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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Oktober 2005
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DIE IDEE, FILME ODER ANDERE TV-INHALTE ÜBER DAS INTERNET ZU VERTREIBEN, FUNKTIONIERT BISHER NUR IN NISCHEN. SCHULD SIND GLEICHERMASSEN FESTGEFAHRENE KONSUMGEWOHNHEITEN UND DIE ANGST HOLLYWOODS VOR ILLEGALEN KOPIEN.
Text: Andrea Matussek, Bild: ECvod
ECvod
Das in Wien beheimatete "Europe Chinese video on demand" versorgt die
europäischen Exil-Communities mit Filmen und TV-Inhalten aus
China. Die Videos sind nur als Stream zu empfangen, wofür im Monat
pauschal 15 Euro verrechnet werden.
www.ecvod.com
Das Internet ist bereits seit einiger Zeit die größte Videothek der Welt, allerdings eine recht eigenwillige: Die meisten Kunden bedienen sich ohne zu zahlen, die Qualität der Filme lässt regelmäßig zu wünschen übrig und das Angebot ist zwar unüberschaubar aber es wechselt auch sprunghaft. Dazu bekommt man in der globalen Videothek auch noch Streifen, die eigentlich noch den Kinos vorbehalten sein sollten. Video on Demand [VoD] funktioniert also ganz offensichtlich prinzipiell, trotzdem gibt es bisher keine erfolgreichen und gleichzeitig einwandfrei legalen Services – wenn man von spezialisierten Nischen absieht, und diese beschränken sich weit gehend auf pornografischen Angebote. Legale, kommerzielle Filmdownloads im Mainstream-Bereich haben dagegen schon eine lange Geschichte des Scheiterns hinter sich: Eine zeitlang gab es schlicht nicht genügend schnelle Internetanschlüsse, so dass der Kreis der potentiellen Kunden zu klein war. Dazu sprengen Filmdownloads ziemlich schnell die üblichen Volumenbeschränkungen, wodurch ein Film extravagant teuer werden kann. Diese grundsätzlichen Hemmnisse spielen heute durch die Verbreitung von DSLAnschlüssen mit Flat-Rates aber nicht mehr die entscheidende Rolle, dafür rücken andere Probleme in den Vordergrund: Zunächst hat die dominierende US-Filmindustrie Angst davor, ihre Inhalte selbst ins Netz zu stellen, weil sie dann noch leichter kopiert werden könnten – was ob der aktuellen Piraterierate absurd anmutet, aber dazu führt, dass die legalen Angebote durch veraltete Filme und Abspieleinschränkungen entstellt sind. Und auch die Konsumenten verhalten sich beim Thema VoD nicht besonders rational, vor allem die traditionelle Trennung von Arbeits- und Wohnzimmer – hier der Computer, dort der Fernseher – lockert sich nur langsam. Zusammengefasst stehen bei Video on Demand verängstigte Produzenten, die ihre Filme nur halbherzig anbieten, trägen Konsumenten gegenüber, die an ihrem angestammten Platz auf dem Sofa festhalten – Eigentlich nur logisch dass Projekte wie "Movielink", das von allen großen Hollywood-Studios unterstützt wird, seit Jahren vor sich hin dümpeln. Trotz dieses deprimierenden Szenarios kann man davon ausgehen, dass das VoD-Konzept demnächst doch noch aufgeht – Spätestens seit Apple mit "iTunes" eine ähnlich verfahrene Situation bei den Musikdownloads ins Positive wenden konnte, und die Filmindustrie aus dem Beispiel ihre Lehren gezogen hat: Intels unlängst angekündigtes VoD-Projekt "ClickStar" soll jedenfalls mit Billigung Hollywoods demnächst aktuelle Filme ohne große Nutzungsbeschränkungen und zu relativ günstigen Preisen bieten.
CHINA-VIDEOS AUS WIEN
Um zu lernen, wie ein VoD-Service funktioniert, hätten die Studiobosse aber eigentlich nicht auf Apples Initiative warten müssen, eine Reise nach China hätte es auch getan: Dort gibt es nämlich seit Jahren eine Online-Plattform für Mainstream-Filme, die so erfolgreich ist, dass Ende 2004 die Schwesterfirma ECvod gegründet wurde, um die europäischen Exil-Communities mit chinesischen Filmen und Serien zu versorgen: "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam es ist, chinesische Filme in Österreich zu bekommen," erklärt Wu Feilong, der bei ECvod unter anderem für die Technik zuständig ist: "Außerhalb von Großstädten ist es ECvod – Das in Wien beheimatete "Europe Chinese video on demand" versorgt die europäischen Exil-Communities mit Filmen und TV-Inhalten aus China. Die Videos sind nur als Stream zu empfangen, wofür im Monat pauschal 15 Euro verrechnet werden. www.ecvod.com sogar völlig unmöglich." Als potentielle ECvod-Kunden – der Name steht für "Europe Chinese video on demand" – kommen demnach geschätzte eine Millionen Chinesen in Frage, die in Europa leben: "Teile des Service sind gratis, daher haben wir schon zigtausend registrierte Nutzer," erläutert Wu: "Davon sind aktuell etwas über 1.000 Zahlende, und wir hoffen dies bis Jahresende zu verdoppeln." ECvod hat aber nicht nur einen Vorsprung durch die klar umrissene Zielgruppe, das Service ist auch bewusst einfach und schnörkellos gestaltet: "Es gibt momentan nur ein Paket, das man Monatsoder Jahresweise abonnieren kann. Auf der anderen Seite akzeptieren wir eine ganze Palette Zahlungsarten, von Kreditkarten über Paypal bis hin zum Handy-Bezahlsystem." Mit 15 Euro pro Monat ist ECvod zudem sehr günstig, was auch darin liegen dürfte, dass die Plattform von der relativ einfachen Lizenzierung in China profitiert: Eine Tochterfirma des chinesischen Kulturministeriums erteilt die Streaming- Lizenz für ein Film- und Serienpaket mit tausenden Videos nämlich gleich für ein Jahr. Damit ist das ECvod-Programm zwar strikt aufs Streaming beschränkt und Filmdownloads ausgeschlossen, aber der Pauschal-Deal im Einkauf spart Zeit, Geld und Personal.
GLOBALES START-UP
Durch den vereinfachten Einkauf, der unter den Bedingungen Hollywoods unmöglich wäre, konnte ECvod als klassisches Start-up mit recht bescheidenen Mitteln im Dezember 2004 den Betrieb aufnehmen: Die sechs Mitarbeiter arbeiten derzeit noch auf freier Basis und die Aufgaben werden flexibel verteilt, so kümmert sich Wu Feilong nicht nur um das Server-Setup sondern auch um das Marketing: "Wir haben natürlich ein sehr begrenztes Werbebudget, also schalten wir nur kleine Anzeigen in chinesisch-sprachigen Zeitungen aus Europa und setzen ansonsten auf die Mundpropaganda, die durch die Gratisangebote in Schwung kommt." In den ersten drei Monaten war daher das gesamte ECvod-Service kostenlos: "Wir hatten dann auch ziemlich schnell 80 TeraByte Traffic im Monat," erzählt Wu: "Das wurde dann soviel, dass wir früher als geplant das Abomodell starten mussten." Derzeit kommt ECvod mit über eintausend Nutzern auf monatliche 20 Terabyte gestreamte Videos, ein Volumen das laut Wu sehr viel effizienter eingesetzt werden könnte, wenn die Internet- Infrastruktur besser für Web-TV-Übertragungen gerüstet wäre: "Wir müssen mit Unicast arbeiten, also für jeden Nutzer einen eigenen Stream aufbauen. Multicast wird aber leider von vielen Internet-Carriern nicht unterstützt." Andere Probleme ergeben sich für Wu durch die Auslagerung der wirtschaftlich sinnvollen Netzwerküberwachung nach China, angefangen bei den sechs Stunden Zeitverschiebung: "Die Mitarbeiter der Schwesterfirma kontrollieren auch unsere Server, für Telefonate muss ich daher früh aufstehen – oder lange wach bleiben."
PROGRAMMKINO UND WEB-TV
Um den Nutzern im riesigen Filmangebot eine Orientierung zu bieten, setzt ECvod nicht nur auf die üblichen Download- Listen und Kategorien sondern auch auf selbst gestaltete Themenprogramme: Dann sind auf der Startseite beispielsweise alle verfügbaren Filme zu chinesischen Kaisern oder einem speziellen Regisseur zu finden: "Und wenn ein wichtiger Raketenstart ansteht, stellen wir auch mal alle Taikonauten-Filme [chinesische Astronauten] zusammen," erklärt Wu. Die für Video-on-Demand-Services typischen Pornos sucht man bei ECvod dagegen vergeblich, statt dessen gibt es neben den Kinofilmen auch viele chinesische TVSerien oder -Shows auf Abruf: "Wennn ich nicht weiß, was ich noch gucken soll, sehe ich mir oft die Talkshows an, weil man in denen studieren kann, wie die Chinesen heute denken und was für Schmähs sie führen," erklärt Wu, der als Kind nach Österreich kam und hier seine gesamte Schulzeit absolviert hat. Neben den TV-Inhalten auf Abruf bietet ECvod auch richtiges Web-TV, also ohne Zeitverzögerung gestreamte Programme von TV-Sendern aus China, die derzeit den Gratis-Content der Site darstellen: "Wenn wir unsere Nutzerzahlen weiter steigern, können wir uns von den Sendern dafür sogar bezahlen lassen, schließlich erhöhen wir deren Reichweite," erläutert Wu das Geschäftspotential des Konzepts, das noch durch einen eigenen Web-TV-Kanal ergänzt wird: ECvod besucht dafür lokale Ereignisse wie den "Chinese Global Beauty Contest" in Frankfurt oder eine Feier zum chinesischen Neujahr in Wien mit eigenen Kamerateams. Die Ergebnisse sind dann in einer Wiederholungsschleife zu sehen, womit das Start-up ECvod ehrgeizig das nächste Ziel anpeilt: Die endgültige Verschmelzung der klassischen TV-Welt mit dem IP-Universum.