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SILVER 7

April 2006

Inhalt der Ausgabe


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SEID NETZ ZUEINANDER

OB BEI INITIATIVEN GEGEN DIE GESETZLICHE VORRATSDATENSPEICHERUNG, DEM EINTRETEN GEGEN SPAM ODER ALS MITVERANSTALTER DES BIG BROTHER AWARDS AUSTRIA: VIBE!AT, DER VEREIN FÜR INTERNET-BENUTZER ÖSTERREICHS, VERTRITT SEIT ACHT JAHREN DIE INTERESSEN VON USERN GEGENÜBER BEHÖRDEN UND PROVIDERN.

Text: Bert Estl

 

„Seid Netz zueinander“, forderte Peter Glaser, Schriftsteller, Mitglied beim Chaos Computer Club und mittlerweile auch Träger des Ingeborg-Bachmann-Preises, in seinem bereits 1996 erschienen Buch „24 Stunden im 21. Jahrhundert – Onlinesein, zu Besuch in der Neuesten Welt“. Was ihn zu dieser Schlussbemerkung eines Absatzes trieb? Vorangegangene Sätze wie diese: „Für die europäischen Datenautobahnen forderte der Vizepräsident des Marktforschungsinstitutes IDC, David Moschella, den Rückzug der Regierungen, die Aufhebung aller Monopole und restriktiven Vorschriften sowie finanzielle Unterstützung der neuen Strukturen durch den Staat. Die Sicherheit oder Privatheit der Datenströme solle die Industrie über eigene Gremien regeln, bis sich etwa um das Jahr 2020 das neue Netz saturiert habe und ,Themen wie soziale Gerechtigkeit, Gleichheit sowie Fairness ins Netz Einzug halten und im Konsens mit nationalen Vertretern ausgehandelt werden‘ könnten.“ Schwer zu sagen, wo wir uns heute, zehn Jahre später, befinden, inwieweit wir heute „Netz zueinander“ sind und ob wir diesen Grundgedanken auch zu spüren bekämen, wenn nicht sämtliche Vorgänge rund ums Netz von hochaufmerksamen Teilen der Online-Community permanent reflektiert würden. Gleichheit? Fairness? „Je tiefer und länger man in die Materie verstrickt ist, umso mehr Missbrauchsmöglichkeiten sieht man“, bekräftigt auch Andreas Krisch, Vorstandsmitglied von VIBE!AT, des Vereins für Internet-Benutzer Österreichs. Gerade eben hat sich das Gespräch noch um das Thema „Data Retention“ gedreht, die nun via EU-Verordnung vorgeschriebene Speicherung von Verbindungsdaten für Internet Service Provider. In einem offenen Brief hatte VIBE!AT gemeinsam mit anderen Länderinstitutionen der Dachorganisation European Digital Rights (EDRi) bereits Mitte des Vorjahres gegen die geplante Ausweitung der Überwachungsmöglichkeiten samt Eingriff in die Privatsphäre protestiert. Unter dem Motto „data retention is no solution“ wurden zudem binnen weniger Monate 58.000 Unterschriften unter einer Petition gesammelt, die Ende November dem Europaparlament übergeben wurde.

 

GEBÜNDELTE KOMPETENZ

Den Verein für Internet-Benutzer Österreichs gibt es seit 1999. Entstanden ist er aufgrund reger Debatten im Usenet. Damals wurde deutlich, dass es nicht schadet, Kompetenzen aus verschiedensten Gebieten – ob als Techniker oder als Jurist – zusammenzuschließen, um in der aufkeimenden IT-Diskussion ausgereifte Standpunkte vertreten zu können. Sehr bewusst habe man damals auf den Wortlaut des Vereinsnamens geachtet. Vibe sei nicht ein Verein der, sondern für Internet-Benutzer. Um einen alleinigen Vertretungsanspruch ging es nämlich den ca. 80 Vereinsmitgliedern nie. „Thema ist vielmehr die private Seite des Internet “, sagt Andreas Krisch. Dazu zählt unter anderem die Förderung der uneingeschränkten Nutzung des Internet, der Einsatz für gesetzliche Regelungen gegen Netzmissbrauch wie Spammails und überhaupt sehr viel, was in Richtung Schutz der Privatsphäre oder freie Meinungsäußerung geht. Bis hin zur Mitbestimmung, was im gesetzgebenden Bereich passiert, ist aufgrund des aktiven Auftretens des Vereins vieles möglich. Denn rege diskutiert wird nach wie vor. Mit der Möglichkeit zur Einmischung. Man braucht nur die Mailingliste internetz@vibe.at zu abonnieren, schon trudeln im elektronischen Postkasten meist sehr interessante Informationen und Statements zu aktuellen Ereignissen und Problemen im Internet ein. Als „guten Selbstläufer“ beschreibt Andreas Krisch die Mailingliste und gibt damit die Dynamik perfekt wieder.

 

EIN WEB FÜR ALLE

Auffallend schlicht präsentiert sich die Website von VIBE!AT im Netz. Anstatt technischer Muskelspiele wird der Usability- Gedanke vorgelebt. „Ein Web für alle“, propagiert Andreas Krisch. Der Verein achte nun einmal besonders darauf, dass das Internet auch für blinde und sehbehinderte Menschen nutzbar bleibt. Ein schneller, textbasierter Browser und Kompatibilität zu Screenreadern, die Bildschirminhalte in Sprache verwandeln können, gestalten das Web barrierefrei. Diese Kriterien kamen bei der Gestaltung von www.vibe.at vollends zum Tragen. Selbst führte der Verein bereits 2002 Benutzbarkeitstests an den Websites des offiziellen Österreich durch und arbeitet seither – nach doch beträchtlicher, aber konstruktiver Kritik – mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur informell zusammen. Informell verläuft in der Regel auch das reale Vereinsleben. Diskutiert man nicht via Internetz-Mailing-Liste miteinander, ist es eher der kleine Rahmen, der die VIBE!AT-Mitglieder zusammenführt. Was auch daran liegen mag, dass der Verein ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern bei etlichen Gremien und Dachverbänden, etwa der Spam-Arbeitsgruppe in der ISPA oder im Beirat für Informationsgesellschaft, vertreten wird. So bleibt weniger Zeit für persönliche Kommunikation. Immerhin müssen auch noch alle Mails von internetz@vibe.at gelesen werden. Und das kann an manchen Abenden schon dauern.

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http://www.vibe.at

 

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