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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Oktober 2005
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ENUM
Steht für "Electronic Numbering" oder "tElephone NUmber Mapping". Eine ENUM-Domain ist immer mit einer existierenden Telefonnummer verknüpft. Der Domain-Inhaber kann definieren, wie mit eingehenden Anrufen verfahren werden soll.
www.my-enum.at
ENUM in Österreich
In Österreich werden ENUM-Domains derzeit von einer Tochter der IPA [Internet Privat Stiftung] verwaltet. Die IPA wurde vom Providerverband ISPA ins Leben gerufen, sie betreibt auch das Registry für .at-Domains, Nic.at.
http://nic.at
DER TELEFONBRANCHE STEHT NACH DER LIBERALISIERUNG GLEICH DIE NÄCHSTE REVOLUTIONÄRE UMWÄLZUNG BEVOR: DIE UMSTELLUNG DER GESPRÄCHSÜBERTRAGUNG AUF DAS INTERNET-PROTOKOLL [IP]. AN DER SCHNITTSTELLE ZWISCHEN TELCOS UND INTERNET ARBEITET MICHAEL HABERLER VON ENUM.AT.
Text: Robert Stadler, Foto: Katsey
Auch in altehrwürdigen Telekommunikations-Unternehmen wie AT&T [1885 gegründet] oder der Telekom Austria [1887] ist es inzwischen Konsens, dass die Zukunft der hergebrachten Telefonnetze im Internet Protokoll liegt: Die Vorteile in Herstellung, Konfiguration, Wartung und Betrieb der IP-basierten Kommunikation gegenüber der herkömmlichen Netzarchitektur sind einfach zu erdrückend, als dass sich die Unternehmen dem Trend verschließen könnten. Allerdings stellt die IP-Logik die bisherigen Geschäftsmodelle der Branche komplett in Frage [siehe auch Artikel auf Seite 6], weshalb noch unklar ist, wie der Umstieg sich für die Nutzer auswirken wird: Es ist nämlich sehr wohl denkbar, dass die Telcos die Strukturen ihrer gewohnten Netze in der IP-Welt nachbauen lassen, um ihre Geschäftsgrundlage zu sichern – mit dem Effekt, dass die Kunden von den Vorteilen der IP-Migration nicht oder nur wenig profitieren würden. Vor diesem Hintergrund wird die Art und Weise, wie die Umstellung auf IP erfolgt, zum entscheidenden Faktor. Und für den Umstieg ist wiederum die Schnittstelle zwischen den alten und den neuen Netzen von entscheidender Bedeutung, womit ENUM ins Spiel kommt: Der Begriff ist noch so jung, dass nicht einmal eine allgemein gültige Auflösung der Abkürzung existiert und auch die Anwendungen befinden sich noch in der dynamischen Entstehungsphase. Klar sind derzeit nur zwei Dinge: ENUM-Domains sind Teil des Domain Name Systems [DNS] und damit voll in die IPWelt integriert. Und zweitens verweist jede ENUM-Domain auf eine existierende Telefonnummer, womit eine Verbindung zwischen der alten Telefonie inklusive der Handynetze und Voice over IP [VoIP] hergestellt werden kann: Im Idealfall prüft das "intelligente" VoIP-Telefon, ob zur angewählten Nummer eine ENUM-Eintragung existiert, die auf einen weiteren VoIP-Anschluss verweist, woraufhin das Gespräch komplett über das Internet abgewickelt wird: Ohne Wählamt und ohne Kosten für die Telefonminute.
DAS PROBLEM
"Klassische Telefonie funktioniert ähnlich wie die Brief- Post," erklärt Michael Haberler von ENUM.at: "Das System ist für den Nutzer völlig intransparent, außerdem kann er über seinen Kommunikationsbezeichner – also die Telefonnummer – nicht selbst verfügen." ENUM soll dies eines Tages ändern und analog zur E-Mail dem Nutzer die Verfügung über die hereinkommende Kommunikation sichern, allerdings "schert sich das klassische Telefonnetz [noch] nicht um ENUM," erklärt Haberler weiter und damit auch das zentrale Problem bei der Etablierung des Standards: Wie bewegt man die von divergierenden Interessen geleiteten klassischen Telcos dazu, ENUM als weltweiten Standard-Verzeichnisdienst zu verwenden? "Bis dahin haben wir wohl noch drei bis fünf Jahre," schätzt Haberler, der mit dem Betrieb des heimischen ENUM-Registrars allerdings auch eine Vorreiterrolle einnimmt: Derzeit befindet sich die ENUM-Registrierung neben Österreich nur in Polen schon im regulären Betrieb, in einer Reihe weiterer Länder, darunter Deutschland, gibt es allerdings einen relativ ausgereiften Testbetrieb. Die schleppende Etablierung der ENUM-Domains hat dabei eine ganze Reihe von Ursachen: "Zunächst sind [Telefon-]Nummerräume anders als generische Domains ein klassisches Objekt nationaler Zuständigkeit, die jeweils verantwortliche Behörde oder Institution muss also grünes Licht geben," erläutert Haberler. Dazu kommt, dass ENUM aus dem IETF-Umfeld [Internet Engineering Task Force] kommt und daher das Nutzer-Opt-in einen großen Stellenwert hat – die Telcos sollen also eine Telefonnummer ohne das Einverständnis des aktuellen Nutzers gar nicht mit ENUM verknüpfen dürfen, da eine Stärkung der Nutzerautonomie explizit erwünscht ist. Und nach den Ländern und den Nutzern müssen schließlich auch, wie bereits erläutert, die klassischen Telefon-anbieter ENUM aktiv in ihre Vermittlungsroutinen einbinden: Das heißt, bei jedem Anruf im ENUM-Verzeichnis nach einen Eintrag für die angewählte Nummer suchen. DIE LÖSUNG Ein gangbarer Weg, die Telcos für ENUM zu begeistern, zeichnet sich erst seit einigen Monaten wirklich ab und macht sich die extrem kompetitive und gleichzeitig extrem heterogene Lage der Telcos zu Nutze. Anders als man erwarten könnte, sind nämlich nicht alle Telefonanbieter von ENUM abgeschreckt: Der Verzeichnisdienst beschert ihnen zwar einerseits Nachteile, indem Gespräche leichter ganz ins Internet ausweichen, andererseits kann ENUM auch eine ganze Reihe von Problemen der Telcos lösen – insbesondere vor dem Hintergrund der ohnehin unausweichlichen Migration der Netze auf IP: ENUM verspricht beispielsweise als offener Standard eine in der Telekombranche bislang ungekannte Unabhängigkeit von den Hardware-Herstellern. Aber vor allem bietet ENUM für die Dreh- und Angelpunkte der gesamten Telekom-Branche eine perfekte Lösung: "Die Steuerung der Interconnection zwischen Telefonfirmen" lässt sich laut Haberler "mit ENUM um Zehnerpotenzen günstiger realisieren als mit allen anderen Lösungen." Das vorerst CarrrierENUM getaufte Konzept wird erst seit rund drei Monaten in IETF-Kreisen diskutiert, gilt aber bereits als die zündende Idee für die ENUM-Etablierung, nach der bislang vergeblich gesucht wurde. Da allerdings, wie oben beschrieben, nur die Nutzer selbst für ihre Telefonnummer eine ENUM-Domain beantragen können, sollen die Telcos nach dem aktuellen Konzept Haberlers, der auch in den internationalen Gremien aktiv ist, einen eigenen "Zweig" im ENUM-Domain-Raum erhalten – womit die etablierten Telefonanbieter auf einem kleinen Umweg, aber dafür sehr viel schneller als bislang angenommen, eine ihrer zentralen Funktionen ins "IP-Land" migrieren würden.
DIE VERTRAUENSFRAGE
Da CarrierENUM nach der Einschätzung Haberlers technisch keine größeren Schwierigkeiten bereiten sollte und nach dem Überwinden von regulatorischen Hürden schon in rund einem Jahr den Betrieb aufnehmen könnte, stellt sich natürlich die Frage, warum die Telcos nicht ihren eigenen Verzeichnisdienst auf IP-Basis aufbauen? "ENUM garantiert implizit die weltweite Interoperabilität," erläutert Haberler: "Außerdem steht das Verzeichnis im Einklang mit nationalen Regelungen und unter Aufsicht der Telekom-Behörden. Und zuletzt garantieren die Spezifikationen die Abwicklung der Anfragen innerhalb der engen Zeitspanne, die für die Vermittlung eines Gesprächs vorgesehen ist." Zusammengefasst bietet ENUM also schlicht das Maß an Vertrauen, dass die etablierten Anbieter verlangen müssen, wenn sie die zentrale Funktion der Gesprächsvermittlung zwischen ihren Netzen zum ersten mal in fremde Hände legen: "Wenn das nicht funktioniert, haben die Telcos ein richtiges Problem mit ihren Kunden: Ein Tippfehler an der richtigen Stelle und es raucht ganz schön raus bei der Hotline." Womit gleichzeitig die Frage nach den alternativen, ENUM-artigen Verzeichnisdiensten beantwortet wäre: Diese haben derzeit zwar teilweise deutlich mehr Eintragungen als die "offizielle" Variante, allerdings erfolgen diese Einträge gratis und Authentizitätskontrollen oder andere Services sucht man hier vergeblich. Daher dürften sich die alternativen Verzeichnisse nach Haberlers Einschätzung zwar noch eine zeitlang unter Privatnutzern großer Beliebtheit erfreuen, für den Geschäftskundenbereich gelten demnach allerdings die gleichen Kriterien wie beim CarrierENUM: Für Unternehmen sind Kosten einer ENUM-Registrierung im Vergleich zum gebotenen Service schlicht zu vernachlässigen – insbesondere, weil unter einer einzelnen Domain ganze Nebenstellenanlagen mit tausenden Nutzern organisiert werden können. Trotz dieser soliden Ausgangslage steht für Michael Haberler allerdings eins fest: "ENUM wird noch eine Weile brauchen, bis es über den Berg kommt." ENUM – Steht für "Electronic Numbering" oder "tElephone NUmber Mapping". Eine ENUM-Domain ist immer mit einer existierenden Telefonnummer verknüpft. Der Domain-Inhaber kann definieren, wie mit eingehenden Anrufen verfahren werden soll.
www.my-enum.at