dagegen ist das Veröffentlichen im Internet endlich so einfach geworden, wie das Schreiben einer E-Mail. Das Online-Stellen eines neuen Eintrags besteht schlicht darin, eine Betreffzeile anzulegen, einen Text zu schreiben, auf den Sendeknopf zu drücken und das Ganze ist drin. Fertig. Auch die Hürde sich bei den Diensten anzumelden, ist bei Blogs wie auch bei den meisten anderen aktuellen Webservices auffallend niedrig. Es geht nicht mehr darum, möglichst viel über möglichst viele Nutzer zu erfahren, um diese anschließend passgenau mit Konsumangeboten zu bombardieren. Bildergalerien wie Flickr oder Bookmarkdienste wie Furl oder del.icio.us speichern anders als früher vom User nur minimale Informationen, man verifiziert sich im Grunde mit seiner E-Mail-Adresse. Die ersten beiden Regeln lauten also: Das Interface muss einfach sein und die Einstiegshürde niedrig, zusammengefasst: Banal ist besser. Schlagend wird diese Verbindung jedoch erst durch einen dritten Punkt: Die neue Form der Vernetzung.
AUSTAUSCHEN UND INTEGRIEREN
Auch diese Tendenz steht den alten New-Economy- Regeln entgegen. Denn während der ersten Welle versuchten die großen Firmen Nutzer auf ihren "Portalen" einzusperren. Heute dagegen erlauben die bezeichnenderweise meist mittelständigen Firmen alles mit allem zu kombinieren. In seinem Blog zeigt man am Rand die neuesten Bilder, die man gerade auf Flickr geladen hat, oder man linkt auf die Bookmarks, die man bei del.icio.us gespeichert hat und die einem zuletzt interessant erschienen. Bilder und Einträge kann man auch von unterwegs hochladen, entweder über E-Mail oder sogar über das Mobiltelefon. Meist basierend auf dem Dateiformat RSS erlauben heute die Webdienste, alles mit allem zu kombinieren. Das geht, denn das Format RSS transportiert nur den Inhalt, kümmert sich aber nicht um das Layout oder das Design. Die Bestandteile der verschiedenen Dienste lassen sich so untereinander austauschen und ineinander integrieren. Tatsächlich entsteht auf diese Weise eine neue Form, Informationen zur Verfügung zu stellen. Während die großen Suchmaschinen ständig darum kämpfen müssen, uns weiterhin relevante Information bieten zu können, entsteht mit den Nutzer-basierten Diensten eine eigene Informationssphäre. Suchmaschinen wie Technorati. com, die sich auf diese Sphäre spezialisiert haben, erlauben einem gezielt nach empfohlenen Büchern, neuen technischen Spielereien oder politischen Debatten zu suchen, die unter Usern stattfinden. Wichtiger Orientierungspunkt dabei: Die Über- oder Unterschriften, welche für die Artikel, Bilder usw. angelegt worden sind, denn diese "Tags" erlauben, sie thematisch aufzufinden. Diese Kategorisierung von Informationen durch den Benutzer über Tags ist so erfolgreich, dass ihr mittlerweile im Englischen schon ein eigenes Wort verliehen wurde: Man spricht von "Folksonomy", ein Neologismus aus "Folks" [Leute] und "Taxinomie". Dass diese Form der Graswurzel-Kommunikation nicht nur im privaten Bereich funktioniert, sondern auch eine ernst zunehmende Informationsquelle darstellen kann, hat sich in letzter Zeit sowohl bei den Bombenattentaten in London als auch beim Hurrikan "Catrina" in New Orleans gezeigt. Während andere Kommunikationsnetze vollkommen zusammengebrochen waren, bildeten die Betroffen selbst ihre Lage ab, lange bevor Reporter vor Ort waren oder gar die Helfer sich einen Überblick verschafft hatten. Auf Flickr konnte sich jeder selbst ein Bild des Ausmaßes machen. Journalistische Recherchen werden dadurch nicht irrelevant, sondern vielmehr ergänzt. Trotzdem: Eine neue Ära der Information hat unzweifelhaft begonnen.