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Domaincheck! Internet-Adressen einrichten und verwalten.
Juli 2006
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ÜBER DATEN, DIE VERSCHWINDEN, NUMMERN UND KENNWÖRTER, DIE IDENTITÄTEN SCHAFFEN, HINTER DENEN KEINE REALEN PERSONEN STECKEN. DENN DER IDENTITÄTSDIEBSTAHL GRASSIERT. WAS IN DEN USA BEREITS ZUR EINRICHTUNG EINER EIGENS DAFÜR ZUSTÄNDIGEN REGIERUNGSSTELLE GEFÜHRT HAT.
Text: David Lindner
Bis vor kurzem war noch alles in Ordnung. Die E-Mail-Adresse wurde kaum gefaked, die Telefonnummer war noch eine Nummer, auf die man sich verlassen konnte. Kreditkarten und Girokonten waren heilige Kühe und wurden niemals in ein elektronisches System eingegeben. Die einzigen Zugangsdaten, die man verlieren konnte, waren aus Metall. Persönliche Identifikationen wie Sozialversicherungsnummern, Passnummern, Steuernummern … waren staatliche Referenzen, mit denen man fast alles machen konnte. Ab heute gilt: Vertraue keinem, glaube keiner ID und vor allem: Geh offline!
Identitätsdiebstahl ist ein Wort, bei dem man gerne weghört, das man ignoriert. Denn, so mag sich der eine oder die andere fragen: Was kann jemand mit meiner Identität anfangen? Und vor allem sie bleibt ja irgendwie erhalten. Natürlich, richtig: Es geht wieder einmal um wirtschaftliche Parameter: um Geld, Rechnungen, Steuern, Vergütungen, soziale Sicherheit. Aber auch persönliche Komponenten wie Kontakte, Image gehören dazu. Und keine Frage, das kann wunderbar ruiniert werden – ohne großen Aufwand. Dass es sich dabei um eine Straftat handelt, steht außer Zweifel.
Im letzten Jahr schwappten immer wieder Hiobsbotschaften über den großen Teich: Schon wieder wurden Kundendaten, Kreditkartendaten von Online-Händlern, Sicherungsbänder von Banken gestohlen. Und schon wieder waren so trickreiche Hacker am Werk, dass sich niemand einer Schuld bewusst ist. Trotzdem oder gerade deswegen ist es verwunderlich, dass diese Informationen über Datenklau – die erste Vorstufe zum „Identity Theft“ – an die Öffentlichkeit getragen wurden. Immerhin ging es dabei um rund 4 Millionen Kreditkarten- bzw. Bankdaten. Die Dunkelziffer ist aber deutlich erschreckender: Eine kürzlich vorgestellte Studie geht überhaupt davon aus, dass jede Sekunde im Schnitt fast hundert Mal Daten, die eng mit einer Person verknüpft sind, gestohlen bzw. kopiert werden. Und es ist nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit, bis es auch jeden einzelnen von uns trifft. Aber vielleicht schwirren bereits sämtliche Daten von uns im weltweiten Datennetz herum? Aber wird wirklich genug Aufwand betrieben wird, um Datenmissbrauch zu unterbinden? Wir wissen von unserem eigenen PC zu Hause: Jedes System ist knackbar. Auch die großen Online- Häuser sind sich dessen bewusst. Nur eine kleine Unachtsamkeit, ein Detail, das man übersehen hat, und die Kundendaten sind bereits kopiert. Die neuen und leistungsfähigen Systeme schaffen das rasch und zuverlässig …
Den Benutzern selbst ist kein Vorwurf zu machen. Schließlich wird man durch Werbung aufgefordert, doch mit „Plastik“ zu bezahlen. Aber auch der öffentliche Dienst trägt zur Vertrauensbildung bei: Bürgerkarte, SV-Karte mit Sozialversicherungsnummer und natürlich die beliebte Steuernummer. Alles geht online, Eingaben beim Finanzamt mit Papier sind mittlerweile unüblich. Aber auch alle anderen Ämter und Behörden werden in Kürze elektronische Dokumente und Eingaben akzeptieren. Self-Service-Automaten der ÖBB spucken eine Kreditkarten- Quittung aus, inklusive der derzeit abgefragten und überprüften Daten der Kartennummer sowie Ablaufdatum. Und diese landet wohl auch mal im Müll daneben. Raten Sie mal, wer die da wieder rausholt?
In den USA wurde eine eigene Regierungsstelle eingerichtet, die sich mit Identitätsdiebstahl beschäftigt und Tipps und Anleitungen gibt, wie man mit persönlichen Daten umgeht – natürlich alles sehr wirtschaftsfreundlich. Zweifellos ausgeführt mit Hilfen für Opfer eines solchen Diebstahls. Die Essenz dieser vorbeugenden Information lautet: Kontrolliere Deine Kontoauszüge, Rechnungen, Post.
Ich würde mir – analog zu den Verkehrskampagnen – eine Sicherheitskampagne wünschen. Nach der Devise: „Passen Sie auf, mit wem Sie sprechen. Passen Sie auf, wie Sie zahlen. Ihr Umgang mit Ihren Daten entscheidet über Ihre Zukunft. Don’t play with your life.“ Vorträge in Volkshochschulen, Pflichtvorlesungen an den Universitäten („So änderst du deine Zugangsdaten“) wären wohl auch von Hilfe. Eine Zentralstelle für Identitätsdiebstahl und Datensicherheit würde nicht schaden.
Wissen Sie was? Ich zahl nur mehr bar. Das Telefon verwende ich auch nicht mehr. Mit meinem Finanzamt spreche ich nur mehr persönlich, und das auch nur, wenn ich muss. Den PC schmeiß ich raus. Und vor allem: Ich geh’ jetzt offline.
Der Autor
David Lindner ist Kommunikationsvisionär der ersten Stunde, hält Vorträge, schreibt Artikel, überzieht Deadlines und ist Geschäftsführer der Silver VoIP.