Silver Server

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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.

SILVER 6

Jänner 2006

Inhalt der Ausgabe


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Glossar

 NAT Network Address Translation

ein Verfahren, um viele Endgeräte mit privaten IP-Addressen hinter einer öffentlichen Adresse zu „verstecken“ – bei VoIP und Server-Anwendungen problematisch.

IMInstant Messaging

Übermittlung kurzer Textnachrichten in Echtzeit mittels „Chat“-Programm. Schneller und billiger als SMS.

Teurer Wein in billigen Schläuchen

 

DAS INTERNET SCHLUCKT ANDERE NETZE. AUFMERKSAMKEIT IST ANGESAGT, WENN DIE ZUKUNFT NICHT NUR TEUREN ALTWEIN IN EIGENTLICH BILLIGEN SCHLÄUCHEN BRINGEN SOLL.
Text: Michael Haberler

 

Am Anfang war das gesprochene Wort. Und zwar zu öS 6,67 die Telefonminute von Wien nach Vorarlberg – oder anders gesehen: 61 Euro pro Megabyte. Selbst heute noch sind’s gute 2 Euro pro MB. Noch spannender wird’s bei SMS: geschlagene 600 Euro kostet es, ein MB über SMS zu übertragen. Bei einem SILVER:ADSL:HOME-Anschluss sind es – „Fair Use“ voll ausgenutzt – aber etwa 0,4 Cent/Megabyte; anders gesagt: Die Kosten pro Breitband-Bit sind um den Faktor 10 hoch 6 niedriger als die von SMS-Bits – weniger als ein Hunderttausendstel.

Die Kunst, im Telekom-Geschäft so richtig Geld zu machen, ist: die selben Bits einmal teuer (SMS, Telefonieren) und einmal billig (Breitband) zu verkaufen – nichts ist ärgerlicher als Trends wie VoIP oder Instant Messaging (IM), die diese Möglichkeit verbauen. Sprache und IM über Internet, das haben wir noch gebraucht – keiner weiß das besser als die Mobilfunker, die mit ihren Datentarifen allerlei Kopfstände machen, um diesem Dilemma zu entkommen – und entlang des Weges die WLAN-Hotspot-Anbieter sicherheitshalber aufgekauft haben. Wenn ich jemand über fallende Preise im Telefongeschäft jammern höre, erlaube ich mir manchmal die Gegenfrage: „Willkommen im ISP-Land – habt ihr es anstatt mit Mauteinheber- Mentalität vielleicht schon mal mit Kundenservice versucht?“

Breitband-Internet ist „der große Gleichmacher“ – jeder hat die gleiche Chance, ein Service zu verwenden oder anzubieten – ganz egal, wie es beim Nutzer ankommt –, über Draht, Glasfaser oder Funk. Die Googles, Skypes, Ebays und Amazons sind das beste Beispiel. Und für den Konsumenten hat’s was gebracht: Wenn einem der Service-Anbieter A nicht gefällt, dann wechselt man eben zu B – ohne den Anbieter des Anschlusses fragen zu müssen. Diese Wahlfreiheit ist übrigens genau jenes Ziel, das die Wettbewerbspolitik im Telefonbereich seit Jahrzehnten mit Call by Call, Preselection und Entbündelung zu erreichen sucht. Der BB-Anschluss ist die endgültige Entbündelung von Zugang und Dienst, um die so lange gerungen wurde – und zwar nicht nur bei Sprache.

Das ist nicht bei allen populär; verlockend wär’s, die gute alte Preisdifferenzierung auch bei Breitband wieder einzuführen – untermauert mit den buntesten Argumenten: „Quality of Service“, „Cybercrime“, „Sicherheit“ etc., sogar Terroristenjagd und Verbrechensbekämpfung müssen herhalten. Wenn es gelingt, mit dem Breitbandanschluss auch ein paar Einschränkungen mit solchen Argumenten mitzuverkaufen, dann ist die Unterscheidung in gute und böse Bits bald wieder da. Paranoia von Haberler? Mitnichten: man studiere z.B. die Angebote der Hersteller Cloudshield, P-cube und Ellacoya – wo es unter Euphemismen wie „Bandwidth Management“, „Packet Inspection“ und „Next Generation Network“ darum geht, die Servicequalität von BB-Anschlüssen selektiv zu verschlechtern und damit Dienste wieder in zwei Töpfchen zu tun – die guten, von denen der Breitband-Anbieter was hat (¤¤¤), und die schlechten, die als „Trittbrettfahrer“ gelten (als Kostprobe dazu die in ihrer Schlichtheit sehr authentischen Äußerungen von Ed Whitacre, Präsident von SBC).

 

ENTWARNUNG? MITNICHTEN

... Gibt’s in Österreich solche Schlingel, die derart gepantschte Internet-Anschlüsse anbieten? Nun, noch nicht wirklich, aber man sollte ein Auge darauf haben – der Versuch kommt bestimmt. Aber ein paar störende Dinge gibt es schon heute:

  • Der Usus, Teilnehmer hinter private IP-Adressen (hinter NAT) zu schalten
  • eine massive Beschränkung der Möglichkeiten des Teilnehmers
  • Allen Web-Traffic über „Zwangsproxys“ zu führen (die dann noch dazu manchmal nicht richtig funktionieren, danke – super!)
  • Verkehr von und zu Teilnehmern zu filtern, z.B. durch Sperren von Ports – was die Nutzung mancher Dienste unmöglich macht
  • Der Usus, die öffentliche IP-Adresse des Teilnehmers im Tagesrhythmus zu ändern

Pikanterweise sind just jene Institutionen, die hier – im Interesse des Konsumenten – ein Auge darauf haben sollten, nämlich einschlägige Kammern, Konsumentenschutz- Organisationen und Regulierungsbehörde, in dieser Frage noch im Tiefschlaf. Tagwache! Hier werden 20 Jahre – übrigens durchaus erfolgreicher – Telekom-Regulierung klassischer Telefondienste auf dem Gebiet des Breitband-Internet schleichend unterminiert. Es geht nicht ausschließlich darum, den Platzhirsch im Festnetz festzunageln. Also bitte – nicht vor lauter Begeisterung über den Breitband-Ausbau den Konsumenten ganz vergessen!

 

DIE „VIER INTERNET-FREIHEITEN“

Der visionäre (leider zurückgetretene) Chairman der Federal Communications Commission (FCC), Michael Powell, hat diesen Trend klar erkannt und dies in den „4 Internet Freedoms“ zusammengefasst:

  1. Die Freiheit, beliebige Inhalte und Dienste zu nutzen.
  2. Die Freiheit, beliebige Anwendungen zu betreiben.
  3. Die Freiheit, beliebige Endgeräte anzuschalten.
  4. Die Freiheit, genaue Informationen über den angebotenen Dienst zu erhalten.

Und damit wäre schon mal eine Menge zu tun, liebe Breitband- Anbieter – und zwar ohne dass es was kostet: zum Beispiel den Konsumenten exakt darüber zu informieren, welche Beschränkungen der Dienst hat: Filter, Adress-, Bandbreitenund Verkehrsbeschränkungen, Proxies und, und, und. Na, liebe ISPA, wie wär’s mit einer freiwilligen Produkt-Auszeichnung? Einem Gütesiegel?

 

AUF INS REGULIERUNGS-NIRVANA

Liebe Regulierungsbehörde! Nicht alles, was wünschenswert ist, muss automatisch auch mehr Arbeit für euch bedeuten – im Gegenteil. Wenn man einen BB-Anschluss, der diesen „vier Freiheiten“ entspricht, als den entbündelten Teilnehmer- Anschluss mit völliger Freizügigkeit der Dienste betrachtet, dann ist hier eigentlich eure Arbeit getan – man kann dann zum Beispiel von einer Regulierung der Zusammenschaltung, des „VoIP Peering“ der Anbieter absehen, weil für den Konsumenten ja bereits aufgrund der Natur des Anschlusses völlige Wahlfreiheit besteht. Dort allerdings, wo Schlingel verschnittene und gepantschte Anschlüsse verkaufen – egal ob sie jetzt „Next Generation Network“ oder „Cybersecure“ heißen, wird man wohl auch weiterhin ein Auge drauf haben müssen.

Leseliste 

David Isenbergs bahnbrechender Artikel: „The Rise of The Stupid Network“: http://www.rageboy.com/stupidnet.html

Die „Freedom To Connect“-Bewegung und -Konferenz:
http://freedom-to-connect.net/

T. Denton, F. Menard & D. Isenberg: Netheads versus Bellheads: http://www.tmdenton.com/netheads3.htm

Ed Whitacre, SBC, über Google, MSN und andere Trittbrettfahrer:
http://www.businessweek.com/@@n34h*IUQu7KtOwgA/magazine/content/05_45/b3958092.htm

Michael Powell: „The Four Internet Freedoms“:
http://hraunfoss.fcc.gov/edocs_public/attachmatch/DOC-243556A1.pdf

 

Der Autor:
Michael Haberler gründete 1991 die EUnet GmbH und führte sie als Geschäftsführer bis 1999. Seit 2000 ist er Vorstandsvorsitzender der Internet Privatstiftung Austria, des Eigentümers des .at-Domainregistry nic.at, und der enum.at GmbH. Er war  Gründungsmitglied und Vizepräsident der ISPA, des Verbands der Internet Service  Provider, und Mitbegründer von ilab24, einem Venture-Kapital-Fonds.

 

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