Silver Server

Silver Server


Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.

SILVER 5

Oktober 2005

Inhalt der Ausgabe


SILVER erscheint vierteljährlich auch in gedruckter Form. Bestellen Sie ein kostenloses Abo per E-Mail an:silver@sil.at

Digitale Geldströme

DIGITALE GELDSTRÖME IN IMMER MEHR BEREICHEN WERDEN WIR ZU INTERNETNUTZERN OHNE ES ZU BEMERKEN, UNTER ANDEREM BEIM BEZAHLEN MITTELS KARTE: DAS INTERNET-PROTOKOLL LÖST BEI DER ANBINDUNG DES KARTENTERMINALS DERZEIT DEN TEUREN UND UNFLEXIBLEN STANDARD "X.25" AB. Text: Hannes Stieger.

 
Bargeldlos zahlen – das war nicht immer eine derartige Selbstverständlichkeit wie heute. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt: Cash only, please. Ihre Wurzeln haben bargeldlose Zahlungsformen in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als in den USA die ersten Kreditkartengesellschaften Karten an ihre Kunden ausgaben. Zuerst waren die Karten dazu gedacht, bei einigen Tankstellen innerhalb bestimmter Regionen den Zahlungsverkehr zu vereinfachen, erst später wurde das Service auf ausgewählte Restaurants und Boutiquen erweitert. Heute sind bargeldlose Zahlungen gang und gäbe. Nicht nur mittels Kreditkarten, sondern auch via Bankomatkarten und Quick werden mittlerweile Transaktionen ohne den Einsatz von Cash getätigt. Aber die einigen hundert Millionen Zahlungen, die in Österreich jährlich bargeldlos abgewickelt werden, erfordern nicht nur ein hohes Maß an Automatisierung, sondern auch eine sichere Datenübertragungen.

 

DAMPFSTANDARD

"Im Zahlungsverkehr sind eine Reihe von Stationen und Dienstleistern involviert. Von der Bankomatkasse bis zur zentralen Verrechnung muss ein Zahlungsstrom viele Punkte passieren," fasst Peter Schmidt, Chef der IT-Firma Inform, die Komplexität der Systeme zusammen. Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge Österreichs Innovationsführer im Bereich Point-of-Cash und hat Partnerschaften mit Branchengrößen wie Europay oder APSS. "Wir verbinden die beiden Welten Payment und Retailing" erklärt Schmidt. Kurz gesagt: das Unternehmen kümmert sich darum, dass einzelne Geschäfte und Filialen an internationale und nationale Zahlungsverkehrssysteme angebunden werden. Der Datenverkehr des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wurde dabei bis vor kurzem über ein spezielles Protokoll, nämlich "X.25", abgewickelt. X.25 stammt aus den sechziger Jahren und diente ursprünglich dazu, über unzuverlässige Leitungen zuverlässige Datenverbindungen zu realisieren. Der Standard, der technisch gesehen eine starke Einbindung von Telekomgesellschaften erfordert, setzte sich in der internationalen Bankenwelt schnell durch. Dies zwang aber automatisch jedes Geschäft und jede Filiale eines Unternehmens dazu, eine eigene Datex-P-Leitung anzumieten, wenn der Zahlungsverkehr elektronisch abgewickelt werden sollte. Eine umständliche, vor allem aber kostspielige Angelegenheit, die vielen Unternehmen die Lust auf bargeldlosen Zahlungsverkehr raubte.

 

GELD IM INTERNET

Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch IP-Lösungen für die Anbindung an die Zentralrechner der Banken – für Unternehmen eine willkommene Möglichkeit, nicht nur bei den Leitungskosten zu sparen. "Ein Paradebeispiel war die Vernetzung der Fahrkartenautomaten der Wiener Linien" so Schmidt: "Da sich die Tarife innerhalb des Verkehrsverbunds ständig ändern, wurde schon früh eine Datenlösung auf Basis des Internet Protokolls [IP] realisiert, um die Vielzahl an Automaten auf Knopfdruck updaten zu können." Als auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr aufgerüstet wurde, waren die Wiener Linien nicht nur mit hohen zu erwartenden Leitungskosten konfrontiert, sondern auch ein viel profaneres Problem tat sich auf: Die zusätzliche Verkabelung hätte gröbere Umbauarbeiten erfordert. Die Lösung: die Vernetzung auf IP-Basis – im Zahlungsverkehr auch "Cash over IP" [CoIP] genannt. Inform hat seit 2003 mehr als 2.000 CoIP-Terminals installiert – Tendenz stark steigend. Die Vorteile für den Kunden liegen auf der Hand: Die IP-Zahlungsströme von Außenstellen oder Filialen können dank VPN [Virtual Private Network] sicher über das Internet geschickt und zusammengefasst werden. Von einem zentralen Server aus werden die Daten derzeit zwar wieder in X.25-Pakete umgewandelt, denn in der Welt des Zahlungsverkehrs herrscht immer noch dieser Standard. Doch auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Technologien wie TCP/IP durchsetzen. Auf der Terminalseite wird ebenfalls X.25 beibehalten, ein vor das IP-Netz geschalteter Konverter erledigt die Vermittlung zwischen beiden Welten: "Der Return on Investment [ROI] ist phänomenal, in einem bis anderthalb Jahren sind die Zusatzkosten wieder hereingespielt," so Inform-Chef Schmidt. In Einzelfällen konnten sogar noch bessere ROIs erzielt werden. Besonders stolz ist Schmidt auf die CoIP-Lösungen für österreichische Postämter: Hier kann Inform auf mehr als tausend Installationen auf CoIP-Basis verweisen. www.inform.at

Standard aus den 60er Jahren – Lesegeräte für Kredit- oder Bankomatkarten werden seit den 80er Jahren mit so genannten "Datex-P"-Leitungen angebunden, die auf dem "X.25"-Standard aus den 60er Jahren basieren. X.25 arbeitet genau wie das Internet Protokoll [IP] mit Datenpaketen, die Netzwerkstr uktur ist allerdings auf eine zentrale Ver mittlung seitens der Telefongesellschaften ausgerichtet, wodurch Datex-PAnbindungen unflexibel und für heutige Verhältnisse extrem teuer werden.

Öffentlich und doch privat - Um die Vor teile des Internets auszunutzen und trotzdem eine sichere Datenübertr agung zu gewährleisten, kommt bei sensiblen Anwendungen oft das Konzept des Virtual Private Networ k [VPN] zum Einsatz: Dabei werden die Informationen in einem "Tunnel" über das Internet verschickt. Oft aber nicht immer werden die Daten zudem verschlüsselt.

 

Kontakt