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SILVER 6

Jänner 2006

Inhalt der Ausgabe


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Tonfiguren

DER DESIGNBEGRIFF HAT AUCH EINE AKUSTISCHE KOMPONENTE: SOUND-DESIGN. DIESE LEBT VOM DRAMATISIEREN, MANIPULIEREN UND DIENT DER SCHAFFUNG VON ATMOSPHÄRE. IN FILM, WERBUNG, IM MULTIMEDIA-BEREICH UND IN DER PRODUZIERENDEN INDUSTRIE.
Text: Andreas Kump

Das Auf und Ab der Töne. Visualisiert in zwei oder
sogar drei Dimensionen. Umgesetzt mit der WaveLab-Software, mit
der professionelle Sounddesigner digitales Audiomaterial
bearbeiten. WaveLab stammt so wie das ebenfalls gängige Programm
Cubase aus dem Hause Steinberg. http://www.steinberg.de/

 

Wer Robert Osterberger nach einem Musterbeispiel für gelungenes Sound-Design fragt, muss nicht lange auf eine Antwort warten. Es ist der Film „Requiem for a dream“, der es dem alleinigen Betreiber des go! east-Tonstudios angetan hat. Die Dramaturgie des Tones lasse in diesem Film nichts zu wünschen übrig; sei derart eindringlich, dass man gut daran täte, sich die 102 Minuten bloß nicht alleine und nächtens anzusehen ... und anzuhören.
Die Angst würde permanent neben einem auf der Couch sitzen, oder so ähnlich. Als Begriff taucht Sound-Design seit Ende der 70er Jahre in den Credits von Filmen auf. Anfänglich wurde damit die gesamte Arbeit am Soundtrack umschrieben, erst später begann man – verbunden mit mehreren technischen Innovationsschüben – Sprache, Musik und Geräusche auszudifferenzieren. Spezialisten bildeten sich heraus. Wobei durch das zunehmend gefragte Kreieren neuer Klänge, etwa für Special-Effects, die kaum eingeführte Begriffswelt gleich wieder gehörig durchgeschüttelt wurde.
Heutige Film-Credits lesen sich verwirrend: Sound-Editor, Sound-Mixer, Sound-Supervisor. In der Postproduktion von Filmen ist personell offensichtlich schwer was los. Klassisches Sound-Design dreht sich dabei aber nach wie vor um das nicht-kompositorische Gestalten des Audio-Bereichs. Also um Effekte, Geräusche und Atmosphären. „Bigger than real life“ soll das Kinoerlebnis schließlich werden, und wenn schon die Geschichte nicht zu fesseln vermag, dann soll einen wenigstens der 8-Kanal-Digital-Dolby-Sound mit THX-Zertifizierung im Multiplex in den Sessel schrauben. Oft lässt sich das Auge nämlich über das Ohr überlisten. Was die Mission für den Sound-Designer im Film dennoch nicht einfacher macht. Das Spiel mit der Dynamik ist nicht allein durch Wucht zu gewinnen. Wissen und Einfühlungsvermögen für die Psychoakustik ist gefragt. Anders gesagt: Nicht alles, was das Ohr zu hören bekommt, geht auch wirklich rein.

 

LIFTE, U-BAHNEN, AUTOS

Aber Sound-Design ist nicht die alleinige Domäne der Filmstudios. Auch in der Werbung, im Multimedia-Bereich oder der produzierenden Industrie ist diese Bezeichnung samt angeschlossenem Tätigkeitsfeld sinnverwandtes Thema. Das beginnt bereits bei Überlegungen, welche künstlichen Töne die optimale Untermalung zu mechanischen Abläufen sind. Was für Geräusche machen uns am besten deutlich, dass Liftkabinen eingetroffen sind, sich U-Bahnen-Türen gleich schließen werden, oder dass wir im Auto ab sofort auf Reserve fahren? Die Ausführung bestimmter Funktionen will signalisiert werden, genauso wie die Zuverlässigkeit bzw. Dringlichkeit dahinter. Derartige Geräuschkulissen haben Robert Osterberger noch nie beschäftigt, Werbeclips oder animierte Einstiegsfilme zu Computerspiele fordern ihn hingegen regelmäßig. Seit 2002 betreibt Osterberger in der Hornbostelgasse im VI. Bezirk sein eigenes Tonstudio. Ausgelegt auf die ganze Bandbreite des Spektrums. Soll heißen, nebst Sprechaufnahmen und Sound- Design steht das go! east-Tonstudio genauso Musikern und Bands offen. Angefangen hat Osterberger bereits 1988. Mit Filmton. Live am Set. Volontär, Tonassistent, Tonmeister – so sein Werdegang. Weil aber auch selbst Musiker – Osterberger ist Teil der Dub-Formation Dubblestandart –, führte ihn der Weg über die Jahre in mittlerweile feste Studiomauern. Autodidaktisches Quellenstudium und sehr viel Neugier waren dabei ständige Begleiter. Dazu zählt für ihn auch, im Kino selbstverständlich immer Mitte/Mitte zu sitzen. Wo der Surround- Sound nun mal am effektivsten zur Wirkung kommt. So viel ist man als Sound-Designer seiner Profession schon schuldig.

 

KREIEREN UND MANIPULIEREN

Auch Osterberger unterscheidet bei dem von ihm angewandten Sound-Design zwischen dem „Kreieren und dem Manipulieren der Quelle“. Ersteres ist dann gefragt, wenn etwa ein stummer Animationsfilm angeliefert wird, wo Osterberger dann von Grund auf alles zu vertonen hat. Für ihn heißt es dann einmal gründlichst zu analysieren, was überhaupt zu hören sein könnte. Welche Geräuschquellen werden gezeigt, was muss unbedingt Bestandteil der Tonspur werden, wie unterlegt man eine aufgehende Sonne, ein fallendes Blatt? „Ganz wichtig dabei ist, sich zu 100 % auf die Geschichte einzulassen“, stellt Robert Osterberger klar. Schließlich gehe es darum, überzeugende Geräusche zu kreieren. Eine umfassende Audiothek an Sounds ist dabei von zentraler Bedeutung. Umgekehrt schadet es aber auch nicht zu spüren, dass jetzt ein selbst aufgenommenes Klappern oder Pochen besser passen würde als das schon vorhandene Sample. „Künstlerische und technische Aspekte halten sich durchaus die Waage“, so Osterberger. Ein wenig anders ist es bei der Nachbearbeitung von Werbeclips. Da gäbe es meist ein detailliertes Briefing des Regisseurs und der Agentur. Die Zeit für das Sound-Design ist knapp bemessen. Da heißt es rasch ein Layout zu schaffen, eigene Vorstellungen mit der Erwartungshaltung zu kreuzen, um zu einem gefühlsverstärkenden Ergebnis zu gelangen. Speziell die Untermalung der zum Ende eingeblendeten Logos spielt dabei eine enorm wichtige Rolle. Von Audiobranding ist dabei oft die Rede. Unsere Aufmerksamkeit will offensichtlich mit allen Sinnen gefesselt werden.
Am Ende noch eine Geschichte aus dem großen Kino. Von den Ton-Aufnahmen zu irgendeinem Matrix-Teil. Für die auf einem Schrottplatz aus zehn Meter Höhe ein Auto mit eingebauten Mikrophonen auf weitere, am Boden liegende Mikrophone fallen gelassen wurde. Eines einzigen, kurzen Klanges wegen. Die Psychoakustik verlangt eben manchmal seltsame Opfer.

go! East Studio, Robert Osterberger, Hornbostlgasse 16–18, 1060 Wien
www.goeaststudios.com

 

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