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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Oktober 2005
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silver@sil.at
IP-Sendeanstalt
"Channel101" ist ein Prototyp für originäre Web-TV-Stationen, der weder TV-Denkmustern folgt, noch in der Beliebigkeitswüste des Internets untergeht. Den ersten Ableger gibt es auch schon:
http://channel101.com
http://channel102.net
Ripper-Soap
Die dramatische Krimiserie "The Scene" ist ein reines Internetphänomen: Die Handlung spielt sich auf PC-Bildschirmen ab, der Plot dreht sich um Netzpiraten und natürlich ist die monatliche Folge nur online zu haben.
www.welcometothescene.com
DAS NETZ HAT DIE VERFÜGBARKEIT VON MUSIK REVOLUTIONIERT, NICHT ABER IHRE ÄSTHETIK. DAGEGEN ENTWICKELN SICH ONLINE NEUE VIDEO-STILE UND -GENRES, WIE DER WEB-KANAL "CHANNEL 101" ODER DAS RIPPER-DRAMA "THE SCENE" ZEIGEN.
Text: Anton Waldt, Bild: The Scene
1999 wurde mit der ersten Klage der Musikindustrie gegen "Napster" einer breiten Öffentlichkeit schlagartig vor Augen geführt, dass die Musik den CD-Plastikboxen entfleucht war. Anschließend wurden etliche Millionen Dollar in Anwälte investiert, bis schließlich auch dem letzten Medienmanager
aufging, dass sich die Musik nie wieder ganz in die Plastikboxen zurück zwängen lassen würde. Ab diesem Zeitpunkt fiel die Musikindustrie geschlossen ins Konzert der IT-Berater und Medienphilosophen ein, die wahlweise euphorisch oder auf äußerste zerknirscht verkündeten, dass das Internet "das Ende der Welt, wie wir sie kennen", bedeutet. Die Anfangsbuchstaben des englischen Satzes wurden als TEOTWAWKI in einigen Kreisen sogar zum stehenden Begriff, für die Musikindustrie konnte er mit "Das Abendland geht unter" übersetzt werden. Dieser Stimmung ist es wohl zu verdanken, dass nicht nur der Musik-Distribution sondern auch ihrer Produktion und schließlich sogar ihrer Ästhetik ein radikaler Wandel unter dem Einfluss des Internets prophezeit wurde. Bislang hat das Netz allerdings nur die Verfügbarkeit von Musik revolutioniert, sogar das allseits beschworene Ende des Albums als geschlossene Kunstform durch den separaten Download jedes Stücks dürfte sich als Fehleinschätzung erweisen: In den USA ist jedenfalls aktuell "BitTorrent" die populärste Filesharing-Software, und mit dieser werden praktisch nur noch ganze Alben getauscht – wenn nicht sogar ganze Diskografien.
DAS FILMCHEN-PHÄNOMEN
Das Netz hat die vertrauten musikalischen Strukturen also nicht verändert, kühne Visionen sind dieser Tage überhaupt nicht gefragt und – eigentlich logisch – genau dann passiert es: Handyklingeltöne stellen die Musik-Ästhetik doch noch auf den Kopf, während im Internet Videos ein merkwürdiges Eigenleben entwickeln. Mit steigenden Bandbreiten und der Verbreitung von Pauschaltarifen ohne Downloadlimit [Flat-Rate] haben sich Videos zuletzt mit rasantem Tempo im Web-Alltag breit gemacht. Einerseits in Form von Kinofilmen und TV-Serien, deren meist illegale Kopien schon 60 Prozent des Datenvolumens der einschlägigen Tauschbörsen ausmachen, womit sich zeitversetzt die Entwicklung auf dem Audio-Sektor wiederholt. Daneben lassen sich aber auch Video-Phänomene ohne Vorbild beobachten: MPEG-Filmchen mit Spielzeiten von 20 Sekunden bis zu 10 Minuten sind inzwischen fester Bestandteil der Surfer-Routine, wobei scheinbar alles seine Seher findet, seien es gründlich misslungene Urlaubsstreifen, Werbespots, Videoschnappschüsse aus dem Handy oder die Werke von Nachwuchsfilmern. Beim Großteil dieses Video- Angebotes gibt es keine Copyright-Probleme, die Urheber haben in der Regel sogar ein Interesse an einer möglichst weiten Verbreitung – entweder aus kommerziellen Interessen oder schlicht aus Geltungsdrang. Und da kein Ärger mit dem Urheberrecht zu befürchten steht, müssen die Filmchen auch nicht in die Obskurität der Tauschbörsen ausweichen, Hauptverbreitungsmittel sind vielmehr E-Mails, in denen der entsprechende Link oder gleich die ganze MPEG-Datei verschickt wird. Und natürlich gibt es massenhaft Seiten, die Filmchen- Sammlungen anbieten, in letzter Zeit gerne in Form von Video- Blogs. Neben der neuen Produktionsform und den neuen Distributionswegen gibt es aber auch erste Anzeichen für einen originären Internet-Video-Stil: Bandbreiten sind immer noch kein Gut, das im Überfluss zur Verfügung steht, und die Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Surfers ist extrem knapp bemessen, daher müssen die Filmchen möglichst schnell zu einer Pointe kommen – womit ein genereller Medientrend seinen neuen Höhepunkt erfährt, dem sich ausgerechnet die halbprivaten Produzenten im Internet stellen.
ORIENTIERUNG AUS HOLLYWOOD
Typisch für die inhaltlich extrem beschleunigten Web-Videos ist das Filmangebot der Site "Channel101", die sich als TV-Kanal versteht, ein deklariertes Hauptabendprogramm inklusive. Bemerkenswert ist die Web-TV-Station vor allem wegen ihrer Programmgestaltung, die eine Lösung für das größte Problem vergleichbarer Angebote aufzeigt: Angesichts der ungezählten Sites mit Videosammlungen stellt sich nämlich bei Konsumenten und Produzenten gleichermaßen schnell ein frustrierendes Beliebigkeitsgefühl ein – Sendungen in klassischen Fernsehsendern haftet dagegen immer noch automatisch eine Aura von Allgemeingültigkeit an. Channel101 kompensiert dieses Phänomen ausgerechnet durch eine Offline-Komponente, die sich aus der Geschichte der Site erklärt: Geschasste Hollywood- Kreative veranstalteten Wohnzimmer-Vorführungen ihrer neuesten Filmskizzen, die wegen anhaltender Popularität bald in ein Kino verlegt wurden. Dort werden inzwischen einmal im Monat zehn Kurzfilme von maximal fünf Minuten vorgeführt, eine Mischung aus Fortsetzungen erfolgreicher Serien und frischer Piloten. Das Publikum vor Ort stimmt über jeden Film ab und nur die besten fünf dürfen eine Fortsetzung ihrer Streifen für die Vorführung im folgenden Monat produzieren. Alle Videos, die es bis zu einer Vorführung gebracht haben, sind anschließend online zu sehen. Und denkenswerter Weise geben gerade die Offline-Abstimmungen im Kino dem bunt gemischten Online- Programm einen inneren Zusammenhalt, den reine Internet- Lösungen in der Regel vermissen lassen.
BESEELTE IP-ADRESSEN
Das sehenswerte Channel101-Programm berücksichtigt zwar die Web-Konsumgewohnheiten, es ist aber nicht ausschließlich auf diese zugeschnitten. Anders die Serie "The Scene", die radikal aufs Internet und seine Ästhetik fokussiert ist und dadurch ein ganz neues, noch namenloses Genre kreiert hat: Formal auf den Bildschirminhalt des Protagonisten, Brian Sandro, beschränkt, stellen die Instant-Messenger- und E-Mail- Fenster die eigentlichen Orte der Handlung dar, und nur als letztes Zugeständnis an tradierte Sehgewohnheiten wird in einer Monitorecke im Webcamstil die "echte" Situation gezeigt: Brian Sandro starrt auf seinen Monitor und tippt auf dem Keyboard, sonst passiert hier aber konsequenter Weise eher gar nichts. Klingt langweilig, ist es aber nicht, vor allem wenn man sich als Zuschauer auf die Eigenarten der Serie einlässt: Nachts allein vor dem Rechner verschwimmen unweigerlich die Grenzen zwischen dem eigenen und Sandros Bildschirminhalt, der Zuschauer wird förmlich in den Plot eingesogen. Und der entwickelt sich schon ab der zweiten Folge zu einem knallharten Internet-Krimi um Filmpiraten, die chinesische DVDMafia, FBI-Spitzel und die Schwierigkeiten eines Computernerds mit zwei eifersüchtigen Freundinnen zu jonglieren. Nebenbei erhält man einen vermeintlich authentischen Einblick in die obskure Welt der Ripper, in der sich alles darum dreht, frische Hollywood-Filme als erstes und in Top-Qualität in die Tauschbörsen-Schlagadern einzuspeisen. Zwischen dem Aufreißen neuer "Quellen" aus dem DVD-Presswerk und dem nächsten Paranoia-Schub bleibt dabei sogar Zeit für Kulturkritik: Die Ripper bemängeln dreist das sinkende Qualitätsniveau der Filmindustrie, denn nur mit dem Rip eines echten Blockbusters kann die eigene Reputation aufgefrischt werden. Wie viele Zuschauer das Hacker-Drama hat, ist unterdessen nicht festzustellen, denn natürlich setzt "The Scene" beim Vertrieb nicht auf schnöde Downloads oder gar Streaming vom zentralen Server, sondern auf die verteilten Downloads aktueller P2PSoftware. Jenseits dieser folkloristischen Elemente gelingt es "The Scene" aber vor allem, der Essenz unserer Internet- Existenz aus Mensch-Maschine-Interface, fliegendem Wechsel der Identität, Blogs, Mail-Boxen und Buddy-Listen eine adäquate filmische Form zu verleihen – sogar an einem eigenen IP-Pathos wird schon gefeilt: "Deine IP-Adresse ist in der Szene deine Seele. Mit ihr können sie über deinen ISP deine Identität aufdecken und dann gehörst du IHNEN."